Nach der Tour (de France) ist vor der Tour (of Britain)

Aufmacherbild
 

Die zehnte Tour-Teilnahme ist Geschichte. Es war sicher nicht die erfolgreichste für Sky-Profi Bernhard Eisel.

„Wir haben gar nichts gewonnen, für uns war sie grottenschlecht. Aber man kann es nicht ändern“, so der 33-Jährige, der nicht „auf Biegen und Brechen“ noch einmal an der Frankreich-Rundfahrt teilnehmen will.

"Solange ich mitspielen darf, mache ich weiter. Aber wenn ich im nächsten Jahr bei der Tour nicht dabei bin, bin ich nicht mehr böse. Der Ehrgeiz ist noch da. Ein, zwei Frankreich-Rundfahrten möchte ich schon noch bestreiten."

"London komplett gesperrt"

Die Tour sei nun einmal die Tour, auch wenn er sich in Zukunft andere Ziele setzen möchte. Es war aber nicht alles schlecht in diesem Sommer in Frankreich.

"Das Highlight war definitiv Yorkshire, die Dimension kann sich keiner vorstellen. Da waren zehn Millionen Menschen in drei Tagen. Allein für die Präsentation wurden 17.000 Tickets verkauft. Es war wirklich gut aufgezogen, die haben London komplett gesperrt, auch drei Stunden nach dem Rennen konnten wir noch auf abgesperrten Straßen durch die Stadt zum Flughafen fahren. Das ist in Wien unvorstellbar."

Doch danach lief alles den Bach runter, Vorjahressieger und Kapitän Chris Froome schied mit Brüchen an den Händen aus, Sky konnte die hohen Erwartungen von Fans und Medien nicht erfüllen.

„Die Medien haben uns erschlagen, weil wir einen Fahrer mit gebrochenem Knochen weiterfahren gelassen haben. Eine Woche später fährt Contador mit einem gebrochenen Schienbein und ist ein Held“, fühlt er sich ungerecht behandelt.

"Sinnlos"

Eisel ist zudem kein Befürworter von Kopfsteinpflaster bei großen Rundfahrten.

"Auch wenn Froome noch vor den Pavés gestürzt ist: Kopfsteinpflaster bei der Tour müssen nicht sein. Man investiert ein Jahr lang viele Millionen Euro und dann wird es zum Lotteriespiel. Das hat mit professionellem Sport nichts zu tun. Das war einfach sinnlos."

Mission Titelverteidigung

Doch die Tour ist Vergangenheit, nach einer Rennpause nahm Eisel bei den HEW Cyclassics teil, wo er Rang 108 belegte. Als nächstes geht es nach Großbritannien.

Dort soll er helfen, die Titelverteidigung seines Kapitäns Bradley Wiggins bei der Tour of Britain (7. Bis 14. September) in die Realität umzusetzen.

Ursprünglich wollte "Sir Wiggins" die Vuelta fahren, doch dadurch, dass Sky nun in Spanien erneut auf Froome als Kapitän setzt, haben sich "Wiggos" Pläne geändert.

"Bin besser als im letzten Jahr"

"Mein Plan war es, zwei Wochen dort als WM-Vorbereitung zu fahren, wie es auch Tony Martin macht, aber Sky fährt nun die Vuelta, um sie zu gewinnen und wenn sie das Rennen anführen würden und ich dann nach zwei Wochen aussteige, wäre das nicht richtig", so Eisels Kapitän, der gute Nachrichten bezüglich seiner Form vermeldet. "Ich bin besser als im letzten Jahr", gibt der 34-Jährige, der auf die Bahn zurückkehren will, zu Protokoll.

Die Tour of Britain beginnt in Liverpool und endet mit einem Rundkurs in London. Einem Zeitfahren. "Es wird sich gut anfühlen, mit der Nummer eins auf dem Rücken das Rennen zu fahren. Dieses Gefühl hatte ich noch nicht bei so vielen anderen Rundfahrten, die ich gewonnen habe."

„Es wäre schön, meine Karriere auf der Straße mit einem WM-Titel zu beenden. Aber der beste Tag meiner Karriere war so oder so das Olympische Zeitfahren in London. Das ist das, was jeder gewinnen will, also kann ich damit leben, wenn ich nie Weltmeister werde. Es bekommt nicht jeder die Möglichkeit, Olympiasieger zu werden“, so der 34-Jährige, der nach dieser Saison komplett auf die Bahn zurückkehren will.

Begeisterte Briten

Der Radsport-Hype in Großbritannien findet aktuell keine Grenzen. Doch dies war nicht immer so.

"Die Radsportbegeisterung der Briten ist erst entstanden, früher haben sie mit Radsport nichts anfangen können. Angefangen hat es mit dem Bügermeister von London, der die Tour 2007 geholt hat, weil er wollte, dass die Leute in der Stadt wieder mehr Radfahren", erzählt uns Eisel. Sein Team lege zudem sehr viel wert darauf, dass im Alltag Rad gefahren wird.

"Sie haben geschafft, dass 2,7 Millionen Briten zwei- bis dreimal die Woche Radtouren machen". Unter www.gogoskyride.com finden interessierte Hobbyfahrer oder die, die es werden wollen, geführte Fahrten, große Bike Events und über soziale Netzwerke organisierte, gemeinsame Fahrten.

Der Österreicher ist also nach wie vor zufrieden mit seinem Team, bei dem er noch bis 2015 unter Vertrag steht. "Sky ist das beste Team von der Struktur her", bekräftigt er trotz der bisher eher enttäuschend verlaufenden Saison.

Im Anschluss stehen für Eisel noch die WM in Ponferrada (21. bis 28. September), für die er im erweiterten ÖRV-Kader steht, sowie die Japan- und die Peking-Rundfahrt auf dem Programm.

 

Henriette Werner

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen