Superstar Lochte hat Rogan auf der Lagen-Rechnung

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Die Rollen waren klar zugeteilt. Einer aus dem Duo Michael Phelps und Ryan Lochte sollte der große Schwimmstar dieser Olympischen Spiele werden.

Viereinhalb Wettkampftage später sind die beiden „Außerirdischen“ zurück auf Menschengröße geschrumpft.

Von allerdings sehr erfolgreichen Menschen.

Lochte hat Gold über 400 m Lagen geholt, Phelps wurde im selben Rennen Vierter.

Blech und Pech

Über 200 m Freistil war es wiederum Lochte, der sich Blech um den sichtlich dicken Hals hängen lassen und dabei zusehen musste, wie Yannick Agnel den Olympiasieg feierte.

Es war bereits die zweite Goldene für den Franzosen, der zuvor schon gemeinsam mit seinen Landsleuten über 4 x 100 m Kraul gejubelt hatte.

Schlussschwimmer Agnel nahm Lochte auf zwei Längen mehr als eine Sekunde ab.

Phelps meldete sich am Dienstag mit Silber über 200 m Delfin und Gold in der 4 x 200 m Kraul-Staffel zurück.

Lagen-Agnel heißt Rogan

Über 200 m Lagen kommt es am Donnerstag zum zweiten und letzten Aufeinandertreffen von Phelps und Lochte in einem Schwimmbecken.

Für den Rekord-Olympioniken ist es das drittletzte Rennen seiner Karriere, für die rot-weiß-rote Medaillenhoffnung Markus Rogan gar das letzte.

„Ich bin in Höchstform“, ließ der Wiener nach seinem Staffel-Einsatz am Dienstagvormittag wissen.

Nach dem Vorlauf meinte er: "Ich habe es genossen, aber das Finale wird schwierig."

"Ein großartiger Wettkämpfer"

Dass die Form beim Österreicher passt, das weiß auch Ryan Lochte, der schon im College gegen Rogan geschwommen ist.

„Markus war schon damals stark auf den Lagen-Strecken, hat sich dann aber auf Rücken spezialisiert“, erinnert sich der 27-Jährige im Gespräch mit LAOLA1 an die ersten Duelle.

Wer damals schneller war, wisse er nicht mehr, eine Erinnerung ist aber geblieben. „Markus ist ein großartiger Wettkämpfer, ein echter Racer. Er hat so viel Passion für den Sport.“

Rogan und der Rest der Welt

Passion, also Leidenschaft, das soll im Duell mit den Schwimm-Giganten den Unterschied ausmachen.

Nach seiner Ankunft in London verkündete Rogan, dass er „den Rest der Welt“ anführen wolle, also Bronze das Höchste der Gefühle für ihn sei.

Am Dienstag sah die Welt nicht viel anders aus. „Wahrscheinlich werden sie nicht drei oder vier Sekunden vorne sein. Aber sie müssen trotzdem einen schlechten Tag erwischen und ich das Rennen meines Lebens haben, um überhaupt in die Nähe zu kommen.“

Lange Liste von Favoriten

Auf die Frage, wer für ihn die Favoriten seien, lacht Lochte kurz, dann sagt er: „Die Dichte ist enorm hoch, es sind so viele starke Schwimmer da. Ich weiß gar nicht, wer aller in Frage kommt.“

Markus Rogan vielleicht? „Ja", ist Lochte freundlich, nachdem er erfragt, woher der Verfasser dieser Zeilen kommt, "er wird ganz vorne dabei sein.“

Das glaubt auch Gregg Troy, Trainer der US-Schwimmer, der für seine Staffel-Aufstellung mit Schlussschwimmer Lochte viel Kritik einstecken musste.

„Rogan gehört auf jeden Fall zum Kreis der Medaillenanwärter, aber der ist diesmal ganz besonders groß. Wir haben mit Lochte und Phelps zwei Schwimmer, die hoffentlich vorne dabei sind, aber wir dürfen nicht auf Rogan, Cseh, Pereira und Goddard vergessen.“

"Wechsel war sehr mutig"

Auch Troy kennt Rogan schon seit vielen Jahren und also seit College-Zeiten, wie er bei LAOLA1 erzählt.

„Unsere Wege haben sich oft gekreuzt, Markus war ein großartiger Rückenschwimmer. Ich fand es damals sehr mutig, dass er zu den Lagen zurückgekehrt ist.“

Und was sagt Trainer-Legende Bob Bowman zum Medaillentraum des Österreichers?

Der erfolgreichste Schwimm-Coach der Welt, unter dessen Fittiche Michael Phelps zum erfolgreichsten Olympioniken aller Zeiten wurde, traut Markus Rogan den großen Coup zu.

„Ich habe ihn bei den letzten Rennen in den USA gesehen, da hat er einen starken Eindruck gemacht. Und ich bin mir sicher, dass er es im letzten Rennen seiner Karriere noch einmal wissen möchte.“

 

Stephan Schwabl

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