Ex-Profi Kopp legt vor Gericht Doping-Geständnis ab

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Mit einem überraschenden Doping-Geständnis des deutschen Ex-Radprofis David Kopp hat der Betrugsprozess gegen dessen Freund Stefan Schumacher womöglich die entscheidende Wende erhalten.

Kopp räumte am Montag vor dem Landgericht Stuttgart jahrelanges Doping ein.

Während der Zeit beim inzwischen aufgelösten Team Gerolsteiner habe er EPO, Wachstumshormone, Testosteron, Synacthen und Cortison genommen, sagte Kopp am Montag.

Sein langjährigen Teamchef Hans Michael Holczer hatte stets angegeben, nichts von Dopingpraktiken in seiner Mannschaft gewusst zu haben.

Wie ein Apotheker gefühlt

Kopp erklärte, sich mit Ärzten, aber nicht mit Holczer konkret über verbotene Substanzen ausgetauscht zu haben.

"Ich habe mich zum Höhepunkt meiner Karriere selber wie ein Apotheker gefühlt", sagte Kopp, der bereits 2009 wegen eines positiven Kokainbefundes aufgefallen und gesperrt worden war.

Der Gerolsteiner-Equipe hatten u.a. die Österreicher Georg Totschnig, Rene Haselbacher, Peter Wrolich, Gerhard Trampusch, Hannes Hempel und der nach der Tour de France 2008 des Dopings überführte Bernhard Kohl angehört.

Ständiger Austausch

Über die korrekte Dosierung und Anwendung der Mittel habe er mit den Teamärzten Ernst Jacob, Giuliano Peruzzi und Mark Schmidt sprechen können, so Kopp.

"Die Mittel wurden nicht offensiv angeboten", sagte der 34-jährige Kopp, der 2006 und 2007 für Gerolsteiner aktiv war.

"Aber man konnte sich bei den Ärzten über alles von Belang austauschen - verboten oder nicht verboten."

Für die Mediziner könnte es nun ungemütlich werden, da die Doping-Schwerpunktstaatsanwaltschaft Freiburg wegen Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz bereits ermittelt.

Team-Arzt entschuldigt sich

Der zusätzlich zu Kopp als Zeuge geladene ehemalige Team-Arzt Schmidt erschien nicht vor Gericht.

Er entschuldigte sich per Fax mit der Begründung, er sei im Urlaub. Das Gericht verhängte daraufhin ein Ordnungsgeld in Höhe von 500 Euro.

"Der wird schon kommen müssen", sagte Schumacher-Anwalt Michael Lehner. "Er fürchtet natürlich, sich hier mit Aussagen selbst zu belasten."

Ein offenes Geheimnis

Die umfassende Doping-Beichte am achten Verhandlungstag, die Kopp nach eigenen Angaben nicht einmal seiner Familie angekündigt hatte, hilft dem wegen Betrugs angeklagten Schumacher.

Schließlich stützt die Aussage seinen Standpunkt, dass Doping bei Gerolsteiner teamintern ein offenes Geheimnis war - entgegen der Behauptung von Holczer.

Der ehemalige Teamchef beim Rennstall des Mineralwasserherstellers hatte stets betont, von verbotenen Mitteln und Methoden nichts mitbekommen zu haben.

Was wusste Holczer?

Schumacher wiederum hatte Holczer seit Prozessbeginn unterstellt, über die Dopingpraktiken im einstigen deutschen Vorzeigerennstall gewusst zu haben.

Der Mathematik- und Geschichtslehrer könne daher nicht von ihm betrogen worden sein.

Schumacher wird vorgeworfen, Holczer um drei Monatsgehälter in Höhe von 151 463,50 Euro betrogen zu haben, weil er Doping bei der Tour de France 2008 trotz Nachfrage geleugnet hatte.

Im Nachhinein war Schumacher wie sein Zimmerkollege Kohl positiv getestet und gesperrt worden.

Nie ins Detail gegangen

Mit Holczer selbst, sagte Kopp, habe er nicht konkret über Doping gesprochen.

"Mit ihm ist man nie ins Detail gegangen", erzählte Kopp, der inzwischen im Groß- und Einzelhandel arbeitet.

Aber die Medikamentenbox, in dem etwa Synacthen aufbewahrt worden sei, sei dem 59-Jährigen bekannt gewesen.

"Ich würde mal behaupten, dass er sich mit den Ärzten über alle Themen unterhalten hat", sagte er. Holczer habe einen engen Kontakt zu den Team-Ärzten gehabt.

Doping-Lüge unter Eid?

Neben den Medizinern des Rennstalls belastete Kopp auch seinen ehemaligen Teamkollegen Sebastian Lang.

Der hatte als Zeuge am fünften Verhandlungstag Anfang Mai mit Blick auf seine Erfahrungen mit Dopingmitteln ausgesagt: "Ich habe nichts in meiner kompletten Karriere erlebt, weder bei Gerolsteiner noch danach."

Kopp berichtete nun davon, wie Team-Arzt Schmidt ins gemeinsame Zimmer gekommen sei und Synacthen angeboten habe.

Während Kopp mit Verweis auf ein bereits (zu Doping-Zwecken) erteiltes Cortison-Attest ablehnte, habe Lang Bedarf angemeldet. Der Prozess wird am 3. Juli fortgesetzt.

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