Rad-Talent Haller zieht es nach Russland

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Nach Bernhard Eisel, Stefan Denifl und Thomas Rohregger (Zukunft unklar) gesellt sich ein vierter Fahrer in die kleine, aber feine ÖRV-Riege in der höchsten Klasse des Straßenradsports.

Marco Haller schließt sich dem Katusha-Rennstall an und unterschreibt bei den Russen einen Zweijahresvertrag. „Für mich ist das alles noch unfassbar“, so der Kärntner im Gespräch mit LAOLA1.

Die Verpflichtung rechtfertigen

„Von dieser Welt träumt man als junger Radfahrer. Jetzt ist alles so schnell gegangen und ich bin mit 20 Jahren ganz oben angelangt. Die Freude darüber, dass es geklappt hat, ist riesig. Ich bin höchst motiviert und will meine Verpflichtung rechtfertigen.“

Ausgangspunkt für den Wechsel zu einem der finanzstärksten Teams im Peloton war Hallers exzellente Vorstellung im Rahmen der Straßen-Weltmeisterschaft in Kopenhagen. Dort sprintete der ÖRV-Profi im U23-Straßenrennen auf den fünften Platz.

Von der Teamführung angetan

Anschließend nahm Katusha den Kontakt auf, Mitte Oktober gab es schließlich ein fünftägiges Teamtreffen am Gardasee. „Dort kam es zur Vertragsunterzeichnung.“ Doch warum verschlägt es einen heimischen Pedalritter ausgerechnet nach Russland?

„Das deutsche Management war ein wichtiger Beweggrund“, erklärt Haller. Dort schwingt neuerdings Hans-Michael Holczer das Zepter. Jener Holczer, der 1998 das Team Gerolsteiner übernahm und in den folgenden zehn Jahren an die Weltspitze heranführte.

Die perfekte Kombination

Ihm zur Seite steht ein alter Weggefährte. Wie schon im deutschen Team wird auch bei Katusha Christian Henn als Sportlicher Leiter Einfluss auf die Fahrer nehmen. Nicht minder bedeutend erachtet Haller den Umstand, dass Sprint-Legende Erik Zabel und –Trainer Sebastian Weber dem Betreuerstab angehören.

„Diese Kombination ist perfekt. Man kann keinen besseren Lehrer als Zabel haben. Weber war zuletzt Trainer bei HTC-Highroad und hat dort Leute wie Cavendish, Goss und Renshaw betreut. Ich bin dort in den besten Händen, für mich ist das Umfeld besser als überall sonst“, erklärt die rot-weiß-rote Sprint-Hoffnung.

Eins auf den Deckel

Zugleich dämpft der Youngster vor allzu hohen Erwartungen. Man dürfe 2012 keine utopischen Ansprüche in Form von Spitzenresultaten fordern. „Es wird ein Reinschnuppern in die großen Rennen. Es wird ein Lehrjahr, wobei ich wahrscheinlich des Öfteren eins auf den Deckel bekommen werde, weil es doch ein total neues Umfeld für mich ist.“

Die Ausrichtung des Rennstalls wird im kommenden Jahr deutlich Sprinter-lastiger sein als zuletzt. Während Danilo Di Luca, Vladimir Karpets und Leif Hoste von Dannen ziehen, konnten die endschnellen Rüdiger Selig und Oscar Freire einem Angebot Katushas nicht widerstehen.

„Es ist eine Ehre für mich“

Für Haller ein glücklicher Umstand. Speziell die Möglichkeit, neben dem dreifachen Weltmeister und vierfachen Tour-Etappensieger Freire zu reifen, erfüllt Haller „mit Stolz. Es ist eine Ehre für mich und bestimmt kein Nachteil, sich im Windschatten eines solchen Fahrers aufzuhalten. Ich freue mich darauf, Helferdienste zu leisten.“

Sich ausschließlich auf die Rolle des Wasserträgers zu konzentrieren, kommt aber auch nicht infrage. „Freire kann nicht bei jedem Rennen dabei sein, daher wird sich sicher auch das eine oder andere Mal die Möglichkeit ergeben, auf eigene Kappe zu fahren.“

Ziel: Olympia in London

Während er auf Team-Ebene keine spezifischen Saisonziele verfolgt, hat er zumindest ein Rennen ins Auge gefasst, das besonderen Reiz auf ihn ausübt: Das Olympische Straßenrennen. „Dafür möchte ich mich ÖRV-intern empfehlen.“

Indes beteuert Haller, das Team Adria Mobil, für das er in dieser Saison in die Pedale strampelte, mit einem weinenden Auge in Richtung Russland zu verlassen. „Ich habe dem Team viel zu verdanken. Wenn man diese Chance bekommt, muss man aber gehen.“

Finanzen als „Zuckerl“

Monetäre Argumente sollen indes keine Rolle bei der Entscheidungsfindung ob seiner sportlichen Zukunft gespielt haben. „Das Finanzielle ist ein Zuckerl obendrauf, aber nicht mehr. Es geht ja in jungen Jahren nicht darum, viel Geld zu verdienen. Ich muss mich aufbauen. Wenn ich nur des Geldes wegen wo hingehe und bleibe dann nur Helfer, kann ich mich nicht weiterempfehlen. Das darf nicht das Ziel sein.“

Einen wichtigen Eckpfeiler in Hallers Plänen stellt derweil ein Altbekannter dar. Peter Wrolich, seines Zeichens Ex-Profi und jahrelang bei Gerolsteiner engagiert, zog im Hintergrund als Strippenzieher die Fäden, der 37-Jährige fungiert als Manager.

Wrolich als Sprachrohr

„Für mich ist er sehr, sehr wichtig“, macht Haller keinen Hehl daraus, dass er auf Unterstützung angewiesen ist. „Ich begebe mich in eine neue Welt. Da läuft alles anders ab, ich muss einen Berater bzw. Manager hinter mir wissen, der mir mit Rat und Tat zur Seite steht.“ Wrolich wäre zudem sein „Sprachrohr“ zur Teamführung.

Hallers Aufstieg in die Beletage des Radsports ist wohl überlegt, die Vorstellungen des 20-Jährigen sind zudem alles andere als vermessen. Ein solider Grundstock für eine erfolgreiche Karriere scheint somit gelegt.

Christoph Nister

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