Die dreisten Drei

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Ein Trio lässt die Alten noch ein Stück älter aussehen

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Drei Fahrer prägen die 66. Österreich Rundfahrt bislang - sie sind jung, hungrig und lassen routinierte Fahrer wie Ivan Basso oder Stijn Devolder alt aussehen:

Dayer Quintana - 21 Jahre alt - trat am Kitzbüheler Horn in die Fußstapfen seines Bruder Nairo und ließ alle anderen stehen.

Der 25-Jährige Pete Kennaugh fährt seit dem Sonntagberg im Gelben Trikot und strebt an, es bis Wien nicht mehr herzugeben.

Patrick Konrad - 22 - sorgt als bester Österreicher für Furore und zeigt, dass er Vorjahressieger Riccardo Zoidl beim Team Gourmetfein mehr als würdig vetritt.

LAOLA1 hat mit den Trio gesprochen:

Patrick Konrad

Als Tagesfünfter erreichte er bei strömendem Regen, Nebel und Kälte den Gipfel des schwersten Berges, den er bislang mit dem Rad erklommen hat. "Es war nicht einfach hier hoch bei Regen. Für meine Mannschaft und mich war es ein super Tag, wir können sehr zufrieden sein. Die Burschen haben einen super Job erledigt und Jure (Golcer), Matija (Kvasina) und mich gut in den Berg reingebracht", so der Niederösterreicher im Ziel.

"Ich bin von unten weg meinen Rhythmus gefahren und wusste, dass ich für die letzten Meter noch Körner brauche. Es war klar, dass ich da viel Zeit gut machen, aber auch verlieren kann." Aus diesem Grund musste er auch die Gruppe um den Mann in Gelb ziehen lassen, verlor auf diese im Endeffekt aber nur eine halbe Minute. "Ich wusste, wenn ich da mitfahren würde, würde ich wegplatzen. Deshalb bin ich meinen Rhythmus gegangen und habe im steilen Stück am Ende (bis zu 22,3 Prozent, Anm.) noch einmal viel Zeit rausgeholt."

Und das, obwohl er, wie er am Vortag im großen LAOLA1-Interview verriet, am liebsten bei heißem Wetter fährt. "Ich hatte heute Morgen richtig schlechte Beine. Mit meiner Achillessehne hatte ich auch Probleme und habe sie noch immer. Das wird aber morgen vorbei sein."

Sein Ziel, am Ende der Rundfahrt in die Top Ten zu fahren, korrigiert der aktuelle Gesamt-Fünfte trotz der abermals sensationellen Leistung nicht nach oben. "Bis nach Wien ist es immer noch ein sehr weiter weg. Es kommen noch drei richtig harte Bergetappen, der Dobratsch (Bergankunft der 6. Etappe, Anm.) ist in meinen Augen die Königsetappe. Der 17 Kilometer lange Anstieg ist brutal schwer, dazu gibt es noch ein Zeitfahren. Ich behalte meinen Kurs bei: Wenn ich die Top Ten schaffe, ist die Mannschaft sicher zufrieden", bleibt er bescheiden.

Zudem sieht er sich nicht unter Druck gesetzt: "Jure ist auch noch immer gut dabei, er könnte der Joker sein. Die Mannschaft unterstützt mich voll und ganz, das finde ich super."

Pete Kennaugh

Der britische Meister behauptete am Horn als Etappendritter souverän das Gelbe Trikot und mausert sich immer mehr zum Favoriten auf den Gesamtsieg der 66. Österreich-Rundfahrt, sodass es das Team Sky wohl schon bereuen wird, den starken Briten nicht mit zur Tour de France genommen zu haben.

"Von Beginn an war es sehr schwer, das Rennen war schnell, da gleich an den ersten beiden Bergen eine Menge Attacken gingen. Christian Knees hat einen sehr guten Job gemacht und alles abgefangen. Meine Beine fühlten sich am Anfang gut an, aber es war eine lange Etappe und durch den Regen am Ende der Etappe wurde es sehr stressig und anstrengend", beschrieb der 25-Jährige seine Sicht auf die dritte Etappe.

"Die letzten Kilometer waren sehr gefährlich, den ganzen Anstieg lang war überall Wasser, an einigen Stellen sogar Kopfsteinpflaster. Da war es sehr wichtig, vorne zu bleiben. Das Team hat gute Arbeit geleistet. Zu Beginn des Anstiegs hat mir Joshua Edmondson das Tempo gemacht. Dann ging es nur noch um die physische Verfassung und wer die besten Beine hatte", fühlte sich Kennaugh gut unterstützt. "Am Ende eines derart steilen Berges ist es nicht mehr so wichtig, noch einen Teamkollegen dabeizuhaben, da es keinen Unterschied mehr macht. Jeder fährt am Limit."

Man könnte meinen, der Mann von der Isle of Man kommt mit derartigem Wetter besser zurecht als manch ein Fahrer, der aus südlicheren Gefilden stammt. Doch dies bestreitet der Träger des Gelben Trikots: "Ich bevorzuge sonniges Wetter, ich denke, jeder Fahrer tut das. Es ist nicht angenehm, im Regen zu fahren. Das Wichtigste ist, dass man fokussiert bleibt und sich nicht davon ablenken lässt, mental stark bleibt."

Dass er hart im Nehmen ist, bewies er bereits in den letzten Jahren. Er habe schon "schlimmer gelitten" als am Dienstag. "Vergangenes Jahr bei der Tour gab es einige sehr heftige Etappen wie Alpe d'Huez oder den Mont Ventoux und beim Giro 2011 gab es einige epische Etappen über 260 Kilometer und fünf Anstiege der ersten Kategorie. Die Etappe hier war bis auf die letzten sieben Kilometer relativ leicht."

Mit diesem starken Auftritt ist sein Ziel, die Gesamtführung bis Wien nicht mehr herzugeben, ein ganzes Stück näher gerückt. "Das war gut für mein Selbstbewusstsein und für das Vertrauen meines Teams in mich."

 

Christoph Nister / Henriette Werner

Dayer Quintana

Als die zehnköpfige Ausreißergruppe mit knapp eineinhalb Minuten Vorsprung Kitzbühel erreicht, glaubte wohl niemand daran, dass einer von ihnen durchkommen würde.

Bereits früh am Anstieg setzte sich Dayer Quintana alleine an die Spitze und ließ seine Mitstreiter stehen. "Als ich mich abgesetzt habe, habe ich gemerkt, dass ich stärker bin als meine Begleiter. Aber man weiß natürlich nie, ob man durchkommt."

Der 21-Jährige, der seinem berühmten Bruder Nairo - welcher heuer den Giro d'Italia gewann und im Vorjahr Zweiter der Tour de France wurde - wie aus dem Gesicht geschnitten ist, verteidigte seinen knappen Vorsprung in beeindruckender Manier und gewann die Etappe.

"Es war ein sehr schweres Rennen, die letzten 40 Kilometer waren extrem hart. Zu Beginn war es sehr heiß und schwül, am Ende kalt und nass. Wenn sich das Wetter so schnell ändert, ist es sehr schwer. Dennoch war die Kälte nicht das Problem, ich habe mir vor allem Sorgen um meine Verfolger gemacht", beschrieb er sein Rennen.

Trotz des schlechten und kalten Wetters strahlte der kleine, zitternde Kolumbianer bei der Siegerehrung über das ganze Gesicht. "Bei diesen Bedingungen zu gewinnen, freut mich umso mehr. Ich bin sehr stolz und werde auf jeden Fall heute Abend meinen Bruder anrufen und berichten, dass ich gewonnen habe", verriet er mit funkelnden Augen.

Die beiden trainieren so oft es geht gemeinsam, allerdings lässt es das unterschiedliche Rennprogramm kaum zu. Dayer hofft jedoch, dass er die Vuelta a Espana gemeinsam mit seinem Bruder fahren darf. "Das liegt nicht in meinen Händen", meinte er. Mit seiner starken Leistung am Horn hat der Movistar-Profi jedoch eine vielversprechende Bewerbung abgeliefert ...

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