Jukic sieht noch Reserven für den Kampf um Gold

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Holt Dinko Jukic am Dienstag die erste Medaille für Österreich in London?

Die Möglichkeit besteht jedenfalls, denn der Wiener ist am Montagabend souverän ins Finale über 200 m Delfin eingezogen.

Dass er langsamer war als am Vormittag, davon lässt sich Jukic nicht aus der Ruhe bringen.

„Als klar war, dass es sich ausgeht, habe ich aufgehört zu drücken.“ Ein Ziel hat er mit dem Finaleinzug bereits erreicht, im LAOLA1-Interview gibt er ein neues Ziel aus.

„Ich will eine Medaille gewinnen!“ Auch Gold ist möglich. Chancen, sagt der 23-Jährige, haben alle Acht für das Finale qualifizierten, also auch er selbst.

 

LAOLA1: Herzlichen Glückwunsch zum Finaleinzug über 200 m Delfin. Aber musstest du es so spannend machen?

Dinko Jukic: Nach der letzten Tauchphase habe ich gewusst, dass es sich ausgeht. Nachdem ich beim Serben vorbei geschwommen bin, war klar, dass ich nicht mehr drücken muss. Auf der anderen Seite war nur Michael (Phelps, Anm.), den Polen Korzenowski habe ich leider nicht gesehen. Aber als Zweiter muss man sich ums Finale keine Gedanken machen.

LAOLA1: Dass die Zeit langsamer war als im Vorlauf muss den Schwimmfans keine Sorgen machen?

Jukic: Die ersten drei Längen waren nicht optimal. Am letzten Fünfziger habe ich auf den ersten 30 m viel Zeit herausgeholt und dann aufgehört zu drücken. Deshalb war ich schlussendlich ein bisschen langsamer. Für das Finale ist aber noch einiges drinnen.

LAOLA1: Nämlich?

Jukic: Mein Ziel habe ich mit dem Finaleinzug erfüllt. Ich habe gezeigt, dass ich zur Weltspitze gehöre. Jetzt hoffe ich auf ein optimales Rennen, dass ich mich noch um die eine oder andere Platzierung verbessern kann.

LAOLA1: Sprechen wir auch von einer Medaille?

Jukic: Ich weiß jetzt, wie Michael und der Rest des Feldes drauf sind. Deshalb sage ich: Alle Acht können eine Medaille gewinnen – und aus meiner Sicht können auch alle Acht Gold holen.

LAOLA1: Was glaubst du, welche Zeit wird man für eine Medaille brauchen?

Jukic: Der österreichische Rekord muss fallen, wenn ich vorne dabei sein will. Das ist das große Ziel. Für eine Medaille wird man eine 1:53er-Zeit brauchen, 1:52 hoch um zu gewinnen. Realistisch ist eine Zeit von 1:53 Mitte.

LAOLA1: Wie wird die Taktik aussehen, und hast du vielleicht noch ein Ass im Ärmel?

Jukic: Ich werde wieder auf mein Finish, auf die letzten 50 m vertrauen. Wichtig wird sein, dass ich keine Hektik hineinbringe. Ruhig schwimmen, technisch, mit der gleichen Frequenz, aber mehr auf Zug. Also stärker in der Unterwasserphase, damit ich schneller vorankomme.

LAOLA1: Ist es eine Überlegung vielleicht schon früher mit dem Finish zu beginnen?

Jukic: Das muss ich noch mit meinem Vater besprechen. Vielleicht drücke ich auch auf den letzten 75 m, einen Versuch ist es wert. Da kommt noch eine Wende und eine Tauchphase. Wir werden sehen … Aber ich gebe mich sicher nicht geschlagen!

LAOLA1: Glaubst du setzt so ein Finale Kräfte frei, von denen du vielleicht gar nicht wusstest, dass sie in dir drin stecken?

Jukic: Ich denke schon, dass ich die eine oder andere Reserve rausholen kann, die ich vielleicht bei Welt- oder Europameisterschaften nicht hätte. Da hoffe ich auf das Phänomen Olympische Spiele. Einen Versuch ist es wert. Hoffentlich lasse ich mich vom Finale nicht zu sehr beeindrucken und kann das Aquatics Centre rocken.

LAOLA1: Wie wirst du die 24 Stunden bis zum Finale verbringen?

Jukic: Jetzt einmal ruhig schlafen. Dann ganz normal aufstehen, frühstücken und einschwimmen. Und dann fängt eh schon die Vorbereitung auf das Finale an. Aber je weniger man darüber nachdenkt, desto besser ist es. Damit will ich aber nicht sagen, dass ich nicht intelligent und nicht schnell bin. Aber es ist wirklich so: Je weniger man nachdenkt, desto schneller ist man.

LAOLA1: Also hat Markus Rogan mit seinen umstrittenen Aussagen zum Thema Sportler-Intelligenz recht?

Jukic: Anders formuliert, ja. Ich weiß auch, wie er es gemeint hat. Vor allem im Schwimmsport ist es wirklich so, dass man umso schneller ist, je weniger man sich Gedanken über die Gegner, wer was geschwommen ist oder wie viel Kraft gelassen hat. Wenn man sich auf sich selbst und die eigene Leistung konzentriert, dann klappt es meist am besten. Markus hat sich ein bisschen holprig ausgedrückt, aber mein Gott, das passiert.

LAOLA1: Deine Vorwürfe gegen den Verband (LAOLA1 hat berichtet) sind nicht passiert, sondern du hast deine Worte ganz bewusst gewählt. Wie wichtig war dir das?

Jukic: Für mich war es kein Luft verschaffen. Aber das sind Dinge, die ich nicht verstehen kann und auch nie verstehen werde. Es wird sich herausstellen, was eigentlich in Debrecen war. Das waren Dinge, die nichts mit dem Sport zu tun hatten. Aber genau darum geht es: Der Sport sollte an erster Stelle stehen – und nicht Ehrenamtlichkeit.

LAOLA1: Präsident Paul Schauer hat gemeint, dass er eine Verbandsstrafe für möglich hält?

Jukic: Dass der Herr Schauer so reagiert, wie er es getan hat, ist klar. Am 15. September steht die Wiederwahl an, das ist alles politisch gedreht. Aber nicht auf Kosten des Sports, dafür kämpfe ich. Alles andere interessiert mich nicht.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

Aufgezeichnet von Stephan Schwabl

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