Hohe Berge und rote Zahlen

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Ö-Tour: Hohe Berge und rote Zahlen

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Ihre achte Österreich-Radrundfahrt als Tour-Direktorin hat Uschi Riha vor die bisher größten Herausforderungen gestellt.

Die 65. Auflage, deren Streckenführung am Montagabend im Palais Niederösterreich in Wien präsentiert wurde, stand wegen finanzieller Probleme vor der Absage, zudem verhinderten Naturgewalten am Felbertauernpass den geplanten Verlauf der 3. Etappe nach Osttirol.

Die Radprofis haben es vom 30. Juni bis 7. Juli nicht leichter, an den ersten vier Tagen müssen sie hinauf nach Kühtai (1. Etappe), auf das Kitzbüheler Horn (2.), und über die Großglocknerstraße (4.).

ÖRV trägt Minus

Nach Ausfall von Sponsoren fehlt den Tour-Veranstaltern, einer Tochter-Firma des Radsportverbandes (ÖRV), für 2013 ein sechsstelliger Betrag.

Riha erhielt vom ÖRV, der das Minus trägt, dennoch die Genehmigung zur Durchführung. Wie und ob es nächstes Jahr weitergeht, soll im September entschieden werden.

"Reserven sind aufgebraucht"

"Die Verbandsreserven sind aufgebraucht", weiß Riha.

Wie tief man heuer in die roten Zahlen rutscht, sei noch nicht absehbar.

Denn die Kosten der Exekutive für die Absicherung der rund 1.200 km langen Strecke stehen erst im Nachhinein fest.

Letzte ÖRV-Siege 2008

Die ÖRV-Fahrer sind bei dem Etappenrennen der höchsten Europa-Kategorie seit 2008 sieglos, was oft auch an der starken Besetzung lag.

Damals gewann Thomas Rohregger die Gesamtwertung und Rene Haselbacher eine Etappe.

Ob Rohregger, der stärkste heimische Kletterer, nach der für ihn unglücklichen Konstellation im Vorjahr (sein Teamkollege Jakob Fuglsang/DEN gewann) einen weiteren Anlauf unternimmt, steht frühestens nächste Woche fest, wenn sein Team RadioShack das Aufgebot für die Tour de France benennt.

Der Tiroler hofft natürlich auf eine Teilnahme an der bedeutendsten Rundfahrt der Welt.

Bernhard Eisel hat gute Karten für einen Frankreich-Start im Team Sky.

NetApp nicht dabei

Sollte dieses Duo fehlen, ruhen die heimischen Hoffnungen auf einen Etappensieg - der erste Gesamtrang dürfte außer Reichweite sein - vor allem auf den Auslands-Profis Stefan Denifl, Matthias Brändle (beide fahren im neuen Schweizer Team IAM), Marco Haller (Katjuscha), Georg Preidler (Argos) und dem die heimische Szene dominierenden Riccardo Zoidl (Gourmetfein Wels).

Sprinter Daniel Schorns Rennstall NetApp wird diesmal wohl nicht am Start sein.

"Werbepackage" für ÖRV-Rennställe

Dafür sind diesmal alle fünf ÖRV-Rennställe der Continental Tour startberechtigt (bisher nur vier).

Für sie wurde laut Riha ein "Werbepackage" geschnürt (Präsentationsmöglichkeit für Sponsoren) - es kostet 4.000 Euro.

Je nach Ranglisten-Platzierung können die Teams diesen Betrag ganz bzw. teilweise wieder hereinbringen (4.000, 3.000, 2.000, 1.000 Euro).

Keine Live-Übertragungen

Das enge finanzielle Korsett hat auch zu einem Verzicht auf TV-Live-Übertragungen geführt.

Zuletzt waren bis zu drei Etappen live im ORF gesendet worden. "Das war nicht mehr finanzierbar", erklärte Riha. Und fügte hinzu: "Mit einem neuen großen Sponsor wäre alles anders."

Sehr froh sind die Veranstalter, dass Langzeitpartner wie u.a. Tchibo, Wiesbauer und Osttirol die Rundfahrt weiterhin unterstützen.

13.000 m Gesamtsteigung

Die Grafik der einzelnen Etappen weist steile Zacken auf (insgesamt rund 13.000 m Gesamtsteigung), Riha spricht aber dennoch von einer ausgewogenen Strecke.

"Ich will es nicht übertreiben", betonte die Tour-Direktorin. "Wir versuchen, ein gutes Mittelmaß zu finden, es ist für alle etwas dabei."

Ersatzstrecke nach Osttirol noch gesucht

So habe man die Distanz der schwierigen Etappen von Innsbruck ins Kühtai (1.705 m) und auf das Kitzbüheler Horn (1.690 m) mit 135 bzw. 157 km relativ gering gehalten.

Eine Ersatzstrecke nach Osttirol wird wegen der Sperre des Felbertauern noch gesucht. Auf der vierten Etappe hofft man auf der Fahrt von Matrei nach St. Johann/Alpendorf auf eine schneefreie Glocknerstraße. Andernfalls gäbe es neue Probleme.

Podersdorf und Wien am Ende

Nach dem vierten Tag liegen die hohen Berge hinter den 144 Teilnehmern. Der längste Abschnitt führt mit steilem Schlussanstieg nach Sonntagberg im Mostviertel.

Auf der Fahrt nach Poysdorf (6. Etappe) haben endlich auch die Sprinter Gelegenheit, ihre Qualitäten zu zeigen.

Das Einzelzeitfahren in Podersdorf wird wie schon in den vergangenen acht Jahren die Entscheidung über den Gesamtsieg bringen, ehe es am achten Tag zum Finale mit der erwarteten Sprintankunft vor dem Burgtheater in Wien kommt.

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