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Wenn ich (der Linke auf dem Bild) als radsportverrückter Jugendlicher durch meine Weinviertler Heimatgegend geradelt bin, prägten mich so manch komische Gedanken: „Welcher Bergwertungs-Kategorie würde dieser Anstieg entsprechen?“ oder „Könnte man in den engen Kellergassen einen Radklassiker belgischen Stils veranstalten?“ Ich träumte davon, wie es wäre, wenn meine Helden von Tour de France und Österreich Rundfahrt auch einmal bei mir zuhause vorbei schauen würden.

Heuer ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. Die sechste Etappe führte quer durch das nördliche Niederösterreich von Maria Taferl nach Poysdorf. Punkto Spitzensport tut sich im Weinviertel normalerweise recht wenig. Seit dem Ende des SC Interwetten.com alias SC Untersiebenbrunn muss man für Profifußball schon nach Wien reisen. Und vom in Österreich so prestigeträchtigen Wintersport ist man im östlichsten Teil des Landes allein schon aus geografischen Gründen ausgegrenzt.

Umso begeisterter wurde die Ö-Tour am Freitag im Weinviertel empfangen. Das spürte man auf den Straßen. Tausende Zuschauer säumten trotz eines kurzen Regenschauers die Zielgerade bei der Sprintankunft in Poysdorf. Schon davor fanden sich viele Menschen an den Straßenrändern von Hollabrunn bis Mistelbach ein. Hier kommt wieder einmal die spezifische Stärke des Radsports zur Geltung: Der Fan kommt nicht zum Sport, sondern der Sport zum Fan.

Für unser beider persönliches Highlight sorgten jedoch zwei grantige Autofahrer schon am Beginn der Etappe. Ein Mann, der eine Ziege an der Leine hielt (!), beschuldigte seinen Nebenparker zu nahe an ihn rangefahren zu sein. Was folgte, waren wüste Beschimpfungen beiderseits. Bis der Mann mit Ziege letztlich von seiner Frau aufgefordert wurde, die Schimpftirade zu beenden. Schade, wir hätten gerne noch amüsiert zugehört.

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