"Ich bin für Bluttransfusionen nach Wien geflogen"

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Die Doping-Geständniswelle um das frühere Radteam Rabobank reißt nicht ab. Nach etlichen Ex-Profis wie Thomas Dekker, Michael Rasmussen und Grischa Niermann hat am Mittwoch auch der ehemalige Spitzenfahrer Michael Boogerd jahrelangen Dopingbetrug zugegeben.

"Ich habe EPO genommen, Kortison, und in der letzten Phase meiner Karriere auch Bluttransfusionen durchgeführt", berichtete der 40-Jährige in einem Interview mit dem TV-Sender NOS, dessen Ausstrahlung für Mittwochabend geplant war. Die Spur führt auch nach Österreich.

Bluttransfusionen in Wien durchgeführt

Der Klassikerspezialist, der das Amstel Gold Race 1999 und zwei Etappen bei der Tour de France (1996, 2002) gewonnen hatte, geriet schon 2008 bei der Affäre um die Wiener Blutbank "Humanplasa" in Doping-Verdacht.

Nun räumte er ein: "Ich bin für Bluttransfusionen nach Wien geflogen und habe dort mein Blut für den späteren Gebrauch gelagert." Dem "Telegraaf" gegenüber sagte er: "Die Zeit, in der ich verbotene Substanzen genommen habe, war von 1997 bis 2007, dem Ende meiner Karriere"

Wie das "NRC Handelsblad" in der Vorwoche vermeldet hatte, überwies Boogerd dem ehemaligen österreichischen Sportmanager Stefan Matschiner 2007 17.000 Euro.

Matschiner bestätigt Zahlung

Einige der Rechnungen publizierte das Blatt auf seiner Website. Aufgeführt sind darauf Leistungen wie "Trainingsplan", "Ernährungsplan" oder "Laktat-Werte". Boogerd hatte im Dezember 2012 erklärt, er habe beim ehemaligen Sportmanager Vitamine geordert.

Matschiner bestätigte die Summe, und erklärte: "Natürlich habe ich nicht 'Doping' auf die Rechnungen geschrieben. Wenn ich 'Trainingsplan' schrieb, dann ging es fast immer um einen Einnahme-Plan für Doping." Matschiner war 2010 in Wien wegen versuchten Blutdopings und der Weitergabe von illegalen Dopingmitteln rechtskräftig verurteilt worden.

Wie mehrere ehemalige Teamkollegen des Traditions-Rennstalls, der wegen der jüngsten Skandalwelle seit dieser Saison nicht mehr den Namen des niederländischen Geldinstituts trägt, schwieg Boogerd zu Hintermännern oder Mittätern.

"Ich nenne keine Namen"

"Ich nenne keine Namen", sagte der Sportler, der seine Karriere nach einer schweren Verletzung beenden musste und dann als TV-Experte für NOS arbeitete. "Es passierte alles unter meiner Verantwortung, es war meine Entscheidung."

Die Serie von Dopingbeichten im internationalen Radsport hatte 2012 mit den Enthüllungen in der Causa Lance Armstrong eingesetzt. Der frühere amerikanische Dominator gestand dann im Jänner, ohne wirkliche neue Details preiszugeben.

Mit einem ähnlichen Schema trat nun auch Boogerd in die Öffentlichkeit - der Zeitraum des Betrugs deckt sich in etwa mit jenem bei Armstrong, Namen von anderen Athleten, Ärzten, Betreuern oder Teamchefs fielen auch bei ihm nicht.

EPO gehörte einfach dazu

Selbst die Ausreden Boogerds wirken wie Zitate Armstrongs, den der Niederländer bei seinem Amstel-Sieg im Zielsprint geschlagen hatte. "Ich bin kein Verräter", sagte er im "Telegraaf". Unrechtsbewusstsein Fehlanzeige. "Ich wusste, dass EPO das Wundermittel war.

Dass viele im Peloton es benutzten, dass es bei Kontrollen nicht nachweisbar war und dass man es leicht kriegen konnte. Bei meiner ersten EPO-Kur hatte ich nicht das Gefühl, dass ich eine Grenze überschritt, sondern der Gedanke stand im Vordergrund, dass dies einfach zum Profiradsport dazu gehört", meinte er. "Ich habe es niemals als falsch angesehen."

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