Giro-Debütant Daniel Schorn im LAOLA1-Interview

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Der Giro ist bekanntenermaßen ein extrem hartes Rennen.

Besonders für Sprinter, ganz besonders für Fahrer, die diese Belastung nicht gewohnt sind - beides trifft auf Daniel Schorn zu.

Doch der Salzburger in Diensten des deutschen NetApp-Rennstalls freut sich schon auf seine erste "Grand Tour", auch wenn er zugibt: "Ich habe keine Ahnung, wie mein Körper reagieren wird."

Weiters spricht der 23-Jährige im LAOLA1-Interview über das starke Frühjahr seines Teams und seine Favoriten für den Gesamtsieg der Italien-Rundfahrt, die am 5.5. im dänischen Herning mit einem Einzelzeitfahren startet.

LAOLA1: Am Samstag beginnt der Giro. Es ist deine erste „Grand Tour“. Bist du etwas nervös?

Daniel Schorn: Nein, eigentlich überwiegt die Vorfreude. Eine gewisse Anspannung ist schon da, aber die braucht man auch. Das längste was ich bisher gefahren bin, ist die Tour de Suisse. Ich habe keine Ahnung, wie sich das nach zehn Tagen anfühlt oder wie mein Körper reagieren wird. Aber das wird sich herausstellen.

LAOLA1: War in deiner Vorbereitung in diesem Jahr aufgrund dieses Saison-Höhepunktes irgendetwas anders?

Schorn: Mein Rennprogramm ist schon auf das ausgelegt worden. Mein Frühjahr war auch ziemlich stark und die Form hält noch an. Das Programm war schon mit Weitblick auf den Giro gewählt.

LAOLA1: Wie sahen deine letzten Tage vor dem Start aus?

Schorn: Den letzten richtigen Trainings-Block hatte ich Ende letzter Woche. Am Dienstag habe ich noch ein Rennen bestritten und am Mittwoch ging es nach Hamburg. Von dort aus dann nach Dänemark.

LAOLA1: Der Giro ist nicht unbedingt als sprinterfreundliche Rundfahrt bekannt. Was hast du dir vorgenommen?

Schorn: Ich bin das Programm überflogen. So einhundertprozentig habe ich mich noch nicht damit befasst. Von dem, was ich gesehen habe, ist schon die eine oder andere Etappe für mich dabei. Bei dem Starterfeld wird sich noch zeigen, wie sehr ich konkurrenzfähig bin. Aber es ist sicher etwas dabei, wo ich ein Ergebnis in Aussicht habe.

LAOLA1: Bei einem Sprint darfst du auf eigene Faust fahren?

Schorn: Das auf alle Fälle. Bei anderen Etappen werde ich schauen, die Kollegen, die auf Gesamtwertung fahren, bestmöglich zu unterstützen.

LAOLA1: Du hast deine Kollegen angesprochen. Wie bitter ist der Ausfall von Leopold König?

Schorn: Man muss schauen, wie das Bartosz Huzarski oder Jan Barta hinbekommen. Leopold hat letztes Jahr schon bewiesen, dass er viel draufhat. Allerdings wäre es auch für ihn der erste Auftritt bei einer dreiwöchigen Rundfahrt gewesen. Es ist schon ein Loch für die Gesamtwertung.

LAOLA1: Das heißt, dass der Kapitän erst unter der Rundfahrt fixiert wird?

Schorn: Ich glaube, dass sich Huzarski und Barta oder vielleicht Matthias (Anm.: Brändle) – keine Ahnung wie stark er gerade ist – die Kapitänsrolle für die Gesamtwertung unter einander ausmachen werden.

LAOLA1: Hast du für den Rundfahrtssieg jemanden im Kopf?

Schorn: Die Frage hat man mir schon öfter gestellt (lacht). Ich denke Basso oder Scarponi. Irgendwas in die Richtung. Fuglsang ist ja am Knie verletzt. Keine Ahnung, was Bruyneel mit Fränk Schleck vorhat. Das ist sein Geheimnis.

LAOLA1: Beim diesjährigen Giro ist eine Rekordanzahl an Österreichern unterwegs? Ein Zeichen, dass es bergauf geht?

Schorn: Naja, wir sind immer noch wenige. Auf alle Fälle sind wir schon näher dran der Spitze als in der Vergangenheit. Dennoch könnten es mehr sein. Es ist gut zu sehen, dass wir nicht alleine sind, dass immer mehr von den Jungen nachkommen. Wenn aus jedem Jahrgang einer Profi wird, sind wir am Vormarsch.

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LAOLA1: Du hast deine gute Form angesprochen. Wie zufrieden bist du mit deinem Saisonverlauf?

Schorn: Nachdem das vergangene Jahr durch Stürze und Verletzungen ziemlich bescheiden war, bin ich schon zufrieden. Leider ist der ersehnte Sieg ausgeblieben. Aber die Ergebnisse sprechen für sich, die Form passt. Darum freue ich mich schon auf den Giro und mal schauen, was dort möglich ist.

LAOLA1: Du bist mittlerweile das dritte Jahr beim Team NetApp. Wie gefällt es dir?

Schorn: Leider sind wir in Deutschland alleine, es würde dem Radsport sicher guttun, wenn es noch ein zweites oder drittes Team geben würde. Von der Stimmung her, ist es absolut die beste Saison bisher. Da sprechen auch die Ergebnisse, die das gesamte Team eingefahren hat, für sich. Unter den Fahrern gibt es überhaupt keine Probleme. Jeder kommt mit jedem klar. Mir gefällt’s.

LAOLA1: Trotz eurer guten Resultate hat euer Sponsor noch nicht verlängert. Machst du dir Sorgen?

Schorn: Keine Ahnung. Das betrifft das Management. Ich bin Fahrer, ich mache meine Arbeit. Natürlich macht man sich über die Zukunft Gedanken und es wäre schön, wenn es weiterginge wie bisher oder sogar größer. Um mehr darüber nachzudenken, ist es einfach noch zu früh.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück beim Giro.

Máté Esterházy

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