Kolumbianischer Sieg beim Giro

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Premiere: Erstmals kommt Giro-Sieger aus Kolumbien

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Der Radsport hat einen neuen Superstar. Mit erstaunlicher Souveränität gewann Nairo Quintana als erster Kolumbianer den Giro d'Italia.

Die 21. und letzte Etappe in Triest ging am Sonntag nach 172 Kilometern im Massensprint an den Slowenen Luka Mezgec.

Georg Preidler beendete die Rundfahrt als bester Österreicher auf Platz 27.

"Schönster Tag in meinem Leben"

Quintana, der die große Radsportbühne spätestens im Vorjahr mit Platz zwei bei der Tour de France betreten hatte, verwies seinen Landsmann Rigoberto Uran (+2:58) nach 21 Etappen und 3.445 Kilometern auf den zweiten Platz.

Die Fahnen der Gastgeber bei der 97. Italien-Rundfahrt hielt vor allem Newcomer Fabio Aru (+4:04) als Gesamt-Dritter hoch.

Die letzten Meter des dreiwöchigen Rennens kostete Quintana so richtig aus: Bei der Zieleinfahrt ballte er die Faust und zeigte sein breitestes Grinsen. "Das ist der schönste Tag in meinem Leben", sagte er.

Preidler mit gutem Giro

Einen guten Eindruck beim Giro hinterließ Georg Preidler. Der Steirer verhalf am Sonntag noch seinem Teamkollegens Mezgec zum Sieg und kam als Tages-15. über die Ziellinie.

In der Gesamtwertung verbesserte sich der 23-Jährige sogar noch um einen Platz und beendete die Rundfahrt als 27. Mezgec holte sich vor dem Italiener Giacomo Nizzoli und dem US-Amerikaner Tyler Farrar den Tagessieg.

Bernhard Eisel und Riccardo Zoidl belegten auf der Schlussetappe die Ränge 118 und 129. Damit behielt Zoidl im Klassement seinen 40. Platz, Eisel rutschte noch um einen Rang auf Position 138.

"Jahrhundertereignis"

Quintana steht an der Spitze der neuen Radsport-Generation aus Kolumbien, die den Giro gehörig durcheinanderwirbelte. Die Zeitung "El Tiempo" aus Bogota schrieb am Sonntag von einem "Jahrhundertereignis".

Quintana und Uran hätten der diesjährigen Italien-Rundfahrt die besondere Note verliehen. "Sie haben das Protokoll des Rennens gebrochen. Auf der Strecke blieben Italiener, Franzosen, Australier und Spanier, die mit unseren Nationalhelden nicht mithalten konnten", schrieb das Blatt.

Dabei fühlte sich Quintana bei seinem ersten Giro-Antritt wegen einer Erkältung eigentlich nie bei 100 Prozent seines Vermögens. Manche Pressekonferenz hatte er mehr mit Husten als mit Reden verbracht. Die Beschwerden konnten den Sohn eines Obstverkäufers aus der 2.800 Meter hoch gelegenen Andenstadt Tunja aber nicht davon abhalten, die umstrittene Königsetappe und das Bergzeitfahren zum Monte Grappa am Freitag zu gewinnen. Dabei machte Quintana oft noch den Eindruck, als spiele er mit seinen Gegnern.

"Bin kein Übermensch"

Genau diesen Eindruck hinterließ der zierliche Südamerikaner bei seinem Zeitfahrsieg. Was er zu leisten vermag, wenn er tatsächlich zu 100 Prozent fit ist, scheint er gegenwärtig selbst nicht zu wissen.

Unterschwellige Doping-Verdächtigungen konterte er: "Ich habe meine Grenzen und kenne Erschöpfung. Ich bin kein Übermensch." Wo seine Grenzen liegen, ist eine spannende Frage für die Zukunft.

Quintana steht auch für ein wahrgewordenes Radsport-Märchen: Von einem in Armut aufgewachsenen Burschen, dem nun die Radsport-Welt zu Füßen liegt. Das erste Rad Quintanas war ein klobiges 30-Dollar-Straßenrad, mit dem er täglich 32 Kilometer Schulweg zurücklegte. Das Haus seiner Eltern lag auf dem Gipfel eines acht Prozent steilen Anstiegs.

Fernziel Toursieg

Diesen Berg wird er möglicherweise im Juli wieder bewältigen, dann aber mit besserem Material. Wenn Alberto Contador (ESP) und Christopher Froome (GBR) einander bei der Tour duellieren, wird er zu Hause entspannen.

2015 soll er nach Frankreich zurückkehren - als potenzieller Sieganwärter. Er erwägt sogar das Double Giro/Tour.

"Er hat das Zeug dazu", sagte sein Teamchef Eusebio Unzue, der in den 1990er-Jahren auch hinter dem Aufstieg des fünffachen Toursiegers Miguel Indurain (ESP) stand.

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