Denifl: Wenn 67 kg zu viel sind

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"Hatte andere Ziele als Gesamtklassement"

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Im Schatten von Riccardo Zoidl zeigt bislang noch ein anderer Österreicher bei der Ö-Tour 2013 auf.

Als Zehnter (+3:05 Minuten) redet auch Stefan Denifl im Gesamtklassement ein Wörtchen mit. Dabei macht den IAM-Cycling-Profi seine starke Gesamtplatzierung eigentlich gar nicht so glücklich, wie er im Interview mit LAOLA1 zugibt.

Vor der Glockner-Etappe spricht der Tiroler außerdem über den Mythos der Hochalpenstraße, seine Saison und warum 67 kg für die Ö-Tour zu viel sind.

LAOLA1: Drei Ö-Tour-Etappen liegen hinter dir. Wie geht es deinen Beinen?

Stefan Denifl: Ich bin ein bisschen müde. Die ersten zwei Tage ist es im Finale hoch hergegangen. Normalerweise werde ich während einer Rundfahrt stärker, deswegen war ich etwas überrascht, dass ich nicht so gut erholt bin. Aber die Etappe heute war zum Glück nicht so schwer, nur das Finale war ein wenig hektisch.

LAOLA1: Aber du bist in den Top Ten. Bist du zufrieden mit deiner Performance?

Denifl: Ich habe gewusst, dass ich für Etappen wie Kühtai und Kitzbüheler Horn drei, vier Kilo zu viel wiege. Es ist im Training nicht so gut gelaufen, mir haben die langen Einheiten gefehlt. Vor der Rundfahrt hatte ich 67 kg, wenn du ganz vorne mitfahren willst, musst du 63 kg haben. Wenn die Berge kurz sind, zählen die Watt, aber bei längeren Bergen ist das Gewicht auch wichtig. Drei Kilo sind eine Minute. Die Fehlen jetzt im Gesamtklassement. Deswegen habe ich schon vor der Rundfahrt gewusst, dass es schwer wird ganz vorne mitzufahren. Jetzt bin ich halt da, wo ich nicht hin wollte. Top Ten ist immer ganz gut bei solchen Rundfahrten, aber persönlich hatte ich andere Ziele.
 

LAOLA1: Seeldraeyers sieht in Dyachenko seinen größten Konkurrenten und nicht in Zoidl. Du siehst das scheinbar anders.

Denifl: Das muss er so sagen. Auch für die Moral der Mannschaft. Zeitfahren kann Dyachenko aber schon gut. Es wird nicht leicht für Ricci, das will ich nicht sagen, aber ich glaube, dass er ein wenig stärker ist. Ob er den Rückstand gutmachen kann, ist eine andere Geschichte. Auch Devenyns ist ein super Rennfahrer. Am Podium wird dir nichts geschenkt, für mich ist es von den Abständen her nicht realistisch. Ich muss schauen, dass ich in den Top Ten bleibe.

LAOLA1: Wenn man dich mit Ricci vergleicht, bist du nur ein Jahr älter, aber schon viel länger dabei.

Denifl: Ja, jetzt fahre ich echt schon lange mit. Elk war auch ein großes Team. Dann vier Jahre lang Cervelo, Leopard, Vacansoleil und jetzt IAM.

LAOLA1: Du sprichst es an, du hast zuletzt jede Saison dein Team gewechselt. Gibt es da einen speziellen Grund?

Denifl: Nein, das war auch ein bisschen Pech. Cervelo hat aufgehört. Bei Leopard hat es eine Fusion gegeben. Ich habe schon in der Saison davor ein Angebot von RadioShack gehabt und ihnen abgesagt. Dann wurde aber Bruyneel Teamchef beim neuen fusionierten Team. Und er ist ein Typ, der nicht vergisst. Bei Vacansoleil habe ich mich nicht so richtig wohl gefühlt.

LAOLA1: Wieso?

Denifl:
Ich brauche eine gute Rennplanung. Und ich bin letztes Jahr nur von einem Rennen zum anderen geschickt worden. Es ist kein schlechtes Team, aber ich habe gewusst, IAM passt besser zu mir. Die schauen auf mich. Super Teamkollegen, super Material. Auch der Sponsor ist ein richtiger Radsport-Fan. Natürlich macht er es auch wegen der Werbung, aber er kommt zu den Rennen. Es gibt auch keinen Riesendruck, wenn es mal nicht so läuft.


LAOLA1: Wäre es dir vielleicht lieber, du hättest etwas mehr Rückstand und könntest dafür auf Etappensiege fahren?

Denifl: Ich will das Ergebnis nicht schlecht reden, es passt voll, aber ja. Am Kühtai war ich doch ganz gut dabei. Das Team hat mir dann viel geholfen, da will ich die Jungs auch nicht enttäuschen. Jetzt kann ich vielleicht in einem hektischen Finale etwas probieren, sonst brauche ich gar nichts zu versuchen. Den Sonntagberg kenne ich noch nicht.

LAOLA1: Morgen wartet mit dem Glockner nicht gerade der kürzeste Berg auf euch.

Denifl: Der Glockner ist mitten in der Etappe, deswegen gehe ich davon aus, dass ich mit der Spitze drüberkommen werde. Und das Finale ist nicht so lange, das sollte mir liegen. Es bleibt aber ein schwerer Berg und ist trotzdem ein Mythos.

LAOLA1: Was macht den Glockner so besonders?

Denifl: Die Länge, die Höhe. Es gibt wenige Pässe in den Alpen, die so hoch sind. Auch landschaftlich ist es beeindruckend. Es sind doch viele Fahrer aus Belgien oder Holland da, die das nicht so kennen. Für einen Österreicher bedeutet der „Glocknerkönig“ viel Prestige und für die anderen gibt es immer noch richtig viel Geld.

LAOLA1: Was erwartest du für die Etappe nach St. Johann/Alpendorf?

Denifl: Es wird wohl eine Gruppe gehen, dann wird Astana das Rennen kontrollieren. Ich glaube, dass sie für das Zeitfahren mehr Abstand brauchen auf den Ricci. Und Ricci und Devenyns abzuhängen, wird nicht einfach.

LAOLA1: Was hast du in dieser Saison noch mit deinem Team vor?

Denifl: Im August fahre ich zwei Rundfahrten in Frankreich. Und im September setze ich dann alles auf die WM. Letztes Jahr habe ich gut abgeschnitten, damals war es auch ein schwerer Kurs. Es ist von mir schon ein Ziel, dass ich dort wieder gut in Form bin.

LAOLA1: Du hast deine stärksten Leistungen zuletzt immer bei Eintagesrennen auf welligem Terrain gezeigt. Was für ein Typ Radfahrer möchtest du in Zukunft sein?

Denifl: Ich habe in den letzten Jahren gesehen, dass ich mir schwer tue, wenn ich so dünn und ausgehungert bin. Also die Körperstatur, die ein guter Bergfahrer bräuchte. Deswegen glaube ich, dass mir jene Berge mehr liegen, die ein bisschen kürzer sind. Das habe ich auch heuer wieder gesehen. Ich komme sehr gut im Feld zurecht – etwas, was bei den Klassikern wichtig ist. Außerdem kann ich mir ein Rennen einteilen. Ich glaube, ich bin schon recht vielseitig, auch wenn ich sicher kein Sprinter bin (lacht).


Aus Matrei in Osttirol berichten Máté Esterházy und Jakob Faber

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