Leitgeb sauer auf Stöckl: "Haben ihr vertraut!"

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„Was haben Markus Rogan und eine Glocke gemeinsam“, fragt ein User in einem Internet-Forum, um die Antwort gleich selbst zu geben.

„Beide spucken größe Töne und gehen unter, wenn man sie ins Wasser wirft."

Auf facebook macht folgender Spruch die Runde: "Hirnschmalz ohne Ende behindert bei der Wende."

Schlechte Witze wie diese machen seit vergangenem Sonntag im Internet die Runde.

Seit seinem umstrittenen Interview in der Ö3-Sendung „Frühstück bei mir“ ist der 30-Jährige wieder einmal der sportlichste Buhmann der Nation.

Wie nach seiner Prügel-Affäre bei der Schwimm-WM 2009, als er in einer Diskothek in Rom einem Türsteher in die Faust lief.

Keine Interviews vor Olympia?

Schon damals gab es von der Öffentlichkeit nur wenig Mitleid, als sich Rogan am Tag danach dick verbunden im Rollstuhl, die geschwollenen Augen hinter einer Sonnenbrille versteckend, den Medienvertretern stellte.

Drei Jahre später wurden in der mittelbaren Olympia-Vorbereitung alle Interviews mit dem 30-Jährigen abgeblockt.

Der Kommentar vom Management des in Kalifornien lebenden Wieners fiel knapp und immer gleich aus. „Markus möchte sich voll auf die Vorbereitung für London konzentrieren.“

Umso größer die Überraschung, als Rogan dann zwei Tage nach der Eröffnung der Spiele mit Claudia Stöckl am Frühstückstisch saß (die Sendung wurde zwei Wochen vorher aufgezeichnet, Anm.) und mit starken Sprüchen für Aufsehen sorgte.

Flüge, Frauen, Champagner

Über seine Finanzen sagte er: „Ich habe unglaublich viel Geld verdient, aber ich habe fast alles ausgegeben."

Wofür? "Für Flüge um die Welt, für Frauen in jedem Bett, Champagner in allen Preisklassen und für die besten Trainer der Welt.“

Zum Thema Frauen gab er folgendes zum Besten: „Egal, wie geil, wie reich eine Frau ist: am Ende musst du mit ihr allein auch interessante Gespräche führen können.“

Und dann sprach er noch darüber, dass man als weniger denkfähiger Sportler mehr erreichen könne. Der Anfang vom Ende.

Aufregung und kein Ende

„Ich glaube, es ist ein Riesenvorteil, wenn du weniger denkfähig bist. Es gibt einen guten Grund, warum die richtig guten Sportler nicht viel im Kopf haben, weil da ist der Kopf nicht im Weg“, so Rogan, der weiters fragte: „Warum hat der Armin (Assinger, Anm.), der relativ schlau ist, nur vier Rennen gewonnen und der Hermann (Maier, Anm.) 50?“

Der „Herminator“ dumm genug für Seriensiege und Rekorde, Olympia- und WM-Medaillen? „Nein überhaupt nicht. Er hat genau das richtige Gehirnschmalz, um sportlich erfolgreich zu sein. Ich glaube, wenn man zu viel hat, dann steht man sich sehr, sehr im Weg.“

Diese Sätze lösten eine Welle der Empörung aus – und das nicht nur bei Maier-Fans. Dass Rogan am nächsten Tag via „Krone“ zurückruderte und abermals seine Bewunderung für das nationale Ski-Heiligtum ausdrückte, kam zu spät.

In den Tagen danach wiederholte er gebetsmühlenartig, dass Sportler, die im entscheidenden Moment den Kopf ausschalten können, erfolgreicher sind.

Auf das eigentliche Problem, nämlich den Vorwurf, dass Hermann Maier „genau das richtige Hirnschmalz“ hat, ging er jedoch nicht mehr ein.

Freundschaft nicht ausnützen

Wäre es nach Ronnie Leitgeb gegangen, hätte sein Klient das Interview nie gegeben.

„Markus wurde an den Galgen gehängt. Aber das überrascht nicht, wenn man die beteiligten Personen kennt“, schießt der Sportler-Manager, der unter anderem auch Tamira Paszek und Jürgen Melzer betreut, im Gespräch mit LAOLA1 scharf gegen die „Botschafterin des guten Gesprächs“.

Mehrmals habe er sie gebeten, so Leitgeb weiter, die persönliche Freundschaft mit Rogan nicht für ihre Zwecke oder gar eine gute Einschaltquote auszunützen.

Stöckl, die für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, und der Schwimmer sind seit einigen Jahren durch ihre Charity-Projekte in Indien und Äthiopien eng verbunden.

"Bin Angestellter, nicht Chef"

War das der Grund, warum Rogan nicht dem Rat des einstigen Machers von Thomas Muster folgte?

„Ich bin nur sein Angestellter, nicht sein Chef. Wir haben der Interviewerin vertraut. Tragisch, dass es so gekommen ist", so Leitgeb.

Als Ausrede für das verpasste Finale und dafür, dass die rot-weiß-rote Medaillenhoffnung in beiden Läufen rund eine Sekunde über dem 2011 aufgestellten österreichischen Rekord blieb, will Leitgeb das Aufreger-Interview nicht gelten lassen.

„Aber natürlich hat Markus mitbekommen, was die Öffentlichkeit denkt, das belastet im Unterbewusstsein."

"Nicht leicht, wenn die Nation gespalten ist"

Der 53-Jährige erinnert an den ersten großen Sieg von Thomas Muster gegen Andre Agassi beim Davis-Cup-Duell mit den USA.

„Da ist ganz Österreich hinter ihm gestanden. Wenn die Nation aber vor einem so großen Wettkampf wie Olympia gespalten ist, dann ist das für keinen Sportler leicht.“

Wie und ob es mit der Karriere von Markus Rogan weitergeht, weiß auch sein Intimus nicht, der noch einmal den Vergleich mit dem Tennissport zieht.

„Leider hat er nicht in fünf Wochen das nächste Grand-Slam-Turnier, beim Schwimmen konzentriert sich alles auf Olympia.“

 

Stephan Schwabl

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