Titanic, Eisberg & Skype-Geburt

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Eine Skype-Geburt und der Untergang der Titanic

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Endlich durchatmen. Relaxen, die Beine lockern, sich von den Strapazen der vergangenen zwei Wochen erholen.

Die Teilnehmer des Giro d’Italia haben rund zwei Drittel der diesjährigen Rundfahrt hinter sich und genießen nun den zweiten Ruhetag.

Zahlreiche Führungswechsel sorgten dabei für Abwechslung, krasse Außenseiter mischten die Top-Teams auf, darüber hinaus wurde geschimpft, gestürzt und gejubelt.

Und dabei soll das Beste erst noch kommen. Sechs Etappen stehen noch auf dem Programm. Sechs Etappen, die es in sich haben, geht es dabei doch unter anderem auf den Passo dello Stelvio, den Giau, Duran, Manghen oder Pampeago.

Bevor jedoch die Entscheidung im Kampf um das begehrte „Maglia Rosa“ fällt, wollen wir die letzten zwei Wochen Revue passieren lassen.

Das hat uns gefallen:

  • Wer hat noch nicht, wer will noch mal?

Der Kampf um das Rosa Trikot des Gesamtführenden bot jede Menge Abwechslung. Zunächst machte es sich Taylor Phinney (BMC) auf dem Platz an der Sonne gemütlich, ehe Ramunas Navardauskas (GRM) das Zepter für einen Tag übernahm. Adriano Malori (LAM) folgte, dieser gab den Lead an Ryder Hesjedal (GRM) weiter. Joaquim Rodriguez (KAT) wiederum setzte sich nach dem zehnten Tag an die Spitze, mussten seinen Platz jedoch nach vier Tagen wieder für Vorgänger Hesjedal räumen. Das ließ er sich nicht lange gefallen, am Sonntag eroberte der Spanier „Rosa“ zurück und führt das Klassement über den Ruhetag hinweg an.

  • Aufstand der Kleinen

22 Teams bereichern die Italien-Rundfahrt: Die 18 Rennställe mit WorldTour-Lizenz werden dabei von vier zweitklassigen ProContinental-Teams ergänzt. Die vermeintlichen Außenseiter lassen sich jedoch nichts gefallen und teilen kräftig aus – nicht nur körperlich, wie weiter unten zu lesen sein wird. Miguel Angel Rubiano und Roberto Ferrari bescherten Androni zwei Etappensiege, Domenico Pozzovivo war für Colnago erfolgreich und Matteo Rabottini sorgte mit seinem Erfolg auf der 15. Etappe für Glückseligkeit im Lager Farnese Vinis. Das Team NetApp um das rot-weiß-rote Duo Daniel Schorn und Matthias Brändle gehört indes zu den auffälligsten Teams und war mehrere Male in Fluchtgruppen vertreten, dazu verzeichnete die deutsche Equipe zwei zweite Etappenplätze.

  • Die Ausgeglichenheit an der Spitze

Nicht nur, dass die Führung mehrfach wechselte, erfreulich ist auch, dass kein Akteur die Konkurrenz demoliert, wie Alberto Contador dies im vergangenen Jahr tat. Ob Rodriguez, Hesjedal oder die hochgehandelten Ivan Basso (LIQ), Roman Kreuziger (AST) und Michele Scarponi (LAM) – sie alle befinden sich in etwa auf dem gleichen Niveau. Das verspricht nicht nur Spannung im Hinblick auf den Kampf um den Rundfahrtsieg, sondern darf auch als Zeichen für sportliche Fairness – Stichwort: Unerlaubtes – gewertet werden.

  • Die unbegrenzten Möglichkeiten des World Wide Web

Die Erfindung des Internet – was hat sie der Menschheit das Leben erleichtert. Nicht nur, dass Informationen in Sekundenbruchteilen zu finden sind und die Kontaktpflege zu seinen Mitmenschen erleichtert wird, selbst bei Geburten ist es hilfreich. So geschehen bei Luke Roberts. Der Saxo-Bank-Profi wurde dank modernster Kommunikations-Möglichkeiten Zeuge der Geburt seiner zweiten Tochter. „Das Telefon klingelte sechs Uhr morgens, als meine Frau kurz vor der Geburt stand. Ich konnte dann alles via Skype live verfolgen“, verriet der stolze Vater.

Das hat uns missfallen:

  • Saxo Bank und der Untergang

Die ersten drei Etappen gingen in Dänemark über die Bühne – für Saxo Bank ein echtes Heimspiel. Entsprechend motiviert wirkten die Jungs auch zu Beginn der Rundfahrt: Manuele Boaro (Etappe 1), Juan José Haedo (Etappe 3) sowie das gesamte Team im Mannschaftszeitfahren (Etappe 4) sorgten für absolute Spitzenplätze und verpassten jeweils nur knapp einen Etappenerfolg. Teamchef Bjarne Riis, der ohne den gesperrten Contador bestenfalls noch ein Durchschnitts-Team vorweisen kann, nutzte die Gunst der Stunde, um die UCI zu kritisieren.

„Ich habe mich wie ein Passagier der Titanic gefühlt, darauf wartend, wann wir den Eisberg rammen“, ließ er in einer Kolumne des „Ekstra Bladet“ verlauten. „Ich habe die Unterstützung der UCI vermisst.“ Sein verbaler Vorstoß war zugleich der letzte der Equipe. Seither ist kaum noch etwas von Riis‘ Mannen zu sehen.

  • Stürze, Stürz, Stürze

Es ist klar, dass sie nicht ausbleiben, in der Häufigkeit, wie sie beim Giro gesehen wurden, müssen Massenstürze jedoch nicht passieren. Speziell eine Welle von Roberto Ferrari, die Weltmeister Mark Cavendish und den zu diesem Zeitpunkt Führenden Taylor Phinney zu Boden riss, sorgte für mächtig Wirbel im Peloton. „Das war Suizid und hätte noch viel schlimmer ausgehen können“, schimpfte Bernhard Eisel. „So etwas muss nicht sein.“ Diesen Worten kann man sich nur anschließen.

 

Christoph Nister

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