Das "Doping-Massaker" der 90er

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Senat: "Es geht um Doping in allen Sportarten"

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Der lange erwartete Untersuchungsbericht der Anti-Doping-Kommission des französischen Senats ist da.

Neben einer 237-seitigen Analyse zur besseren Bekämpfung des Dopings in allen Sportarten gibt es auch einen Anhang, in dem die Radstars der Tour 1998 und 1999 überführt werden.

Senatssprecher Jean-Jacques Lozach erklärt in einer Pressekonferenz, dass davon abzusehen sei, aktuelle Fahrer wie etwa Tour-Sieger Chris Froome, vorzuverurteilen. Doping sei ein Problem aller Sportarten, nicht nur des Radsports. Auch der Amateursport sei in großem Ausmaß betroffen.

Vor 15 Jahren

Die Tour 1998 wurde bereits während der Austragung vom sogenannten "Festina-Skandal" überschattet, somit sind die nun veröffentlichen Dopingfälle nicht sonderlich überraschend.

Die Komission hatte unter anderem die Ergebnisse der anonymisierten EPO-Nachtests der Frankreich-Rundfahrt von 1998 analysiert und den Fahrern zugeordnet. Auch Lance Armstrongs positive Proben sind auf diese Art und Weise entschlüsselt worden.

In 44 von 60 Nachproben sind EPO-Spuren gefunden worden. Unter den Namen befänden sich auch der verstorbene Tour-Sieger Marco Pantani sowie der zweitplatzierte Jan Ullrich, Sprintstar Erik Zabel und die Ex-Weltmeister Mario Cipollini, Laurent Jalabert und Abraham Olano.

Auch Andrea Tafi, Nicola Minali, Fabio Sacchi, Marcos Serrano, Manuel Beltran, Jens Heppner, Jeroen Blijlevens sowie Jacky Durand und Laurent Desbiens sollen auf der schwarzen Liste stehen, der Tour-Dritte, Bobby Julich, befindet sich hingegen - entgegen Berichte der französischen Zeitung "Le Monde" - nicht auf der Liste der positiven Fahrer. Jedoch soll der US-Amerikaner unter anderem mit Stuart O' Grady, Eddy Mazzoleni und Axel Merckx zu einer Gruppe "verdächtiger" Ex-Profis zählen.

"Heutige Generation" darf nicht dafür bestraft werden

Jacky Durand bestätigte bereits vor der Veröffentlichung, dass sein Name auf der Liste auftaucht. "Ich gebe meine Taten zu", schrieb der Liebling der Franzosen bei "Eurosport".

"Die 90er Jahre waren in Sachen Doping ein Massaker, wir Fahrer haben keinen Ausgang gefunden." Doch er warnt ebenfalls davor, diese Begebenheiten auf die heutige Zeit zu übertragen. "Auf keinen Fall darf nun die heutige Profi-Generation für den Mist bestraft werden, den wir damals angestellt haben. Ich will, dass die Menschen wissen, dass der Sport heute viel sauberer ist."

Bessere Zusammenarbeit

Die Kommission wünscht sich indes eine bessere Zusammenarbeit auf allen Ebenen, etwa mit der Polizei und den Verbänden - nicht nur im Radsport.

Als Beispiel werden die French Open angeführt: Lediglich der nationale Tennis-Verband darf Kontrollen durchführen, nicht jedoch die Anti-Doping-Agentur.

Das sei auch der Grund für diese späte Enthüllung. Der Bericht soll eine Bilanz der Dopingbekämpfung in der Vergangenheit und zugleich Bestandsaufnahme des Ist-Zustands sein. Die Enthüllungen sollen laut Senatssprecher Jean-Jacques Lozach keine Auswirkungen auf die vor 15 Jahren erzielten Resultate haben. "Es geht um Doping in allen Sportarten."


Henriette Werner

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