Jan Ullrich gesteht: Ein Kommentar

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Also doch! Fünfeinhalb Jahre nach seinem Ausschluss bei der Tour de France gesteht Jan Ullrich, Kontakt zu Dopingarzt Eufemiano Fuentes gehabt zu haben.

„Besser spät als nie“, werden viele seiner immer noch zahlreichen Anhänger sagen. Doch damit ist es nicht getan.

Mit seiner Hinhalte-Taktik – ob nun von den Anwälten gewollt oder nicht – hat er nicht nur die Medien, sondern in erster Linie die Zuschauer gegen sich aufgebracht.

Die Aussage „Ich habe nie jemanden betrogen“, mag vielleicht in Bezug auf einstige Rivalen bezogen sein, und doch schießt er damit völlig am Thema vorbei.

Er hat die Fans betrogen. Jene Leute, die ihn zum Star gemacht haben. Jene Leute, die stundenlang die Straßen säumten, um ihr Idol für wenige Sekunden in Aktion zu sehen.  Jene Leute, die den Radsport lieben.

Ullrich blieb lieber stumm, um seine Anwälte nicht zu verprellen. Selbst jetzt packt er nur halbherzig aus und suggeriert, seinen Tour-Sieg 1997 und alle weiteren Erfolge bis 2005 sauber errungen zu haben.

Dabei hätte der einst als „Tour-Gott“ gefeierte Ullrich die Möglichkeit gehabt, frühzeitig sein Gewissen zu reinigen. Hätte er als Erster ausgepackt, hätte er die Hintergründe erklärt und ehrlich bereut, die Fans hintergangen zu haben, hätte ihm wohl ein Großteil verziehen und ihn für seine Ehrlichkeit geschätzt.

Sein halbherziges Outing, als ihm ohnehin nichts anderes übrig blieb, lässt ihn zum Feigling verkommen.

 

Christoph Nister

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