"Es war einfach perfekt"

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"Habe schon einige Verträge daheim liegen"

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Vor der 65. Österreich Rundfahrt hatte kaum jemand an einen Heimsieg gedacht. Doch nun ist es fast geschafft.

Riccardo Zoidl muss das Gelbe Trikot auf der abschließenden Etappe nach Wien, auf der der Gesamtführende traditionell nicht attackiert wird, nur noch ohne Sturz nach Hause bringen. 

Mit einem 15. Platz im Einzelzeitfahren in Podersdorf überholte der Oberösterreicher den bis dahin führenden Kevin Seeldraeyers. Ganze 1:42 Minuten nahm der 25-Jährige seinem belgischen Rivalen im Kampf gegen die Uhr ab.

Nach der Etappe traf LAOLA1 Österreichs neuen Radsport-Liebling in ruhiger Atmosphäre . Zoidl bedankt sich im Interview bei seinem Team und spricht ausführlich über seine Zukunft. Außerdem äußert er sich zur neuen heimischen Radsport-Generation.


LAOLA1: Kann man dir schon gratulieren?

Riccardo Zoidl: Im Normalfall ist der Vorsprung so groß, dass da nichts mehr passiert. Außer ich stürze, deswegen muss man immer auf der Hut sein.

LAOLA1: Wie schwer war das Zeitfahren? Vor allem aufgrund des Gegenwindes nach der Wende.

Zoidl: Mit dem Wind war es auf alle Fälle schwer, wenn er von der Seite gekommen ist, musste ich mein Lenkrad ganz schön festhalten. Die zweite Hälfte war sehr, sehr anstrengend. Ich habe die Zwischenzeiten durchgesagt bekommen. Fünf Kilometer vor dem Ziel habe ich zum ersten Mal von meinem Bruder gehört, dass ich im Gelben bin. Dann habe ich noch einmal Vollgas gegeben, weil ich gewusst habe, dass es reichen kann. Es war perfekt.

LAOLA1: Was waren deiner Meinung nach die Schlüsselmomente dieser Tour?

Zoidl: Speziell der erste Tag. Dann hat die Woche ihren Lauf genommen. So eine perfekte Woche, wo alles zusammenpasst, erlebt man nicht oft.

LAOLA1: Du hast schon öfter gesagt, dass auch dein Lebensstil mitverantwortlich ist für deinen Erfolg.

Zoidl: Ja, also ich gehe schon gerne ab und zu fort, aber ich weiß, wann ich fortgehen darf. Nach der Rundfahrt, wenn alles gut geht, werden wir es sicher einmal krachen lassen. Aber es war sehr wichtig für mich konsequent zu bleiben, ich wollte unbedingt ins Ausland. Das hat sich auch ausgezahlt und ich bin sehr, sehr froh.

LAOLA1: Neben dir zeigen auch andere junge Österreicher auf, wie beispielsweise Marco Haller, Georg Preidler, Matthias Brändle oder Stefan Denifl. Kann man von einer neuen, jungen Welle im österreichischen Radsport sprechen?

Zoidl: Da kommt sicherlich eine neue Generation auf. Es ist schade, dass man im Radsport immer mit Doping in Verbindung gebracht wird. Meinem Empfinden nach ist es aber seit der Sache um Bernhard Kohl im Jahr 2008 ständig bergauf gegangen ist. Auch wenn man sich die Auffahrtszeit bei gewissen Bergetappen oder auf das Kitzbüheler Horn anschaut, ist das ein guter Beweis, dass man mittlerweile sauber unterwegs ist. Natürlich wird es immer schwarze Schafe geben. Ich traue mich für niemanden die Hand ins Feuer zu legen. Aber es ist sicherlich ein Aufschwung da. Die neue Generation macht einen guten Weg.

 

Aus Podersdorf berichten Jakob Faber und Máté Esterházy

LAOLA1: Du warst letztes Jahr schon gut in Form, aber inwieweit bist du taktisch gereift?

Zoidl: Ich war schon letztes Jahr gut drauf. Deswegen habe ich Selbstvertrauen bekommen und ein wenig das Training umgestellt. Speziell für längere, härtere Rennen, so wie die Ö-Tour. Wobei ich nicht alles auf die Ö-Tour setzen wollte, da kann ja immer viel passieren. Ich bin im Jänner zu meiner Freundin nach Innsbruck gezogen, da hat sich das mit den langen Bergen naürlich angeboten. Das Training dort war sicher ein Pluspunkt. Taktisch gesehen, bin ich etwas ruhiger geworden. Durch die Rundfahrts-Siege, die ich dieses Jahr gefeiert habe, kommt Routine dazu. Ich bin sicher gereift.

LAOLA1: Kann man dich generell als Spätstarter bezeichnen? Du bist 25, was nicht mehr so blutjung ist.

Zoidl: Es gibt auch in der Schule manche Leute, die länger brauchen, bis sie es begreifen. Wirklich schlecht war ich aber nie. Ich habe früher auch halbtags gearbeitet. Ich mache Radsport erst seit 2012 hauptberuflich.

LAOLA1: Trainierst du seitdem viel mehr?

Zoidl: Nicht unbedingt mehr, aber ich kann mir die Regenerationszeiten besser einteilen. Es ist alles viel flexibler, auch die Trainingslager. Es ist in Summe viel weniger stressig.

LAOLA1: Welchen Anteil hat das Team?

Zoidl: Einen hohen. Das ganze Jahr haben Leute wegen mir ihre eigenen Chancen zurückstecken müssen. Speziell Markus Eibegger ist eigentlich ein Siegfahrer. Dass er für mich gearbeitet hat, schätze ich sehr. Nach der Österreich-Rundfahrt werden wir den Spieß einmal umdrehen.

LAOLA1: Wobei du wahrscheinlich nicht mehr allzuviele Chancen haben wirst, bei Gourmetfein Helferdienste zu leisten. Ein Transfer soll kurz bevorstehen.

Zoidl: Das ist eine andere Frage. Aber falls die Möglichkeit dazu da ist, werde ich das auf jeden Fall machen. Weil ich den Jungs alles zu verdanken habe.

LAOLA1: Wie konkret sind die Gespräche mit anderen Teams?

Zoidl: Sehr konkret. Bis Ende Juli sollte das unter Dach und Fach sein.

LAOLA1: Wird es ein ProTour- oder ein ProConti-Team sein?

Zoidl: Es könnte beides werden. Ich habe mich noch nicht entschieden, es werden noch einige Gespräche in den nächsten Tagen geführt werden. Ich habe schon einige Verträg daheim liegen.

LAOLA1: Hättest du schon nach der letzten Saison den Sprung wagen können?

Zoidl: Da waren die Ergebnisse nicht gut genug. Da hatte ich die Möglichkeit nicht.

LAOLA1: Wie wichtig ist ein heimischer Rundfahrts-Sieger für das Fortbestehen der Ö-Tour?

Zoidl: Das ist sehr gut. Wir haben die Stimmung gesehen. Es ist ein wenig ein Hype da, wenn ein Österreicher vorne ist. Ich hoffe, dass das auch Sponsoren anregt. Die Ö-Tour ist das perfekte Sprungbrett für alle Österreicher.

LAOLA1: Du hast dein umgestelltes Training angesprochen. Wohin soll deine Reise in Zukunft gehen? Eher Eintages- oder Etappenrennen?

Zoidl: Ich bin nicht hochexplosiv, aber ich komme frischer in ein Finale, als manch anderer. Dann macht das nicht so einen großen Unterschied, ob ein Berg kurz oder lang ist. Es muss also nicht immer so gebirgig sein. Bei der Bretagne-Rundfahrt, die ich gewonnen habe, war der längste Anstieg einen Kilometer lang. Es wird sich nächstes Jahr alles zeigen: Was für ein Team und was für Rennen. Ich weiß, dass ich auf fast allen Terrains gut sein kann und das ist gut zu wissen.

LAOLA1: Wirst du weiterhin in Österreich wohnen, oder hängt das von deinem neuen Team ab?

Zoidl: Das war und ist eine Bedingung von mir, dass ich nicht umziehen möchte. Das ist nichts für mich. Das haut auch so hin. Klar, wenn wir mal drei Wochen durch Belgien oder so unterwegs sind, ist das kein Problem, aber ich bin vor kurzem nach Innsbruck gezogen, jetzt muss ich nicht schon wieder umziehen. Es reicht.

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