Konrad: "... dann geht die Welt auch nicht unter"

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Patrick Konrad ist Träger des "Weißen Trikots" des besten Österreichers bei der Österreich-Rundfahrt und hat zugleich die gelbe Startnummer des besten Jungprofis unter 25 Jahren auf seinem Rücken.

Der Niederösterreicher überzeugte auf der ersten Etappe hinauf zum Sonntagberg und liegt vor der schweren Etappe mit der Ankunft am Kitzbüheler Horn auf dem sechsten Gesamtrang.

LAOLA1 hat sich mit dem 22-Jährigen getroffen und über seine Form und Vorhaben bei der Ö-Tour gesprochen.

LAOLA1: Auf der ersten Etappe hinauf zum Sonntagberg hast du eine tolle Leistung gezeigt, war es auf der zweiten Etappe entspannter?

Patrick Konrad: In Bad Ischl sind die Sprinter zum Zug gekommen, da habe ich ein wenig Kraft sparen können für die Etappe am Dienstag, die es mit 208 Kilometern und dem Kitzbüheler Horn wirklich in sich hat. Es war dennoch nicht leicht, wir haben viele Höhenmeter gesammelt, obwohl es eine Sprintetappe war.

LAOLA1: Insgesamt sind bei der Österreich-Rundfahrt über 14.000 Höhenmeter zu bewältigen, selbst Vorjahressieger Riccardo Zoidl hat gesagt, es ist an der Grenze des Erträglichen. Was meinst du als guter Kletterer?

Konrad: Es ist brutal schwierig! Wenn das schon Ricci sagt, der war immerhin beim Giro ... Man hätte sicher den einen oder anderen Berg weglassen können, aber andererseits gehören das Kitzbüheler Horn und der Großglockner einfach zur Rundfahrt dazu. Man kann die Berge nicht wegzaubern und manchmal muss man über einen Pass drüber, um zum Ziel zu kommen. Es ist ja für alle gleich, da muss man die Zähne zusammenbeißen.

LAOLA1: Was verbindest du mit dem Kitzbüheler Horn?

Konrad: Es ist der schwierigste Berg, den ich je gefahren bin. Das Horn hat es wirklich in sich, man kann sich keinen Meter ausrasten, er ist vom ersten Kilometer an knallhart. Im Wettkampf bin ich ihn schon dreimal gefahren - davon zweimal bei der Österreich-Rundfahrt – dazu dreimal im Training.

LAOLA1: Wir sieht eure Taktik aus?

Konrad: Wir schauen uns die Etappe ganz genau an und klären, wie sich jeder fühlt, um zu wissen, wie wir vorgehen. Vorher sind 200 Kilometer zu bewältigen, da muss man erst mal sehen, ob das ganze Feld zusammen ankommt. Sonst würden wir Jure (Golcer, Anm.), Matej (Marin, Anm.) und mich forcieren und schauen, wer von uns dreien am besten raufkommt. Das Wetter soll in den kommenden Tagen schlechter werden, wobei ich ja eher der Schönwetter-Fahrer bin: Ich fahre am liebsten, wenn es heiß ist. Ich bin leicht gebaut und bei Regen merke ich die Kälte eher als einer, der etwas kräftiger ist. Aber dafür gibt es warme Kleidung.

LAOLA1: Du bist momentan der beste Österreicher und fährst für das Team Gourmetfein – damit bist du praktisch der legitime Nachfolger von Riccardo Zoidl, der im letzten Jahr die Ö-Tour gewonnen hat. Wie siehst du das Ganze?

Konrad: Das Team kümmert sich echt super um mich und hat mich heuer langsam in die Kapitänsrolle einleben lassen. Ich würde nicht sagen, dass ich der Nachfolger von Ricci bin, aber ich habe schon ein paar schöne Ergebnisse einfahren können. Wenn es jetzt so weitergeht bei der Ö-Tour, wie es angefangen hat, dann bin ich sehr zufrieden und die Mannschaft auch.

LAOLA1: Nachdem du im letzten Jahr für Etixx gefahren bist, agierst du inzwischen als Kapitän für Gourmetfein. Bist du jemand, der mit diesem Druck sehr gut umgehen kann?

Konrad: Fifty-fifty, aber Druck wird mir von der Mannschaft eigentlich nicht gemacht. Hier und da wird gesagt, heute sollten wir gewinnen, aber wir gehen sowieso in jedes Rennen mit 100 Prozent. Wenn die ganze Mannschaft alles gibt und ich es mal nicht so umsetzen kann, weil ich einen schlechten Tag habe, reißt mit keiner den Kopf ab. Einer für alle, alle für einen.

LAOLA1: Wie muss man sich Kapitän Konrad vorstellen während des Rennens? Sagst du dann auch mal, Jungs, macht mal ein bisschen Tempo, ich fühle mich gut, oder bist du eher der ruhige Typ und überlässt es dem sportlichen Leiter?

Konrad: Das hängt ganz von der Rennsituation ab. Manchmal muss man selbst die Initiative ergreifen, weil man im Finish einer Etappe nicht mehr zum sportlichen Leiter zurückgehen und die Lage abchecken kann. Zu Beginn einer Etappe, wenn eine Gruppe weg ist oder wenn man den Tag umplanen muss, redet man sich untereinander ab und erzählt sich, wie man sich fühlt. Ich sage allerdings auch oft, dass es mir nicht so gut geht und Jure entgegnet dann, nein, du bist stark, ich sehe dir das an, wir fahren alle für dich. Ab und zu muss man eben auch was riskieren, wenn man gewinnen will.

LAOLA1: Im letzten Jahr warst du Dritter bei der Tour de l'Avenir – der wichtigsten Nachwuchsrundfahrt. Das ist etwas, was die großen Teams anlockt, dennoch konntest du keinen Vertrag bei einem Top-Team an Land ziehen. Woran lag es und wie schwierig ist es, sich einen Platz bei einem WorldTour-Team zu sichern?

Konrad: Das Problem war, dass mir ein Sieg gefehlt hat. Ich habe zwar viele tolle Platzierungen eingefahren, aber ich musste bei Etixx auch viele Helferdienste leisten, weil wir eine richtig starke Mannschaft waren. Zudem war es im letzten Jahr schwierig, weil viele Teams zugesperrt haben. Da stehen dann von einem Tag zum anderen hundert Radfahrer am Markt. Als Österreicher ist es dann schwer, sich durchzusetzen. Es kommt vor, dass die Teams die Kader nach Sponsoren-Interesse zusammenstellen. Wenn es im Herbst nichts mit einem Profi-Vertrag wird, dann geht die Welt auch nicht unter, ich fühle mich bei Gourmetfein wohl. Das Team strebt ja selbst an, in die ProConti-Liga aufzusteigen. Ich bin zuversichtlich, dass ich noch einige Jahre als Radprofi tätig sein kann. Das macht mir sehr viel Spaß, ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

LAOLA1: Bei der Tour de l’Avenir hast du dich mit den Yates-Brüder um einen Spitzenplatz gematcht. Die beiden fahren jetzt für Orica-GreenEdge, Simon ist sogar bei der Tour dabei. Denkst du dir dann: Das habe ich doch auch drauf?

Konrad: Ja, klar denkt man dann darüber nach. Adam hat heuer sogar die Türkei-Rundfahrt gewonnen. Im letzten Herbst waren wir gleichauf, jetzt fahren sie bei den Profis ganz vorne mit. Natürlich frage ich mich dann, ob ich das auch schaffen kann. Ich habe jetzt bei der Österreich-Rundfahrt die Möglichkeit, mir diese Frage selbst zu beantworten.

LAOLA1: Dein Vater war selbst Sportler und ist Organisator des Vienna City Marathon. Hat er dich zum Sport gebracht?

Konrad: Er hat mir bestimmt etwas mitgegeben. Angefangen hat es, da war ich 13, 14 Jahre, mit einem Radrennen in Ebreichsdorf. Das hat mir von Anfang an Spaß gemacht. Ich habe viele Sachen ausprobiert, Fußball oder auch Leichtathletik, bin dann beim Radfahren geblieben. Mein Vater ist sicher mein größter Förderer und vielleicht auch mein größter Fan. Meine Familie und Freundin kommen auch zur dritten Etappe, um mich zu unterstützen. Das gibt mir einen zusätzlichen Motivationsschub.

LAOLA1: Zu der Zeit, zu der du in den Radsport gekommen bist, wurde er zahlreichen Dopingfällen heimgesucht. Was hat dich dazu animiert, dennoch weiterzumachen?

Konrad: Ich bin ein Kämpfer. Ich glaube, dass unsere Leistungen auch mit hartem Training und harter Arbeit machbar sind und man sauber an die Spitze fahren kann. Natürlich haben mich die Skandale hin und wieder zum Nachdenken gebracht, ich glaube aber an das Gute im Sport und an saubere Athleten. Die Zeiten von damals sind vorbei.

LAOLA1: Es gibt einige junge Österreicher, die zuletzt mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machten. Siehst du den heimischen Radsport im Aufwind?

Konrad: Auf alle Fälle. Wenn man sich die Teamwertung der European Tour anschaut, sind das Gourmetfein und das Team Tirol Cycling ganz vorne dabei, was man sich vor ein paar Jahren noch nicht gedacht hätte. Das motiviert uns, ich kann nur hoffen, dass langsam erkannt wird, welch großes Potenzial im Radsport steckt. Es ist ein geiler Sport, wenn man sich Zeit nimmt und ihn sich ansieht. Ich freue mich über jeden jungen Österreicher, der sich international behaupten kann, weil es gut für unseren Sport ist.

LAOLA1: Wie lautet das große Ziel für die Ö-Tour 2014?

Konrad: Ich warte mal ab, wie das Kitzbüheler Horn wird. Ich habe doch sehr großen Respekt. Es wird schwierig, auf den letzten acht Kilometern kann viel passieren. Wenn ich den Tag gut überstehe und in den Top-10 bleibe, kann ich auch die Rundfahrt dort beenden. Wenn es mir nicht gelingt, bricht auch keine Welt zusammen. Es kommen noch ein paar Jahre.

LAOLA1: Wer macht bislang den stärksten Eindruck auf dich?

Konrad: Kennaugh, der zum Auftakt gewonnen hat, kann das Gelbe Trikot sicher bis nach Wien bringen, da er auch eine bärenstarke Mannschaft hat. Ich gebe die Hoffnung aber noch nicht ganz auf, dass uns Ricci (Zoidl) in den nächsten Tagen noch einiges zeigen wird. Ich glaube, dass die Rundfahrt noch sehr spannend wird, die Königsetappen warten ja noch auf uns.

LAOLA1: Wie würdest du das Ambiente bei der Ö-Tour beschreiben?

Konrad: Es ist für mich, die ganze Mannschaft und alle Österreicher ein Highlight. Es ist eine Chance und eine Plattform, sein Talent zu zeigen. Die Straßen sind sehr gut, die Hotels ebenfalls, dazu ist das Publikum toll. Ob am Sonntagberg, was der Wahnsinn war, oder auch in Bad Ischl – es waren sehr viele Menschen auf der Strecke. So macht es Spaß, bei der Österreich-Rundfahrt am Start zu stehen.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.


Das Interview führten Henriette Werner und Christoph Nister

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