Ö-Tour: Enttäuschende Stars, bescheidenes Wetter

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Nach acht Tagen ging die 66. Internationale Österreich-Rundfahrt am Sonntag vor dem Wiener Burgtheater zu Ende.

Acht Tage, in denen es für die Fahrer nicht nur auf der Strecke, sondern auch mental bergauf und bergab ging.

Höhenflüge, Tiefschläge, Wetterkapriolen und ein Diebstahl drückten der Rundfahrt ihren Stempel auf

Die Tops und Flops der diesjährigen Ö-Tour:

TOP - Patrick Konrad

Erst 22 Jahre jung, doch schon jetzt einer der stärksten Kletterer im Peloton. Patrick Konrad hat seinen dritten Platz bei der letztjährigen Tour de l’Avenir, der Tour de France der Nachwuchsfahrer, mehr als bestätigt. Der Niederösterreicher drängt sich mit seinem vierten Gesamtrang für die internationalen Topteams auf und könnte den Weg von Riccardo Zoidl gehen. Der war im Vorjahr Kapitän von Gourmetfein Simplon und wechselte anschließend zu Trek. Auch Konrad hat das Zeug, sich bei einem WorldTour-Rennstall durchzusetzen. „Das hätte ich mir nie träumen lassen. Die Mannschaft hat mich die ganze Woche super unterstützt, der Erfolg gehört nicht nur mir, sondern dem ganzen Team“, meinte die ÖRV-Hoffnung.

FLOP - Das Wetter

Sintflutartige Regenfälle setzten den Teilnehmern auf dem Weg hoch zum Kitzbüheler Horn zu. Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, dichter Nebel und erneut heftiger Regen ließen den Großglockner zu einem Albtraum werden. Die Radprofis hatten es in diesem Jahr wahrlich nicht leicht, denn der Wettergott hatte vor allem auf den schwierigen Bergetappen kein Einsehen. „Natürlich leidet man da mit. Das wünscht man den Athleten nicht“, tat es Rundfahrt-Direktorin Uschi Riha leid. Selbst ein sonniger Abschluss war ihnen nicht vergönnt, denn zehn Kilometer vor dem "Grande finale" in Wien setzte heftiger Regen ein. Die Siegerehrung wurde kurzerhand in ein kleines Zelt verlegt.

TOP - Pete Kennaugh

Die Verantwortlichen im Team Sky sollten sich in den Allerwertesten treten für die Entscheidung, den 25-Jährigen nicht ins Aufgebot für die Tour de France gehievt zu haben. Kennaugh feierte den ersten Start-Ziel-Sieg bei der Ö-Tour seit Roman Hummenberger 1971. Der Brite von der Isle of Man gewann die erste kleine Bergankunft in Sonntagberg und gab das Gelbe Trikot des Gesamtführenden nie wieder ab. Wirklich einschätzen kann er seinen Erfolg allerdings noch nicht. „Ich brauche eine Weile, um das zu realisieren, aber es ist ein großer Sieg für mich.“ Große Erfolge gehören bekanntlich gefeiert, deshalb wusste er auch genau, was nach dem Ende der Rundfahrt zu tun ist: „Ich werde mich betrinken!“

FLOP - Diebstahl

Es war ein Schock, als das Team Gourmetfein Simplon am Mittwochmorgen die Räder rennfertig machen wollte. Es war keines mehr da. 15 Räder wurden gestohlen, das Team war geschockt. „Die Ö-Tour könnte unser letztes Rennen sein“, erklärte Sportdirektor Andreas Grossek im Gespräch mit LAOLA1wenige Stunden nach dem Vorfall. Bis dato ist unklar, ob der Truppe der Schaden von 150.000 Euro ersetzt wird oder nicht. Immerhin ist ein Start beim Giro Ciclistico della Valle d'Aosta in dieser Woche gesichert. Für den österreichischen Radsport wäre es eine Katastrophe, wenn die stärkste Mannschaft mitten in der Saison den Laden zusperren müsste.

TOP - Gregor Mühlberger

Der Niederösterreicher zählt gerade mal 20 Lenze und darf sich dennoch bereits Glocknerkönig bezeichnen. Auf dem fünften Teilstück gehörte er einer Ausreißergruppe an und holte sich diesen begehrten Titel als erster Österreicher seit Gerrit Glomser vor sechs Jahren. Der Tirol-Cycling-Akteur war auch am Folgetag wieder in der Fluchtgruppe vertreten und beweist damit schon in jungen Jahren, dass dem heimischen Radsport nicht angst und bange werden muss, da es einige Talente gibt, die die Hoffnung wecken, dass mittel- und langfristig der rot-weiß-rote Radsport wieder zu einer echten Marke im internationalen Geschehen wird.

FLOP - Ein Gros der österreichischen Teams

"Kritisch darf man durchaus die Ausbeute fast aller österreichischen Teams hinterfragen", merkte Thomas kofler in seiner Presseaussendung für die Equipe Vorarlberg an. Damit liegt er richtig. Zwar muss man Gourmetfein und mit Abstrichen Tirol Cycling ausnehmen, doch für den Rest erwies sich das hochkarätige Teilnehmerfeld als zu stark. Vorarlberg, Amplatz-BMC, Gebrüder Weiss Oberndorfer und WSA-Greenlife mühten sich und versuchten alles, um zumindest ab und an in einer Ausreißergruppe vertreten zu sein, Zählbares kam dabei allerdings leider nicht heraus. 

TOP - Solidarität

Es war eine einmalige Aktion, die für Direktorin Uschi Riha das „persönliche Highlight“ dieser Rundfahrt war. Nachdem sich der Diebstahl rumgesprochen hatte, halfen die Teams geschlossen zusammen und organisierten für Gourmetfein Simplon Ersatzbikes, -Pedale und -Equipement. „Innerhalb von 15 Minuten hatten wir die Räder zusammen“, schwärmt die Chefin. Auch die neutralen Mechaniker von Vittoria hatten in der folgenden Nacht mitgeholfen, um die neuen Bikes flott zu machen. „Das sind Momente, wo man sieht, dass die Radsport-Familie zusammenhält. Das Zwischenmenschliche ist speziell bei der Österreich-Rundfahrt gegeben.“

FLOP - Die Stars

Thor Hushovd kam kurzerhand erst gar nicht zur Österreich-Rundfahrt, zahlreiche weitere Stars blieben lediglich ein Schatten ihrer selbst. Der zweifache Giro-Sieger Ivan Basso verließ die Rundfahrt ebenso vorzeitig wie Fredrik Kessiakoff, der bei der Ö-Tour 2011 triumphierte. Mit Stijn Devolder, Rundfahrt-Sieger 2007 sowie zweifacher Gewinner in Flandern, blieb ein weiterer „Großer“ deutlich hinter den Erwartungen zurück. Enttäuschend war zudem der Auftritt von Ex-Tour-Etappensieger Jelle Vanendert. Nicht mehr zu erwarten war dagegen von Dan Martin, der Gesamt-15. wurde. Der Garmin-Profi kehrte in Österreich nach langer Verletzungspause ins Geschehen zurück und ist noch weit entfernt von seiner Höchstform, zeigte sich aber immerhin als Ausreißer auf der Schlussetappe.

TOP - Etappensieg für Österreich

2.193 Tage hat es gedauert, bis es wieder soweit war. Nach dem letzten österreichischen Etappensieg im Rahmen der Ö-Tour, für den Rene Haselbacher vor sechs Jahren in Bad Vöslau sorgte, schlug Marco Haller in Wien endlich wieder zu. Für den 23-Jährigen ging auch eine persönliche Durststrecke zu Ende, wartete er doch seit mehr als eineinhalb Jahren auf seinen dritten Profierfolg. "Mein Job im Team beinhaltet viel Helferarbeit für unsere schnellen Jungs Alexander Kristoff und Aleksandr Porsev. Wenn ich mal die Möglichkeit habe, selbst auf Sieg zu fahren, möchte ich nicht enttäuschen", zeigte sich der Kärntner nach zwei dritten Plätzen in Bad Ischl und Matrei erleichtert.


Henriette Werner / Christoph Nister

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