Das tapfere Contadorlein

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Man kann ihm aufgrund seiner undurchsichtigen Dopingvergangenheit durchaus mit Skepsis begegnen. Aber eines kann man Alberto Contador auf keinen Fall absprechen: Den Kampfgeist.

Im Vorjahr stürzte der Tinkoff-Saxo-Profi bei der Tour de France auf der 10. Etappe schwer, fuhr aber noch einige Kilometer weiter – trotz Schienbeinbruches. Nur sechs Wochen später ging der Spanier bei seiner Heimatrundfahrt, der Vuelta a Espana, an den Start und gewann diese.

Heuer strebt der Spanier das Double aus Giro und Tour an, doch dem Mann in Rosa bringt das Führungstrikot bislang kein Glück.

Auf der ersten Bergetappe, dem fünften Teilstück der 98. Italien-Rundfahrt, übernahm der 32-Jährige die Gesamtführung und gab sie auch bis zum ersten Ruhetag am Montag nicht her. Den Grundstein dafür legte sein Team mit Rang zwei im Auftakts-Mannschaftszeitfahren.

Dennoch lief es für ihn alles andere als rosig.

Mit ausgekugelter Schulter

Nur einen Tag später war er in den schweren Massensturz auf der Zielgeraden der sechsten Etappe verwickelt. Die furchtbaren Bilder von Daniele Colli - der sich für jeden sofort ersichtlich den Unterarm brach - gingen um die Welt. Doch auch der Mann in Rosa kam zu Fall und kugelte sich schmerzhaft die Schulter aus. Zweimal.

"Ich habe mir bei dem Sturz meine Schulter ausgekugelt", bestätigte der Gesamtführende gegenüber "cyclingnews.com". "Ich bin aufgestanden und habe sie instinktiv wohl wieder zurück ins Gelenk geführt. Als wir vor dem Podium standen, ist die Schulter dann noch einmal herausgesprungen".

Auf dem Siegerpodest konnte er das Rosa Trikot vor Schmerzen nicht überstreifen, sondern nur mit einem Arm in die Höhe halten. "Es hat von da an ganz schön weh getan", gestand er. "Ich muss jetzt sehr vorsichtig sein, die Schulter so wenig wie möglich bewegen und die Daumen drücken, dass sie nicht noch einmal herausspringt und ich mit dem Schmerz umgehen kann."

Auf die Zähne beißen

Am nächsten Tag stand er wieder am Start.

"Sie haben meine Schulter bandagiert und hoffen, sie wird nicht wieder rausspringen", twitterte er vor der siebenten Etappe, die mit 264 km die längste des diesjährigen Giro war.

Tapfer überstand er sowohl diese als auch die folgenden beiden Teilstücke. Und nicht nur das, er kämpfte auch um jede Sekunde. Auf der achten Etappe etwa sicherte er sich zwei davon in einem Zwischensprint.

Simon Geschke (Giant-Alpecin) gab gegenüber "cyclingmagazin" Entwarnung: "Für mich sah er souverän aus und sein Team ist super stark. Seine Schulter scheint jedenfalls okay zu sein."

Kein großes Polster

Das Pech blieb Contador jedoch hold: Auf dem neunten Teilstück hing ihn sein größter Konkurrent Fabio Aru (Astana) um eine Sekunde ab - meistens wird ein derart kleiner Rückstand auf der Zielgerade nicht berücksichtigt. In diesem Fall schon.

Damit nicht genug, wurde er im Zielraum auch noch von einer Fernsehkamera am Kopf getroffen und musste diesen mit einem Eisbeutel kühlen.

Den Ruhetag am Montag sehnte er daher herbei, doch das Polster des Spaniers beträgt gerade einmal drei Sekunden auf seinen wohl ärgsten Rivalen Aru. 22 sind es auf Eisel-Kapitän Richie Porte (Sky).

Kein Vorsprung, auf dem es sich besonders gut ruhen lässt, zudem noch zwei schwere Wochen folgen. Doch sein Kampfgeist wird ihn wohl auch dabei nicht im Stich lassen.

 

Henriette Werner

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