Titel & Trikot: Felix Großschartner räumt bei Ö-Tour ab

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Erst kürte sich der Oberösterreicher zum neuen Glocknerkönig, dann sicherte er sich in einem packenden Kampf auch noch das Bergtrikot der 67. Österreich Rundfahrt - die Rede ist von Felix Großschartner.

Der 21-Jährige aus dem Team Felbermayr Simplon Wels, der zudem hinter Stefan Denifl (IAM) zweitbester Österreicher wurde, berichtet bei LAOLA1, wie er diese aufregenden Tage der heimischen Rundfahrt erlebt hat, was er vom Gesamtsieger Victor de la Parte vom Team Vorarlberg hält und wie es um seine Zukunft steht.

LAOLA1: Glückwunsch zu einer starken Ö-Tour! Das Bergtrikot schien beinahe schon an den Franzosen Julien El Fares vom Team Marseille 13 KTM verloren, doch am letzten Berg hast du es dir dann noch gesichert. Wie hast du die Etappe erlebt?

Felix Großschartner: Am Anfang ist eine Gruppe mit circa 15 Leuten gegangen und da war Julien El Fares, der bis dahin Dritte der Bergwertung, dabei. Am Hahntennjoch habe ich dann meine Mannschaft eingespannt, dass sie nachfahren und wir haben das Loch zugemacht. Am nächsten Berg habe ich attackiert und die Bergwertung gewinnen können. Danach war ich noch 80 km in der Ausreißergruppe.

LAOLA1: Was bedeutet das Bergtrikot für dich?

Großschartner: Es ist eine super Werbung für das Team. Für mich selbst ist es sportlich auch super und ich bin sehr zufrieden.

LAOLA1: Du hast dir zudem einen Titel gesichert – den des Glocknerkönigs. Wie lange im Voraus hattest du das geplant?

Großschartner: Im Hinterkopf hatte ich es schon länger. Am Vortag lag ich mit Gregor Mühlberger im Zimmer und habe mit ihm darüber geredet und beschlossen: Passt, ich probiere es heuer. Dass es so aufgeht und ich auch noch das Bergtrikot hole, ist natürlich super.

LAOLA1: Hast du dir vom Glocknerkönig des Vorjahres, Gregor Mühlberger, Tipps geben lassen?

Großschartner: Naja, Tipps… Es kommt ja immer auf die Rennsituation selbst an. Ich wusste, dass ich am Iselslberg schon mit der richtigen Gruppe wegfahren muss. Ich habe mich den ganzen Tag recht gut gefühlt und schon am Fuße des Glockner gewusst, dass ich das gewinnen werde. Ich bin froh, dass ich das gemacht habe.

LAOLA1: Welches Fazit ziehst du nach der Österreich Rundfahrt?

Großschartner: Die Österreich Rundfahrt war für uns sehr erfolgreich, wir haben jeden Tag ein Trikot gehabt. Der Gregor lag bis zum Kitzbüheler Horn, wo er ein wenig Pech gehabt hat, auf dem neunten Gesamtrang. Auch auf der letzten Etappe haben wir noch einmal alles probiert und ich bin froh für die Mannschaft, dass wir das Bergtrikot geholt haben.

LAOLA1: Was war heute mit Gregor Mühlberger los, er ist ja ausgestiegen?

Großschartner: Er hat auf der vorletzten Etappe schon gesagt, dass es ihm nicht so gut geht und er sich ziemlich müde fühlt. Ich denke, dass es vom Kopf her auch nicht so leicht ist, wenn du glaubst, du kannst unter den ersten Zehn mitfahren und dann hast du einen schlechten Tag. Aber das ist normal, es passiert einfach. Wir sind noch jung, da gibt es auch mal schlechte Tage. Vor allem bei solchen Rennen, bei denen so viele Profiteams mitfahren. Da hast du es als junger Fahrer um einiges schwerer.

LAOLA1: Was sagst du zum Gesamtsieger?

Großschartner: Ich kenne Victor de la Parte selbst ein bisschen, vor der Oberösterreich-Rundfahrt waren wir ein paar Mal gemeinsam trainieren und er ist der verdiente Sieger, er war der Stärkste und ist ein super Typ. Ich gönne es ihm von ganzem Herzen. Es ist auch super, dass eine österreichische Mannschaft den Gesamtsieg bei der Österreich Rundfahrt geholt hat.

LAOLA1: Die Ö-Tour läuft unter dem Motto "creating heros". Mit dir, Lukas Pöstlberger und Gregor Mühlberger haben einige junge Österreicher aufgezeigt. Aber war das Profil in Bezug auf das Motto nicht ein wenig zu schwer?

Großschartner: Wir jungen Fahrer haben sicher optimale Werbung für uns gemacht. Wir waren jeden Tag in Gruppen vertreten, Lukas hat eine Etappe gewonnen, ich habe das Bergtrikot und Gregor hatte das Trikot des besten Österreichers bis zur Horn-Etappe. Die Rundfahrt war sehr schwer, aber man sieht, dass wir jungen Österreicher ein hohes Niveau haben, sonst hätten wir nicht so gut mitfahren können. Es hat genau gepasst, wie es war.

LAOLA1: Wie hat dir die neue Organisation unter Tour-Direktor Wolfgang Weiss gefallen?

Großschartner: Es war richtig gut organisiert, wir haben in super Hotels geschlafen, die Strecke war immer gut abgesperrt... Ich denke, für das erste Mal war es tadellos. Wenn er die nächsten Jahre genauso arbeitet, wie er es heuer getan hat, wird es sicher immer eine gute Rundfahrt bleiben.

LAOLA1: Gibt es etwas, das man verbessern kann?

Großschartner: Ich würde mich über eine Etappe freuen, bei der es am Ziel nur zwei, drei Kilometer bergauf geht, wie etwa am Sonntagberg. Dann könnte ich vielleicht um einen Etappensieg mitfahren.

LAOLA1: Wie geht es für dich weiter?

Großschartner: Montag fahre ich nach Livigno zum Höhentrainingslager, aber die erste Woche werde ich da ein wenig herausnehmen. Da gehe ich ein bisserl shoppen, lege mich an den Stausee und gehe Mountainbiken. Die zweite Woche werde ich gescheit trainieren und danach nach Hause fahren. Dann fahren wir mit dem Nationalteam den Nations Cup in Italien. Mitte August ist die Czech Tour, wo sich wohl schon alle auf die Tour de l’Avenir, die U23-Tour-de-France, vorbereiten.

LAOLA1: Stichwort Zukunft: Du sollst Angebote vorliegen haben, stimmt das?

Großschartner: Angebote habe ich noch keine, man spricht mit Mannschaften, aber die Zeit kommt jetzt erst bei den U23-Fahrern im August bzw. nach der Tour de France. Ich konzentriere mich erstmal weiter auf die Rennen, schaue, dass ich gut fahre und der Rest kommt von alleine. Aber die Österreich Rundfahrt war sicher gute Werbung für mich, es waren ja auch viele große Teams dabei, die einen gesehen haben…

LAOLA1: Dankeschön für das Gespräch.

 

Das Interview führte Henriette Werner

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