Nach Seuchenjahr - Bradley Wiggins ist wieder da

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Erster britischer Gesamtsieger der Tour de France. Olympiasieger im eigenen Land.

Das Sommermärchen von Bradley Wiggins ist nun beinahe zwei Jahre her.

In der vergangenen Saison hatte der zum Ritter geschlagene Radprofi mit schwacher Form, Krankheiten, Stürzen, Verletzungen und Defekten zu kämpfen.

Pläne gingen nicht auf

Beim Giro trat er an, um zu gewinnen, musste aber aufgrund einer Infektion auf Platz 13 liegend aufgeben.

Die Tour konnte er aufgrund einer Knieverletzung gar nicht erst bestreiten, Teamkollege Chris Froome sprang in die Bresche und gewann die "Große Schleife" auf eindrucksvolle Art und Weise.

Wie ein riesiger Kater

"Ich hatte eine Art riesigen Kater", beschreibt "Wiggo" das Jahr eins nach seinen größten Triumphen, in dem er zwar im Herbst die Tour of Britain sowie die Silbermedaille bei der Zeitfahr-WM in Florenz gewinnen konnte, das ansonsten aber zum Vergessen war.

Nicht wenige schrieben den vierfachen Olympiasieger bereits ab.

Er selbst zog in Erwägung, nie wieder eine Frankreich-Rundfahrt in Angriff zu nehmen.

Neues Jahr, neues Glück

Doch der zähe Brite ist keiner, der so schnell aufgibt. Der Mann, der in seinem Leben schon viele Tiefschläge – nach seinem ersten Olympiasieg auf der Bahn wurde er zum Alkoholiker - ertragen musste, ist wiedererstarkt zurück.

Bereits beim schweren Kopfstein-Klassiker Paris-Roubaix machte er mit einem starken neunten Platz, den ihm wohl im Vorfeld kaum jemand zugetraut hatte, auf sich aufmerksam.

Bei der Kalifornien-Rundfahrt legte der Brite auf der zweiten Etappe mit einem souveränen Sieg in seiner Paradedisziplin, dem Zeitfahren, den Grundstein für seinen Triumph in der Gesamtwertung. Er deklassierte die gesamte Konkurrenz, Rohan Dennis war als Zweiter im Kampf gegen die Uhr über 20 Kilometer 44 Sekunden langsamer.

Die Freude ist zurück

Ohne den Druck, der auf den Schultern eines amtierenden Tour-Siegers lastet, hat der 34-Jährige die Freude am Radsport wiedergefunden.

"Ich habe es nicht sehr gut verkraftet, Tour-de-France-Sieger zu sein. Der ganze Lance-Armstrong-Kram kam heraus und ich wollte einfach nicht in dieser Position sein", gesteht er inzwischen ein.

"Das ist jetzt alles anders. Es ist wirklich befreiend, nicht ständig gefragt zu werden, ob man die Tour gewinnen kann."

"Wiggo" hat wieder Freude am Radsport

In der Ruhe liegt die Kraft

Bradley Wiggins wirkt in diesem Jahr gereifter und älter - eine Tatsache, die nicht nur dem Bart, welchen er sich inzwischen anstelle seiner markanten Koteletten stehen lässt, geschuldet ist. Er wirkt relaxter, hat sich neue Ziele gesetzt.

Und er hat noch eine Rechnung mit der Frankreich-Rundfahrt offen: Wiggins will den Sprung ins Tour-de-France-Aufgebot des Sky-Teams schaffen. Diesmal allerdings als Helfer des Siegers von 2013, Chris Froome.

Auch wenn er nicht als Leader zurückkommt, so möchte der Brite doch Teil des größten jährlichen Sportereignisses der Welt sein, wenn es in seinem Heimatland startet.

Die Chancen stehen gut

"Er gehört zu unserem erweiterten Tour-Kader von momentan 14 oder 15 Fahrern. Er wird für Froome arbeiten, wenn er starten will, wenn er berufen wird und wenn er in Form ist", sagte Sky-Sportchef Kurt-Asle Arvesen in der vergangenen Woche gegenüber "cyclingnews".

Auch der Norweger zeigt sich von der Rückkehr seines Schützlings beeindruckt: "Bradley ist in guter Verfassung."

Noch dazu soll die Rivalität zwischen Wiggins und Froome bei einem ausführlichen Gespräch ad acta gelegt worden sei. Der Sir ist bereit, für seinen Teamkollegen zu arbeiten und diesem zum zweiten Sieg bei der "Grande Boucle" zu verhelfen.

Das Beste kommt nicht immer zum Schluss

Doch egal, was Bradley Wiggins in seiner Karriere noch erreichen und wie lange er noch weiterfahren wird.

Eine Sache ist gewiss, den absoluten Höhepunkt seiner Karriere hat Wiggins bereits hinter sich. "Ich wusste es irgendwie schon nach dem Olympischen Zeitfahren: Es kann niemals mehr besser werden."

Nur neun Tage lagen zwischen der Ankunft der Tour de France auf den Champs Élysées und seiner Olympischen Goldmedaille im Zeitfahren. "Ich werde weiterleben und viele andere Sachen erleben, aber nichts wird jemals die Erlebnisse dieser Wochen überbieten können."

 

Henriette Werner

 

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