Leberkäs-Truppe zermürbt Millionen-Team

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„Astana hat 10 Millionen Euro, wir haben gerade einmal ein paar Hunderttausend“, brachte es Riccardo Zoidl auf den Punkt.

Die finanziellen Unterschiede zwischen der ProTour-Mannschaft und Gourmetfein Simplon sind riesengroß.

Dennoch fordert der österreichische David den kasachischen Goliath ganz schön heraus. So geschehen auch auf der vierten Etappe der Österreich Rundfahrt. Dank einer klugen Renntaktik schob sich Zoidl auf Rang zwei vor.

Gourmetfein zermürbt Seeldraeyers Helfer

„Es ist alles so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben“, meinte Gourmetfein-Teamchef Andreas Grossek. Mit Markus Eibegger schickte die Leberkäs-Equipe bereits vor dem Großglockner einen Mann in die Spitzengruppe.

„Unser Glück war, dass mit Gianluca Brambilla der 15. der Gesamtwertung vorne dabei war. Deswegen konnte Astana die Gruppe nicht gehen lassen. Alexandr Dyachenko und Fabio Aru mussten bereits am Glockner Tempo machen. Natürlich hat sie das geschlaucht“, analysiert Grossek.

Noch am Kitzbüheler Horn wussten eben jene angesprochenen Astana-Profis mit Platz zwei und drei zu überzeugen. Nach St. Johann verloren jedoch beide Zeit auf Zoidl, eben auch deswegen, weil sie die Fahrweise von Gourmetfein zermürbte. Von den Favoriten kam nur Kevin Seeldraeyers, der Träger des Gelben Trikots, zeitgleich mit dem Gourmetfein-Kapitän ins Ziel.

Zoidl holt Sekunden heraus

„Ich denke, Seeldraeyers machte einen Fehler, am Berg anzugreifen. Für mich war das nicht logisch. Nach der Abfahrt vom Großglockner, auf der sich alles wieder zusammenschob, mussten seine Teamkollegen wieder einer Gruppe nachfahren. So konnte sich Ricci ausruhen, während die Astana-Profis Kräfte lassen mussten“, erklärte Zoidl-Helfer Matija Kvasina, der gemeinsam mit Eibegger in ebenjener Gruppe vertreten war.

Während der Kroate als einer der Spitzenfahrer auf den Tagessieg losging und schließlich Dritter wurde, attackierte Zoidl am kurzen Schlussanstieg nach St. Johann/Alpendorf das Gelbe Trikot. Der nunmehrige Gesamtzweite lobte seine Edelhelfer Eibegger und Kvasina für ihre Hilfe: „Meine Teamkollegen waren heute sehr wichtig. Ich habe am Schluss angegriffen und gegenüber Dyachenko und Dries Devenyns Zeit herausgeholt. Sie sind beide ganz gute Zeitfahrer, deswegen können diese Sekunden Gold wert sein.“

Unzufriedenheit bei Astana

Seeldraeyers konnte man im Ziel ansehen, dass er mit der Etappe nicht ganz zufrieden war, obwohl er das Gelbe Trikot souverän verteidigte. „Wir haben nicht genügend Bergfahrer hier, um das Feld auf einem langen Anstieg zu kontrollieren“, meinte der Belgier, der auf Zoidl 59 Sekunden Vorsprung hat, aber als schlechterer Zeitfahrer gilt.

Auch für die 5. Etappe auf den Sonntagberg ist Seeldraeyers pessimistisch: „Wenn ich keine guten Beine habe, dann könnte ich auf dem knackigen Schlussanstieg Zeit verlieren.“ Sein Teamkollege Dyachenko hatte heute besonders gelitten. Der Kasache, vormals Gesamtzweiter, liegt nun als Dritter fünf Sekunden hinter Zoidl.

Fahren hier mit der Weltspitze mit“

Im Gegensatz zur gedämpften Stimmung bei Astana herrscht bei Gourmetfein Euphorie. „Es ist sensationell, dass wir ein Pro-Tour-Team so fordern können. Natürlich mussten wir das Rennen nicht aktiv gestalten. Aber trotzdem: Wir haben uns alle super auf die Ö-Tour vorbereitet. Das zahlt sich jetzt aus“, versprüht Zoidl Optimismus für die nächsten Tage.

Teamchef Grossek ist schon jetzt hellauf zufrieden mit der Performance seines Teams: „Es zeigt sich, dass wir eines der besseren Continental-Teams in Europa sind. Wir fahren hier wirklich mit der Weltspitze mit. Das macht Mut für die Zukunft.“

Aus St.Johann/Alpendorf berichten Jakob Faber und Máté Esterházy

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