Die Hintermänner der "Causa Armstrong"

Aufmacherbild
 

Lance Armstrong sind am Montag im größten Doping-Skandal des Radsports vom Weltverband (UCI) alle sieben Siege bei der Tour de France aberkannt worden.

Armstrong hat aber nicht alleine gehandelt, sondern laut US-Anti-Doping-Agentur (USADA) auch "eine kleine Armee an Gehilfen mit Dopingärzten und Schmugglern" um sich geschart.

Die mehr als 1.000 Seiten starken Dokumente liefern einen tiefen Einblick in die Organisation des Systems Armstrong.

Seine wichtigsten Hintermänner:

Johan Bruyneel (Teamchef)

Der Belgier war bei allen sieben Armstrong-Siegen dessen sportlicher Chef und damit einer der höchstdekorierten Teamchefs der vergangenen Jahre. Laut USADA-Unterlagen war er in den Teams US Postal und Discovery Channel aber auch eine zentrale Figur im Dopingprogramm. Bruyneel war bis vor wenigen Tagen Teamchef von RadioShack-Nissan, wurde im Zuge der Enthüllungen um Armstrong aber Mitte Oktober entlassen.

Michele Ferrari (Sportarzt)

Der höchstumstrittene Sportmediziner und frühere Armstrong-Arzt soll von seiner Wohnung in St. Moritz aus ein Millionengeschäft mit der Doping-Versorgung und Betreuung von Athleten aufgebaut haben, erklärte die Staatsanwaltschaft Padua. "Dottore EPO" soll auch die Teams von Armstrong jahrelang mit EPO versorgt haben. Armstrong soll laut der italienischen Justiz 465.000 Dollar an den Mediziner überwiesen haben. Ferrari war 2004 wegen Sportbetrugs zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. 2006 hatte ihn der italienische Radsportverband mit einem lebenslangen Betätigungsverbot belegt. Schon 2002 war ein Urteil des Verbandes ergangen, das allen italienischen Radprofis verbietet, sich an Ferrari zu wenden.

Tyler Hamilton, Floyd Landis (Teamkollegen)

Die beiden US-Amerikaner waren die wichtigsten Helfer Armstrongs in den Bergen - Hamilton von 1999 bis 2001, Landis von 2002 bis 2004. Beide wurden später in ihrer Karriere des Dopings überführt, packten daher aus. In umfassenden Geständnissen belasteten die beiden Kronzeugen auch ihren ehemaligen Kapitän schwer.

George Hincapie (Teamkollege)

Der einzige Fahrer, der Armstrong bei allen sieben Tour-Siegen begleitet hat. Hincapie ist mit 17 Teilnahmen an der Frankreich-Rundfahrten Rekordhalter. Seine Freundschaft zu Armstrong hat in den vergangenen Jahren schwer gelitten. In seinem Geständnis vor zwei Wochen betonte der 39-Jährige sein "tiefstes Bedauern", sich für Doping entschieden zu haben.

Luis del Moral und Pedro Celaya (Teamärzte)

Die beiden Spanier waren für die medizinische Abwicklung und Kontrolle des Dopingsystems zuständig. Del Moral hatte bereits zuvor mit Bruyneel zusammengearbeitet, war von 1999 bis 2003 für das Team US Postal im Einsatz. Landsmann Celaya setzte seine Arbeit danach im großen Stil und mit ähnlichen Methoden fort.

Pepe Marti (Masseur)

Offiziell war der Spanier Trainer des Teams, war aber auch mit Dr. Ferrari in Kontakt und daher laut USADA der wichtigste Lieferant von Dopingprodukten. Marti versorgte Armstrong und seine Teamkollegen als Bote auch bei Rennen direkt mit EPO und anderen verbotenen Substanzen.

Hein Verbruggen (Ex-UCI-Präsident)

Der Niederländer pflegte stets ein Naheverhältnis zum Superstar. "Armstrong ist der lebende Beweis für einen Fahrer, der niemals betrügt", betonte Verbruggen 2002. Davor soll der Weltverband aber zwei positive Dopingproben des Texaners von der Tour de France 1999 und der Tour de Suisse 2001 vertuscht haben. Verbruggen ist im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gut vernetzt und mittlerweile Ehrenpräsident der UCI.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen