Stars sind "auch nur Menschen"

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Wiggins' Sky-Team feiert Sieg im Teamzeitfahren

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Mit zwei Halbetappen startete der Giro del Trentino am Dienstag in Lienz. Zunächst standen am Vormittag 128,5 km auf dem Programm.

Christian Knees, Sky-Teamkollege von Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins erklärte vor dem Rennen gegenüber LAOLA1 die Ambitionen des Teams: „Wir sind sechs Mann, die auch im Giro-Team sind, und fahren hier zur Feinabstimmung, um uns den letzten Schliff zu holen.“

Doch sein Team wolle nicht einfach nur mitrollen. „Wir sind mit einer starken Mannschaft hier. Auch wenn es erst mal nur ein Vorbereitungsrennen ist, versuchen wir uns trotzdem so gut wie möglich zu präsentieren. Wenn die Form stimmt und wir vorne mitfahren können, dann versuchen wir auch zu gewinnen.“

Wiggins mit Solo-Training

Seinen Mannschaftskameraden Wiggins hat der Deutsche seit der Katalonien-Rundfahrt Ende März erstmals wiedergesehen.“ Er war die ganze Zeit zum Trainieren auf Mallorca und der Rest vom Team war auf Teneriffa.“

Die Form seines Kapitäns schätzt er gut ein: „Er sieht eigentlich ganz gut aus und ich denke, er wird auch in Richtung Giro sehr gut drauf sein – genauso wie der Rest des Teams.“

Rolland will bei Tour angreifen

Auch die französische Tour-Hoffnung Pierre Rolland (Europcar) geht bei der Trentino-Rundfahrt an den Start. Er bereitet sich vor allem auf Lüttich-Bastogne-Lüttich in fünf Tagen vor – der prestigeträchtige Klassiker ist neben der Frankreich-Rundfahrt sein Hauptziel in diesem Jahr.

Für die Tour de France hat er sich vorgenommen, „besser zu sein, als im letzten Jahr“. Ein ambitioniertes Ziel, beendete er die Gesamtwertung doch auf Rang acht und gewann überdies eine Etappe.

Bouet-Sieg mit großem Vorsprung

Während manche Profis ihr Hauptaugenmerk auf die Klassiker und großen Rundfahrten richten, wollen andere bereits beim Giro del Trentino abräumen.

Dieser hatte bereits zum Auftakt der 37. Auflage einige Überraschungen zu bieten, denn auf dem ersten Teilstück hielten sich die Stars noch vornehm zurück.

Maxime Bouet (AG2R), der gemeinsam mit sieben weiteren Ausreißern die Gunst der Stunde nutzte und zwischenzeitlich über acht Minuten Vorsprung aufs Peloton herausfuhr, setzte sich schließlich im Sprint einer Dreiergruppe, die sich am letzten Anstieg aus der Spitzengruppe losgelöst hatte, durch.

Der Franzose, der in drei Monaten Vater wird, hatte mit diesem Erfolg überhaupt nicht gerechnet. „Ich habe mir im Vorhinein keine großen Chancen ausgerechnet, aber dann hatten wir in der Ausreißergruppe so einen großen Vorsprung und ich wusste, ich habe im Sprint gute Chancen. Das Rennen stand unter einem guten Stern“, freute sich Bouet, für den es der erste Sieg seit zwei Jahren war. Vor dem Teamzeitfahren hatte er 6:51 Minuten auf das Feld mitsamt den Favoriten um Wiggins, Evans und Co. Vorsprung.

Sky dominiert den Nachmittag

Am Nachmittag jedoch präsentierte sich das Team Sky im 14,1 km langen Teamzeitfahren bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 55 km/h und beinahe 13 Sekunden Vorsprung auf Astana (Vincenzo Nibali) als unschlagbar.

Auf dem Podium feierte das Team ausgelassen und auch Bradley Wiggins zeigte sich sehr viel gelöster als noch am Vortag. "Nach dem schlechten Rennverlauf für uns am Vormittag, ist es umso schöner, den Tag mit einem Sieg abschließen zu können", kommentierte der Brite den Triumph.

"Für das Team ist dieser Sieg sehr wichtig, auch im Hinblick auf den Giro d'Italia. Es ist vielleicht keine Überraschung, dass wir hier mit einer guten Zeit siegen, aber bei einem Teamzeitfahren kann so viel schiefgehen, dass es für uns eine große Erleichterung ist".

Großer Druck

Bei der Siegerehrung war der große Druck, der auf den Sky-Schultern lastete, förmlich spürbar.

Dies bestätigte auch Dario Cataldos Aussage nach dem Rennen, mit der er das Zustandekommen des großen Zeitrückstandes auf der ersten Teiletappe erklärte: „Alle Teams sagen immer, Sky ist so stark, Sky soll die Arbeit machen. Aber ein Team alleine kann eine so große Lücke nicht zufahren.“

Pures Glück

Noch jemand hatte Grund, sich zu freuen. Der Tscheche Josef Cerny - Zweiter des ersten Teilabschnittes - ist der Überraschungsführende nach den ersten beiden Halbetappen. 

Der 19-jährige Tscheche, der für das polnische Team CCC fährt, war nach seinem ersten Tag bei einer größeren Rundfahrt einfach nur glücklich: „Es ist unglaublich, ich genieße es einfach“.

Alllerdings wusste er auch: „Morgen wird ein sehr harter Tag, aber ich werde versuchen, das Trikot zu verteidigen. Man darf nicht vergessen, dass Bouet ein sehr starker Fahrer ist.“ Am Mittwoch geht es auf der ersten Bergetappe von Sillian zurück nach Italien - die Etappe endet mit der Bergankunft in Vetriolo.

"Ich mag schöne Mädchen"

Dem Tschechen war seine Unsicherheit anzumerken, als der 19-Jährige tapfer versuchte, sich der Medienwelt vorzustellen: „Ich habe einen Bruder, der ebenfalls Radsportler ist. Er ist mein Vorbild, aber ich habe mehr Talent".

"Und ich mag schöne Mädchen“, fügte er nach kurzem Zögern grinsend hinzu.

In Tschechien sei der Radsport sehr populär. "Wir haben sehr gute Fahrer und ich habe viele Vorbilder." Zur Zeit läuft es in der Tat richtig gut für ihn und seine Landsleute, man denke nur an Roman Kreuzigers Sieg beim Amstel Gold Race.

Jugendliche Leichtigkeit

Auch wenn er das erste Mal mit den großen Stars wie Cadel Evans, Michele Scarponi und Bradley Wiggings zusammenfährt, blieb der Youngster, dessen stolzer Papa in Osttirol mit dabei war, gelassen.

„Sie sind auch nur Menschen", erklärte er weise.

 

Aus Lienz berichtet Henriette Werner

 

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