Heimische Teams, Hitze & Hagel

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Tops und Flops der 67. Österreich Rundfahrt

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Das war sie, die 67. Österreich Rundfahrt.

Nummer eins nach der Ära Uschi Riha und damit gleichzeitig die Premiere unter Neo-Tour-Direktor Wolfgang Weiss.

Neue Sponsoren, neue Streckenführung, neuer Internet-Stream, neue Homepage, neues Motto.

Was war gut, was weniger? LAOLA1 fasst die Ö-Tour 2015 noch einmal zusammen:

 

STARKE ÖSTERREICHER:

"Wir jungen Fahrer haben sicher optimale Werbung für uns gemacht", freut sich Felix Großschartner (im LAOLA1-Interview). Getreu dem neuen Motto der Rundfahrt "Creating Heroes", haben tatsächlich vor allem die jungen Österreicher aufgezeigt. Etappe 1: Der 21-jährige Daniel Lehner (Team Voarlberg) erobert das Bergtrikot. Etappe 2 bis 3: Matthias Krizek (26, Felbermayr Simplon Wels) mutiert zum Trikothamster und führt sowohl in der Wertung des besten Kletterers als auch in der des besten Österreichers (das Rosa Trikot trägt stellvertretend für ihn Teamkollege Stephan Rabitsch/24). Etappe 4-5: Gregor Mühlberger (21) ist nach der schweren Dobratsch-Etappe bester Österreicher. Etappe 6: Felix Großschartner kürt sich zum Glocknerkönig und holt sich das Trikot des besten Bergfahrers, welches er bis zum Ende nicht mehr abgibt. Etappe 7: Lukas Pöstlberger (23, Tirol Cycling) freut sich über den Tagessieg. Etappe 6-8: Stefan Denifl (IAM, 27) kürt sich zum besten Österreicher. "Die Rundfahrt ist aus sportlicher Sicht exzellent gelaufen. Im internationalen UCI-Vergleich liegt der ÖRV in der Kategorie U23 an der 5. Stelle - noch vor Großmächten wie Großbritannien und Deutschland", freut sich auch ÖRV-Präsident Otto Flum.

HITZE UND HAGEL:

Wieder einmal herrschten bei der Ö-Tour extreme Bedingungen. Auf der einen Seite war es extrem heiß, sodass die Fahrer an ihre Grenzen gehen mussten. "Bei den Bedingungen müssen wir schauen, dass wir keinen Hitzeschlag bekommen", sagte Gregor Mühlberger. Auf der anderen Seite kamen kurz nach der Bergankunft am Dobratsch faustgroße Hagelkörner vom Himmel. "Ein Rad ist kaputt, die Scheiben von drei Autos sind eingeschlagen und zersplittert", konstatierte Mühlberger. Glücklicherweise gab es keinen Personenschaden. "Wenn uns das im Rennen erwischt hätte, dann wäre es brutal gewesen. Ich weiß nicht, ob es uns dann noch geben würde. Es waren sehr große Hagelkörner."

DIE HEIMISCHEN TEAMS:

Im Gegenteil zum Vorjahr konnten die heimischen Continental-Teams auf ganzer Linie überzeugen. "Kritisch darf man durchaus die Ausbeute fast aller österreichischen Teams hinterfragen", hatte Thomas Kofler vom Team Vorarlberg vor einem Jahr angemerkt. Eben jenes Team stellte heuer mit dem Spanier Victor de la Parte sensationell den Gesamtsieger. Team Tirol Cycling fuhr dank Lukas Pöstlberger einen Etappensieg ein, Amplatz BMC holte durch Jan Tratnik das Punktetrikot des besten Sprinters und Felbermayr Simplon Wels hatte erneut den Glocknerkönig in den eigenen Reihen, holte das Bergtrikot und hatte bis zur sechsten Etappe auch das Trikot des besten Österreichers inne.

DIE NEUTRALISIERUNG

"Ich bin sehr enttäuscht, denn heute haben die UCI und der Veranstalter unserem Team einen Sieg gestohlen", beschwerte sich der Sieger der 2. Etappe, David Tanner (IAM), nach der Zielankunft des 5. Teilstückes. Die Organisation hatte sich entschlossen, das Rennen nach einem Massensturz aus Sicherheitsgründen kurzzeitig zu neutralisieren. Die Fahrer waren sich allerdings danach einig, dass dies unnötig gewesen sei. "Die Neutralisation hätte nicht sein müssen. Es war ein ganz normales Renngeschehen und Stürze passieren nun mal im Radsport", verstand auch Mühlberger die umstrittene Entscheidung nicht.

DIE ORGANISATION

Mit der neuen Organisation der Ö-Tour durch Direktor Wolfgang Weiss ist nicht nur Mühlberger "insgesamt zufrieden". Auch Weiss selbst zog eine gleichlautende Bilanz: "Es war jedenfalls turbulent, im positiven wie im negativen Sinn. Ich bin aber sehr zufrieden, dass das Gedachte umgesetzt werden konnte", so der Salzburger am Sonntag in Bregenz. Zeit zum Ausruhen sei jedoch nicht. "Auf mich wartet im kommenden Jahr noch viel, viel Arbeit. Es gibt viele Hausaufgaben für das nächste Mal." Mühlberger merkte positiv an: "Es sind sehr viele Leute da, vielleicht hat das mit der Werbung und der Organisation zu tun. Das ist um einiges besser als im Vorjahr." Großschartner lobt vor allem die Unterkünfte: "Es war richtig gut organisiert, wir haben in super Hotels geschlafen... Ich denke, für das erste Mal war es tadellos. Wenn er die nächsten Jahre genauso arbeitet, wird es sicher immer eine gute Rundfahrt bleiben."

DIE UCI-KOMMISSÄRE

Nach der 1. Etappe wechselte die Führung von Katusha-Profi Rüdiger Selig zu dessen Landsmann Gerald Ciolek (MTN). Da dies jedoch erst nach einigem Hin und Her feststand, wurde zunächst Selig bei der Siegerehrung das Führungstrikot verliehen. "Ich bin natürlich angefressen, dass ich erst eine Stunde später davon erfahren habe, das darf nicht passieren", ärgerte sich Ciolek über die Unzulänglichkeiten der zuständigen UCI-Delegierten. Die sechs Trainees des Radsport-Weltverbandes hatten bereis beim Teamzeitfahren zum Auftakt in Wien für Unmut gesorgt: Aufgrund von verzögerten Vermessungsarbeiten an den Rädern hatte das Team Tinkoff-Saxo nicht rechtzeitig starten können und wurde mit fast einer halben Minute Rückstand Letzter. Die Equipe legte erfolgreich Protest ein: Die sieben betroffenen Fahrer bekamen nachträglich eine Zehn-Sekunden-Zeitgutschrift. Zudem gab es des Öfteren Verzögerungen und Probleme bei der Ergebnis-Bekanntgabe.

DIE STRECKE

Seit der Streckenpräsentation musste sich Weiss immer wieder den kritischen Stimmen stellen, die meinten, die Ö-Tour sei zu schwer für junge Fahrer und würde damit nicht zum Motto 'Creating Heroes' passen. Doch die Ergebnisse der rot-weiß-roten Fahrer sprechen für sich. Die "jungen, wilden Österreicher" hätten genau das gezeigt, was sich der 48-Jährige erhofft hat. "Die Rundfahrt war sehr schwer, aber man sieht, dass wir jungen Österreicher ein hohes Niveau haben, sonst hätten wir nicht so gut mitfahren können. Es hat genau gepasst, wie es war", findet Großschartner. Auch das Finale in Bregenz wurde sehr gut aufgenommen, mit einem Radsport-Fest auf dem Platz vor der Bregenzer Seebühne verabschiedete sich die Ö-Tour gebührend.

SICHERHEITSLÜCKEN

Sowohl der Tour-Direktor selbst als auch die Fahrer kritisierten die gefährliche Zielankunft der zweiten Etappe in Grieskirchen, auf der unter anderem der erste Leader der Tour, Selig, zu Fall kam und ausschied. "Sechs Kurven auf den letzten 700 Metern, das geht einfach nicht. Das macht das Rennen unnötig gefährlich", befand auch der nach der Etappe Führende Ciolek. Zudem machte Mühlberger eine weitere Sicherheitslücke aus: "Die Absicherung ist nicht die beste: Sobald man hinter dem Hauptfeld zurückfällt, ist ganz normaler Verkehr und die Autos kommen einem mit sechzig, siebzig km/h entgegen. Das ist sehr gefährlich".

  ÜBERTRAGUNG

In diesem Punkt gibt es von uns Lob und Tadel: Wie auch in den Vorjahren kam keine LIVE-Übertragung durch den ORF oder Eurosport zustande, lediglich Zusammenfassungen gab es im TV zu sehen. Dafür stellte die Österreich Rundfahrt erstmals einen eigenen Internet-Livestream auf die Beine, über den es - zumindest teilweise - LIVE-Bilder zu sehen gab. Leider ist eine mobile Kamera einfach zu wenig, sodass man, wie etwa am Kitzbüheler Horn, die entscheidene Rennphase nicht übertragen konnte, da das Kamera-Motorrad rausgewunken wurde. Auch vom Dobratsch gab es aufgrund der (bekannten) Empfangsprobleme vom Gipfel nur Bilder der Zielkamera - immerhin. Insgesamt finden wir aber, dass sich die Österreich Rundfahrt und vor allem ihre Teilnehmer eine professionellere LIVE-Übertragung im Fernsehen verdient hätten. Vielleicht ja im nächsten Jahr...

 

Henriette Werner

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