Haller: "Rennfahrer-Herz schlägt nicht sonderlich hoch"

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Wenn die 64. Internationale Österreich-Rundfahrt am Sonntag in Innsbruck losrollt, feiert ein junger österreichischer Profi seine Premiere.

Marco Haller, für den seit Saisonbeginn im Team Katusha der Rubel rollt, steht erstmals bei seiner Heimat-Landesrundfahrt am Start.

Ursprünglich war die Vorfreude, sich vor rot-weiß-rotem Publikum präsentieren und möglicherweise mit Spitzenplätzen glänzen zu können, groß. Der Freude ist inzwischen Ernüchterung gewichen, dem Tatendrang eine gewisse Enttäuschung.

„Das wird kein Spaß!“

„Ich war bei der Präsentation der Rundfahrt dabei“, so der 21-Jährige im Gespräch mit LAOLA1. „Als ich gesehen habe, wie das abläuft, habe ich mir nur gedacht: Bumm, das wird kein Spaß!“

Der Grund für den Stimmungswandel ist simpel: Die Österreich-Rundfahrt ist eine Sache für Kletterer, nicht aber für Sprinter wie Haller.

„Ich glaube schon, dass es schönere Möglichkeiten gegeben hätte, eine Rundfahrt aufzuziehen“, übt er Kritik an der Streckenführung. Kitzbüheler Horn und Großglockner seien zwar inzwischen Tradition, doch „meiner Meinung wäre es schön, wenn man zu Beginn auch mal zwei oder gar drei Etappen für die Sprinter konstruiert.“

Haller (r.) ist mit seinen Leistungen für Katusha zufrieden

Strammes Rennprogramm

Kräfte braucht er auch. Nicht nur für die letzte Ö-Tour-Etappe, sondern vor allem für die zweite Saisonhälfte. „Ich werde bis spät in den Oktober im Einsatz sein.“

Dabei stehen neben vielen kleineren Rennen auch Kaliber wie Paris-Bourges oder Paris-Tours auf dem Plan. Zu guter Letzt winkt ein Abstecher zur Tour of Beijing.

„Noch immer ein Traum“

„Für mich ist es immer noch ein Traum, für ein Top-Team wie Katusha zu fahren“, gesteht der Kärntner, der zugleich einschränkt: „Ich sehe mich aber erst dann im WorldTour-Zirkus angekommen, wenn ich nach zwei Jahren den Vertrag verlängert bekomme. Ich betrachte es nüchtern und realistisch. Es kann ohne weiteres sein, dass ich Ende 2013 mit leeren Händen dastehe und bei einem österreichischen Continental-Team anheuern muss.“

Um das zu vermeiden, will Haller sich weiter für das Team zerreißen und sich in jedem Rennen empfehlen. „Es ist kein leichtes Brot, aber ich bin mit 120 Prozent Einsatz dabei und werde alles daran setzen, um diesen Traum weiterleben zu können.“

Diesen Willen muss er auch bei der Österreich-Rundfahrt zeigen – trotz schwieriger Streckenführung.

 

Christoph Nister

Rennfahrer-Herz bleibt ruhig

In der Tat sah die Planung der letzten Jahre Horn und Glockner jeweils sehr früh im Renngeschehen vor, allerdings gab es hinterher noch die eine oder andere Gelegenheit für die endschnellen Leute im Peloton.

Bei der 64. Ausgabe wird es für die Sprinter schwierig. Haller: „Natürlich will ich mich vor heimischem Publikum präsentieren und freue mich auch auf den Start, angesichts der schweren Etappen wird mein Rennfahrer-Herz aber nicht sonderlich hoch schlagen.“

Seine einzige Chance sieht der Katusha-Profi auf der Schlussetappe, die traditionell nach Wien führt. „Die erste Etappe ist wohl zu schwer, ansonsten sehe ich nur in Wien einen Massensprint. Eine kleine Möglichkeit besteht noch in Melk, prädestiniert ist diese Etappe aber für eine Fluchtgruppe.“

Helferrolle kein Problem

Angesichts der Umstände hat der Bronzemedaillen-Gewinner der Junioren-Weltmeisterschaft von 2009 keine Probleme, sich für einen Teamkollegen zu opfern.

„Es wird abzuwarten sein, ob jemand das Zeug hat, um vorne mitzufahren. Sollte das der Fall sein, werde ich zu hundert Prozent hinter dem Leader stehen. Freiheiten brauche ich bis Wien keine, weil ich aus meiner Sicht keine Chance haben werde.“

Selbst die Option, sein Heil in einer Ausreißergruppe zu suchen, betrachtet er nüchtern. „Ich hätte ein paar Fernsehminuten – gut, das ist aber alles. Da spare ich lieber Kräfte.“

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