Runde zwei im Duell um Olympia

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Startplätze im Kajak-Einer bei den Olympischen Spielen haben sich Österreichs Wildwasser-Slalomkanuten längst gesichert, wer allerdings die Reise nach England antreten wird, entscheidet sich erst.

Es steht nach den Weltmeisterschaften im Vorjahr jeweils 1:0 für Corinna Kuhnle (errang Gold) und Helmut Oblinger (18.).

Dessen Ehefrau Violetta Oblinger-Peters sowie Herwig Natmessnig können bei der EM ab Donnerstag auf dem Augsburger Olympia-Kanal ausgleichen. Setzen sich Kuhnle und Oblinger aber durch, ist ihnen die Teilnahme an den Sommerspielen sicher.

Mögliche Vorentscheidung

Der österreichische Verband hat mit der Vorjahrs-WM in Cunovo (Slowakei), bei der es um die Erbringung der Quotenplätze ging, der EM heuer sowie dem Weltcup in Cardiff (9. bis 10. Juni) drei Rennen bestimmt, die als verbandsinterne Qualifikation zählen.

Cardiff wird nur noch tragend, wenn es nach den Kontinentaltitelkämpfen in Duellen 1:1 stehen sollte.

Bronze-Gewinnerin unter Zugzwang

Kuhnle und die Oblingers waren im Winter zur Vorbereitung in Australien. Die Australian Open im Februar in Penrith gewann Oblinger-Peters, Kuhnle wurde Siebente.

Bei den Ozeanien-Meisterschaften ebendort kam Oblinger-Peters auf Rang sechs, Kuhnle auf 19. Die Athletinnen hatten den Bewerb aus dem Training heraus absolviert.

Oblinger-Peters, 2008 Olympia-Bronzemedaillengewinnerin und seit April 2009 Mutter eines Buben, gibt sich jedenfalls noch lange nicht geschlagen. Doch ist sie in der Rolle der Jägerin und steht ab Freitag unter Zugzwang.

Getrennte Wege

Die 24-jährige Kuhnle und die um zehn Jahre ältere Oblinger-Peters trainieren in verschiedenen Gruppen, sie sehen sich selten - und das ist angesichts des gespannten Verhältnisses der beiden auch gut so.

Bei der EM soll der sportliche Wettkampf im Vordergrund stehen.

"Ich konzentriere mich auf meine Leistung, alles andere kann ich nicht beeinflussen. Wenn ich meine Leistung bringe, kann ich Vio besiegen. Wenn ich einen Fehler mache, wird es darauf ankommen, was sie macht", sagte Kuhnle.

Das primäre Ziel

Das Ziel für Augsburg sei "definitiv eine Medaille", betonte Kuhnle.

"Ich gehe nicht in die EM und sage mir, ich muss vor Vio sein. Wenn ich dann 30. bin und sie 31., bringt mir das auch nichts. Dann war es ein schlechter Wettkampf, dann bin ich enttäuscht. Ich will eine Topleistung bringen. Aber natürlich, das interne Duell ist da, weil es um Olympia geht. Aber deshalb rückt die EM nicht in den Hintergrund", erklärte die Niederösterreicherin, die auf der als Klassiker geltenden Strecke in Deutschland schon mehrere Weltcups absolviert hat.

Für die WM 2003 war sie allerdings noch zu jung. Helmut Oblinger gewann damals Bronze, Oblinger-Peters wurde 30.

Wichtig für Olympia-Vorbereitung

Als Doppelweltmeisterin hat Kuhnle in der Olympia-Quali keinen Bonus. "Es ist eine neue Saison, es kann alles passieren. Ich kann mich auf meinem Lorbeer nicht ausruhen. Und wenn ich bei Olympia was erreichen möchte, um Medaillen fahren will, muss ich mich auch in Österreich durchsetzen."

Sie fühlt sich "mindestens genauso gut in Form wie letztes Jahr". Kuhnle hat mehr trainiert und weniger Wettkämpfe bestritten. Und natürlich wäre es von Vorteil, wenn sie schon jetzt für die Sommerspiele alles klarmachen würde:

"Wenn ich mich auf Cardiff nicht extra vorbereiten müsste und stattdessen eine Trainingsperiode in London hätte, wäre das natürlich besser."

Vorleistungen zählen nicht

Bei den Herren ist Oblinger gegenüber Natmessnig zu favorisieren. Für den 39-jährigen Oberösterreicher wäre es die fünfte Olympia-Teilnahme.

"Sicher, Herwig war in all den Jahren vielleicht insgesamt zweimal vor mir. Aber jedes Rennen fängt mit null an, jeder hat seine Chancen. Ich werde einfach auf mich schauen und vielleicht nicht das letzte Risiko gehen", sagte Oblinger, der mit Frau und Kind in den letzten Wochen viel Zeit in Augsburg verbracht und auch eine kleine Wohnung gemietet hat.

Im März und im April war er jeweils für ein paar Tage zum Training in London, während Oblinger-Peters in Augsburg bzw. mit Söhnchen Milo in der Heimat war.

Technik gegen Kraft

Die Form stimme bei ihm und bei Violetta, meinte der Routinier, speziellen Zuspruch brauche seine Lebenspartnerin vor dem möglicherweise entscheidenden Rennen nicht:

"Vio ist heuer zwei Rennen gegen Connie gefahren und war zweimal vor ihr. Beide sind gut, es kann so oder so ausgehen. Ich glaube, dass Vio es schaffen kann. Aber es ist natürlich immer schwer, die Weltmeisterin zu besiegen. Vio ist technisch viel besser als Connie, damit kann sie körperliche Defizite wettmachen", sagte Oblinger.

Rettungsanker Sohnemann

Dank Milo, der auch bei der EM dabei sein wird, haben sich die Wertigkeiten im Leben der Oblingers ohnehin etwas verschoben.

"Aber natürlich wird Olympia den sportlichen Reiz nie verlieren, da wollen wir hin, dafür haben wir hart gearbeitet. Doch wenn es nicht klappen sollte, geht die Welt nicht unter", weiß der Familienvater.

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