"Hätte am liebsten geplärrt"

Aufmacherbild
 

"Bei jedem anderen Rennen wäre es mir wurscht..."

Aufmacherbild
 

Patrick Konrad erreichte das Ziel der vierten Etappe der Österreich Rundfahrt in Matrei mit der ersten Gruppe und konnte seinen starken fünften Gesamtrang verteidigen. Dennoch wirkte er niedergeschlagen.

Kein Wunder - wurde am Morgen doch bekannt, dass 16 Räder des Teams Gourmetfein Simplon Wels in der Nacht gestohlen wurden (Sportdirektor Andreas Grossek im Gespräch).

"Gleich nach dem Aufstehen, als wir zum Frühstück gegangen sind, haben sie es uns so schonend wie möglich beigebracht. Ich war natürlich sehr wütend und am liebsten hätte ich geplärrt", erzählt ein geknickter Konrad, der das Teilstück auf dem einzig übrig geblienen Ersatzrad ("Es war irgendein Rad, das ich heute bekommen habe, das letzte, was noch da war") bestritt.

Enormer Schaden

 "Die Achillessehne habe ich heute nicht mehr gespürt, aber die Position auf dem Ersatzrad war nicht so gut, jetzt habe ich ein wenig Rückenschmerzen. Ein paar Stunden vor dem Rennen kann man leider nicht mehr so viel einstellen, dafür hat es ganz gut gepasst. Da haben wir nochmal Glück gehabt und müssen froh sein, dass alles glimpflich abgelaufen ist", so der Niederösterreicher.

"Bei jedem anderen Raum wäre es mir wurscht, aber hier...", wirkt er verzweifelt, zudem hat man als Rennfahrer einen besonderen Bezug zu seinem Arbeitsgerät.

"Das Rad war perfekt auf mich eingestellt, es war alles frisch gewechselt und im Prinzip ein nigelnagelneues Rad. Wenn beide weg sind, ist das ein enormer Schaden. Das zweite ist mein Trainingsrad, da ist ein Watt-System dran, das alleine 2.000 Euro kostet...", kann er das Unglück noch immer kaum glauben.

"Die Continental-Team-Fahrer haften quasi mit ihrem eigenen Vermögen, wir bekommen die Räder von unserem Gehalt und wenn das dann fehlt, ist das scheiße. Das Team hat jetzt einen Schaden von über 150.000 Euro, was die Hälfte von unserem Jahresbudget ist."

Simplon beschafft Räder

Immerhin: Einen Lichtblick gibt es - den Sponsor. "Simplon lässt uns nicht im Stich", ist der 22-Jährige froh, dass es ab der fünften Etappe auf "eigenen" Rädern weitergeht.

"Wir haben heute in einer Kraftaktion acht Räder für das Team zusammengebaut. Diese werden über Nacht zum Team transportiert. Dann können die Fahrer morgen die nächste Etappe wieder auf ihren richtigen Rädern in Angriff nehmen", berichtet Simplon-Geschäftsführer Andreas Hämmerle.

Auch die große Solidarität der anderen Teams, die Gourmetfein Simplon ausgeholfen haben, tröstet. "Ein herzliches Dankeschön an alle Teams, die so schnell reagiert haben. Das ist schon wichtig, dass man in so einer Situation zusammenhält und den Wettkampf ein wenig außen vor lässt", befindet Konrad.

Nicht das erste Mal

Das Hotel, in dem der Diebstahl passierte, hat indes die Order ausgegeben, dass "nichts nach außen gegeben werden darf, da es ein laufendes Verfahren ist".

LAOLA1 hat jedoch erfahren, dass es vor einigen Jahren schon einmal einen ähnlichen Vorfall in genau diesem Hotel gab.

Allerdings wurden damals die Räder "aus einem anderen Raum entwendet". Dieser soll nicht mehr in Verwendung sein, zudem wurden die Drahtesel extra gesichert, so ein Hotel-Mitarbeiter. "Ich weiß nicht, wie man das hätte verhindern können."

„Wir sind bemüht, das zu regeln. Es war uns niemand von Teamseite böse. Wir haben versucht, Pedale usw. aufzutreiben, in der Kürze der Zeit war das allerdings schwierig“, fügt der Mitarbeiter an. "Das Ganze ist eine Versicherungsgeschichte, wie es weiterläuft, wissen wir nicht."

Christoph Nister / Henriette Werner

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen