"Medaillen noch möglich"

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"Werden nicht mit leeren Händen nach Hause fahren"

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Seit 1. Juni 2010 ist Peter Mennel Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC). Der 56-jährige Vorarlberger trat damals das schwere Erbe des inzwischen zu fünf Jahren Haft verurteilten Heinz Jungwirth an.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bregenz, Extrembergsteiger und Flugsportler hat sich in seinem neuen Job schnell eingelebt.

Mennel ist in London, wann immer es geht und wo immer Österreicher im Einsatz sind mit einer rot-weiß-roten Dahne bewaffnet, auf den Tribünen der diversen Sportstätten anzutreffen.

Der Generalsekretär stellt sich voll in die Dienste der Sportler und Peter Mennel ist im Interview mit LAOLA1.at zuversichtlich, dass Österreich nicht mit leeren Händen von den Spielen abreist.

LAOLA1: Das ÖOC zieht Halbzeitbilanz, die Kritik in Österreich wird heftiger, das Wort von "Olympia-Touristen" macht die Runde. Was sagen sie dazu?

Peter Mennel: Ich finde es nicht ganz fair, jetzt zur Halbzeit Sportler und Trainer zu verunsichern. Wir haben vor einem Jahr gesagt – und das wurde auch sehr positiv aufgenommen – dass alle Sportler, die sich international qualifizieren, auch dabei sein können. Eines der besten Beispiele dafür ist Siebenkämpferin Ivona Dadic, die ja ganz knapp das Limit geschafft hat. Wenn wir dort gesagt hätten, es müssen mindestens 6.000 Punkte sein, dann wäre sie nicht dabei. Wir haben gesagt, es sind 5.950 Punkte, sie hat das Limit um neun Punkte übertroffen und kann hier Erfahrung sammeln. Ich glaube, dass es gerade für junge Athleten auch wichtig ist, solche Erfahrungen zu machen.

LAOLA1: Warum?

Mennel: Auch Markus Rogan war 2000 in Sydney nur 23., deshalb hat man ihn aber nicht als Tourist bezeichnet und aus ihm ist ein großer Schwimmer geworden. Ich glaube, dass es momentan wichtig ist, die Kirche im Dorf zu lassen, damit die Athleten ihre Leistungen abrufen können. Wir haben alle Mühen und keine Kosten gescheut, um den Athleten ein Umfeld zu bieten, das sie brauchen. Sie bekamen alle Akkreditierungswünsche erfüllt, alle haben ihre Physiotherapeuten und Betreuer dabei, das heißt unsere Aufgaben haben wir zu mehr als 100 Prozent erfüllt. Daher finde ich es nicht in Ordnung, dass man da jetzt viel Unruhe in die Angelegenheit hineinbringt. Man kann sich am Ende der Spiele, wenn ein Schlussstrich gezogen wird, zusammensetzen und überlegen, wie gehen wir weiter vor, was können wir noch tun, um den österreichischen Spitzensport weiterzuentwickeln. Wir haben dazu inzwischen schon viele, viele Gedanken gesammelt, die ich jetzt nicht alle auf den Tisch legen möchte, aber es gibt bereits einige Initiativen, die sich für Rio 2016 mit Sicherheit positiv auswirken werden.

LAOLA1: Die ersten Spiele sind für alle Sportler etwas ganz Besonderes. Müssen sie darauf besser vorbereitet werden? Ist es optimal, wenn Tamira Paszek am Tag vor ihrem ersten Auftritt bei der Eröffnungsfeier dabei ist?

Mennel: Die Tamira hat das für sich so entschieden. Sie wollte unbedingt bei der Eröffnung dabeisein. Und ich finde, dass es für sie keine große Belastung war. Sie musste weder lange anstehen, noch lange im Bus sitzen. Die Sportler sind – im Gegensatz zu anderen Spielen – vom Olympischen Dorf einfach und leicht zur Eröffnung spaziert. Ich glaube nicht, dass Tamiras Ausscheiden in der ersten Runde damit etwas zu tun hat.

LAOLA1: Corinna Kuhnle ist als Medaillenhoffnung im Wildwasser-Finale gescheitert. In Österreich gibt es keine Trainingsstätte wie den Olympia-Kanal. Wo liegen da die Probleme?

Mennel: Wenn ich Leistung will, dann brauche ich die Infrastruktur. Österreich ist eines der wenigen Länder, wo es überhaupt keinen Wildwasserkanal gibt, das aber gute Paddler hat. Das dürfen wir nicht vergessen. Es tut sich bei den Männern in der Generation nach Helmut Oblinger ein Loch nach hinten auf. Ich habe mit dem Präsidenten bereits besprochen, welche Initiativen wir setzen können, um auch für Rio einen Starter zu bekommen, der dann vielleicht 2020 eine Medaille holt. Meistens braucht ein Athlet einmal die Spiele, um beim zweiten Mal zuschlagen zu können.

LAOLA1: Sie stehen mit der neuen Führung für frischen Wind im ÖOC. Befürchten sie, dass sie medaillenlos von den ersten Sommerspielen heimkehren?

Mennel: Ich bin wirklich ganz zuversichtlich, dass wir nicht mit leeren Händen nach Hause kommen werden.

LAOLA1: Sind sie auch zuversichtlich, dass in der ganzen Diskussion um die Sportpolitik im Lande endlich etwas weitergehen wird?

Mennel: Das kann ich im Moment nicht beurteilen und ich möchte mich dazu auch nicht äußern. Aber eines ist klar, es darf künftig keinen Staatssport geben.

LAOLA1: Wie ist Österreich bezüglich Spitzentrainern aufgestellt?

Mennel: Wir arbeiten seit acht Monaten zusammen mit den Olympiazentren einen bestimmten Plan aus und da sind auch die Trainerausbildung, die Weiter- und Fortbildung ein großes Thema.

LAOLA1: Was waren bisher in London ihre Highlights, wer hat sie enttäuscht?

Mennel: Es gibt Hoffnungs-Medaillen und es gibt Chancen-Medaillen. Im Wildwasser haben wir eine Chancen-Medaille verloren, das ist leider so. Mit Corinna Kuhnle hatten wir wirklich gute Möglichkeiten. Es gibt für mich Hoffnungs-Medaillen, das waren Ludwig Paischer, das war Sabrina Filzmoser. Da habe ich mir gedacht, dass sie, wenn es gut läuft und die Auslosung passt, eine Medaille holen können. Ich glaube, dass beide ihr Bestes gegeben haben. Dinko Jukic mischt in der Schwimm-Weltspitze mit. Er ist zwar Vierter, aber in der Weltspitze. Wir bedauern, dass es keine Medaille ist, aber er hat eine ausgezeichnete Leistung gebracht. Und wenn ich mir ansehe, wie die Beachvolleyball-Mädels sensationell gekämpft haben und auch den US-Amerikanerinnen einen Satz abgenommen haben, dann hat mich das ungemein begeistert. Wenn man sieht, dass die Sportler alles geben und sich voll einsetzen und wenn die ganze Sache dann durch Pech, einen Netzroller oder Ähnliches in die andere Richtung geht, dann muss man das auch zur Kenntnis nehmen. Der Sport ist Sport und bleibt Sport. Gott sei Dank ist er nicht programmierbar.

LAOLA1: Hat sich London als Austragungsort der Spiele eine Goldmedaille verdient?

Mennel: Absolut. Die Sportstätten sind sensationell, die Spiele sind bezüglich Infrastruktur und Zuschaueraufkommen einfach irre. Wenn ich die Kulissen beim Beachvolleyball, bei den Entscheidungen im Wildwasser oder jetzt bei der Leichtathletik mit 80.000 Besuchern sehe, dann ist das genial. Die Briten sind extrem sportbegeistert und sie haben uns nicht zu viel versprochen. Natürlich gibt es bei einem Großereignis wie diesem das eine oder andere zu kritisieren, aber im Großen und Ganzen muss man den Hut ziehen und den Organisatoren bereits zur Halbzeit die Goldmedaille verleihen.

Das Gespräch führte Peter Rietzler

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