Acht Kilo weniger machen es aus

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LAOLA1: Hast du schon im Vorhinein ein gutes Ergebnis erwartet?

Denifl: Schon bei der Mittelmeer-Rundfahrt ist es bergauf gut gegangen. Da bin ich bei einer Bergankunft Dritter geworden. Punkto Wattleistung fahre ich heuer die gleichen Werte wie letztes Jahr. Im Radsport kommt es mittlerweile jedoch stark auf das Gewicht an. Bergauf zählen die Watt pro Kilo. Bei mir passt es jetzt auch vom Gewicht her. So leicht wie bei Paris-Nizza mit 62 Kilogramm war ich überhaupt noch nie.

LAOLA1: Wie ist es dir gelungen, an Gewicht abzunehmen, ohne an Leistung zu verlieren?

Denifl: Ich habe bei der Ernährung einiges umgestellt. In den letzten Jahren habe ich mich damit sehr viel beschäftigt, weil ich Probleme hatte, richtig leicht zu werden. Meine Ernährungsweise war nicht die richtige für mich. Ich habe zum Beispiel immer erst relativ spät am Abend gegessen. Jetzt nehme ich konstant drei Mahlzeiten am Tag zu mir. Vorher habe ich beim Abnehmen immer versucht, Kohlenhydrate zu vermeiden. Mittlerweile weiß ich, dass ich Pasta und Müsli problemlos essen kann. Ich habe mich immer gesund ernährt, mich dabei auch gut gefühlt. Nur zum Abnehmen war meine alte Ernährungsweise nicht ideal.

LAOLA1: Wie bist du auf diese Umstellung gekommen?

Denifl: Ich habe relativ viele Bücher zu diesem Thema gelesen. Meine Freundin kennt sich auch gut aus. Sie hat mir schon letztes Jahr den Tipp gegeben, aber ich wollte es nicht glauben. Ich habe zu lange an meiner alten Ernährungsweise festgehalten. Im Nachhinein weiß ich, dass ich es früher hätte umstellen sollen.

LAOLA1: Letztes Jahr bei der Österreich-Rundfahrt hast du gemeint, du bist zu schwer für einen echten Bergfahrer und willst dich deswegen auf die Klassiker konzentrieren. Jetzt bist du leichter. Willst du deswegen wieder mehr ins Hochgebirge gehen?

Denifl: Also im Vergleich zu damals bin ich jetzt ein anderer Typ. Bei der Ö-Tour war ich fast auf meinem Höchstgewicht, da hatte ich an die 70 Kilogramm. Jetzt habe ich acht Kilogramm weniger. Damals glaubte ich, wenn ich nicht leichter werde, muss ich mich eben mehr auf die kürzeren Anstiege konzentrieren. Jetzt habe ich aber gesehen, dass ich auch bei den größeren Bergen mithalten kann, wenn Gewicht und Leistung zusammenstimmen. Es war einfach zu viel Speicherfett da. Ich habe jetzt einen ganz anderen Körperbau, so habe ich trotz der Gewichtsabnahme fast nichts an Kraft verloren. Die schweren Klassiker sind noch immer meine Rennen. Somit hat sich an meinen Zielen nicht viel geändert.

LAOLA1: Welche Rennen fasst du als nächstes ins Auge?

Denifl: Nach Mailand-San Remo haben wir zwei Wochen Rennpause. Bis zum Amstel Gold Race dauert es nicht mehr lange. Ich muss schauen, dass ich gesund bleibe, um für die Ardennen-Klassiker in Form zu sein. Das Amstel Gold Race ist am Sonntag, den 20. April. Am Mittwoch danach folgt der Fleche Wallone und am darauffolgenden Sonntag Lüttich-Bastogne-Lüttich. Dieses Rennen sollte mir besonders gut liegen.

LAOLA1: Wirst du bei diesen Klassikern der Kapitän deines IAM-Teams sein?

Denifl: Das weiß ich noch nicht. Wir haben im Team prinzipiell die Philosophie, dass für den gefahren wird, der sich speziell auf das Rennen vorbereitet hat und gut in Form ist. Mit Thomas Löfkvist und Mathias Frank haben wir gute Bergfahrer im Team. Wenn deren Form passt, können sie auch in die Top Ten fahren. In diesem Fall bin ich Teamplayer genug, um selbst in die Helferrolle zu schlüpfen. Vielleicht wechseln wir uns mit der Kapitänsrolle auch ab, das werden wir sehen. Wenn ich mich gut fühle, dann werde ich vom Team die nötige Unterstützung bekommen. Prinzipiell ist man bei Klassikern aber sowieso viel auf sich alleine gestellt. Man muss einfach immer vorne dabei sein.

LAOLA1: Was ist bei diesen Rennen möglich?

Denifl: Letztes Jahr war ich bei Lüttich-Bastogne-Lüttich auf Rang 22. Ich hoffe, dass mich heuer die Gewichtsabnahme nach vorne pusht. Auf eine Platzierung will ich mich jetzt gar nicht festlegen, aber wenn ich die gleiche Leistung wie letztes Jahr abrufen kann, dann ist sicher einiges möglich. Natürlich braucht man auch immer das nötige Glück, dass kein Sturz dabei ist. Aber die Rennen taugen mir einfach. Deswegen freue ich mich schon darauf.

LAOLA1: Mit Sylvain Chavanel ist im Winter einer der Stars der Radsport-Szene zu eurem Team gestoßen. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihm?

Denifl: Ich bin schon ein paar Rennen mit ihm gefahren und muss sagen: Hut ab! Er ist ein richtiger Champion. Bei Paris-Nizza war zunächst er der Kapitän. Als ich gute Leistungen gebracht habe, ist er ohne weiteres für mich gefahren. Das gefällt mir prinzipiell an unserer Mannschaft. Wir haben Kapitäne, die dir nach einem Rennen auch einmal auf die Schulter klopfen. Das sind die Kleinigkeiten, die dich motivieren.

LAOLA1: Eure Mannschaft wird heuer dank einer Wild Card zum ersten Mal an der Tour de France teilnehmen. Ist die „Grand Boucle“ für dich ein Thema?

Denifl: Mein Ziel heuer sind die Rennen im Frühjahr. Danach schaue ich weiter. Natürlich ist die Tour für jeden Fahrer ein Traum. Ich habe schon letztes Jahr gesehen, dass mir nach einem starken Frühjahr bei der Ö-Tour die Form gefehlt hat. Stell dir vor, ich wäre damals in Frankreich gefahren. Da muss schon alles zusammenpassen. Deswegen denke ich jetzt gar nicht viel an die Tour. Wenn es damit klappt, dann klappt es. Wenn nicht, dann konzentriere ich mich auf den Herbst.

LAOLA1: Danke für das Gespräch.

 

Das Interview führte Jakob Faber

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