Simoni: "Heuchelei ist die Verteidigung des Radsports"

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Am 4.Mai startet die Italien-Rundfahrt in Napoli. Als eine der drei großen Landes-Rundfahrten muss sich der Giro d’Italia prestigemäßig betrachtet lediglich der Tour de France unterordnen.

Die Fahrer lieben den Giro aufgrund der begeisterten „Tifosi“, die überall an der Strecke stehen und das Peloton leidenschaftlich anfeuern. Dazu ist alles etwas relaxter als bei der Tour de France.

Auch Favorit Bradley Wiggins, der seine erste große Rundfahrt 2003 in Italien bestritt, freute sich schon beim Giro del Trentino auf die dreiwöchige Rundfahrt: "Italien liebt den Radsport.“

Der Kletterer

Der italienische Ex-Radprofi Gilberto Simoni hat mit LAOLA1 im Vorfeld über die Bedeutung des Giro, Doping, Heuchelei und die aktuelle Situation des Radsports gesprochen.

Der zweifache Giro-d'Italia-Sieger, der zu Beginn des Jahrtausends einer der besten Kletterer des Feldes war, trat 2010 vom aktiven Profisport zurück und zeigte sich im Interview noch immer voller Begeisterung für seinen Sport.

LAOLA1: Sky hat mit Chris Froome und Bradley Wiggins zwei starke Kapitäne in seinem Tour-Team. Auch du hast 2004 zu spüren bekommen, wie es ist, von einem Teamkollegen geschlagen zu werden (Dritter beim Sieg von Damiano Cunego, Anmerk.). Glaubst du, es ist gut, zwei Kapitäne in einem Team zu haben oder ist es besser, einen klaren Leader zu bestimmen?

Simoni: Allgemein gesehen ist ein alleiniger Kapitän besser. Der moderne Radsport verlangt zwar nach vielen verschiedenen Siegern, aber spätestens auf der Strecke ist es definitiv besser, nur einen klaren Kapitän zu haben.

LAOLA1: In Deutschland und Österreich ist der Ruf des Radsports sehr schlecht – wie sieht das in Italien aus?

Simoni: In Italien gibt es sehr viel Tradition, Leidenschaft und vielleicht  mehr Realität. Die Menschen sind viel realistischer und die Haltung dem Radsport gegenüber hat sich noch nicht so stark geändert. Es ist auch mehr eine Frage der Organisation des Radsports, denn der Radsport schafft es einfach nicht, sich zu modernisieren. Im Gegenteil: Er ist veraltet - die Idee, die Mentalität sowie die Organisation sind zu alt. Das sind die wahren Probleme, gar nicht so sehr das Doping, das meiner Meinung nach richtig angegangen wird und sich auf dem rechten Weg befindet. Denn dopende Fahrer sind der Tod des Radsports.

LAOLA1: Wie kann man die Doping-Situation ändern?

Simoni: Die UCI muss das ändern! Die UCI hat die Verantwortung, diesen Radsport zu ändern!

LAOLA1: Was sagst du Menschen, die behaupten, dass jeder Radsportler dopt?

Simoni: Nun, diese Menschen kennen die Wirklichkeit nicht. Sie reden einfach so daher. Eine andere Geschichte ist die jahrelange Heuchelei vieler Beteiligten, die meiner Meinung nach die Verteidigung des Radsports ist.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Henriette Werner

LAOLA1: Was macht die Faszination des Giro d'Italia aus?

Giberto Simoni: Es ist eine Strecke, die zuallererst einmal viel Tradition und eine lange Geschichte aufweist. Dazu kommen das Meer und die Berge Italiens, die sehr faszinierend sind.

LAOLA1: Und was bedeutet der Giro für dich persönlich?

Simoni: Schon als ich ein kleiner Junge war, träumte ich davon, den Giro zu gewinnen. Und dann habe ich ihn eines Tages tatsächlich gewinnen können (2001 und 2003, Anmerk.) … Der Giro war mein Leben.

LAOLA1: Verglichen mit der Tour de France – wie siehst du die beiden Rundfahrten?

Simoni: Das ist eine fachspezifische Diskussion… Der Giro ist nicht die Tour und die Tour ist nicht der Giro. Es sind ganz verschiedene Rundfahrten, genau wie auch die Vuelta wieder anders ist. Zum Glück sind sie so verschieden, da jede Rundfahrt auch ihre eigene Persönlichkeit hat.

LAOLA1: Wie siehst du die Entwicklung des Giro? Wird er immer schwieriger?

Simoni: Ich sehe keine Entwicklung, die den Giro direkt betrifft. In Wahrheit ist es der internationale Radsport, der sich verändert und immer größer wird. Aber ja, ich glaube, dass die Strecke des Giro immer schwieriger wird. Sie ist eben technisch sehr anspruchsvoll und deshalb schwer voraussehbar.

LAOLA1: Vermisst du die Zeit als aktiver Radsportler?

Simoni: Nein, ich fahre ja noch immer Fahrrad. Die Wettkämpfe fehlen mir nicht, das ist vorbei. Das, was ich erreichen wollte, habe ich geschafft.

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