Seelsorge für Olympia: Pater Maier im LAOLA1-Talk

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Auch wenn es für eine Goldmedaille nicht reichen sollte, diesen Olympia-Rekord kann uns keiner nehmen.

Denn Pater Bernhard Maier ist mit mehr als 28 Jahren der längstdienende Seelsorger bei Olympischen Spielen.

In London predigt er zum 16. Mal in Folge im Zeichen der fünf Ringe.

„Es wird wieder eine riesige Herausforderung, aber ich freue mich schon darauf“, verspürt auch der Direktor des Don Bosco Gymnasiums in Unterwaltersdorf, wo er auch Religion und Sport unterrichtet, bereits das olympische Kribbeln.

Im LAOLA1-Interview spricht der 2008 zum „Sportbotschafter des Jahres“ ausgezeichnete Sportler-Seelsorger über seine Job in London, Religion im Olympischen Dorf und Maier erklärt, warum Psychologen und facebook keine Konkurrenz sind.

 

LAOLA1: Pater Maier, Sie sind der Rekord-Teilnehmer im österreichischen Olympia-Team. Ihre wievielten Spiele erleben Sie in London?

Pater Bernhard Maier: Es werden meine 16. Spiele sein. Die Winterspiele 1984 in Sarajevo waren meine ersten, im Sommer war ich dann auch in Los Angeles dabei. Der Beginn war schwierig, Jugoslawien war damals noch kommunistisch. Aber inzwischen habe ich manches erlebt und mich eingearbeitet.

LAOLA1: Wer kann zu Ihnen kommen?

Maier: Ich fühle mich für alle zuständig, die das wollen. Ich bin katholischer Seelsorger und der größte Teil des Teams ist katholisch. Aber wir hatten schon in den letzten Jahren muslimische Sportler dabei und auch dieses Mal. Ihm werde ich wie allen anderen auch das interreligiöse Zentrum im Olympischen Dorf mit den verschiedenen Gottesdiensträumen für die unterschiedlichen Religionen zeigen.

LAOLA1: Wie kann man sich dieses Religions-Zentrum im Dorf vorstellen?

Maier: Die katholische und die evangelische Kirche, Muslime, Buddhisten, alle haben ihren eigenen Raum, der so hergerichtet ist, wie es die Sportlerinnen und Sportler von daheim kennen. Denn die Olympische Charta schreibt vor, dass alle ihre religiösen Pflichten erfüllen und zum Beispiel beten können, dazu wird es verschiedene Gottesdienste geben.

LAOLA1: Was ist heute anders als bei ihren ersten Olympischen Spielen 1984?

Maier: Eigentlich nicht viel. Klar, die Zeit hat sich seit 1984 unheimlich verändert und natürlich auch die Gesellschaft. Die Säkularisierung ist fortgeschritten, die Bindung an die Kirchen und Parteien ist deutlich zurückgegangen. Aber nachdem ich 30 Jahre dabei bin, geht es bei mir besser und intensiver als zu Beginn. Vielleicht ist das auch der Bonus dieser langen Zeit.

LAOLA1: Ist ein eigener Seelsorger für das Olympia-Team heute überhaupt noch zeitgemäß?

Maier: Österreich leistet sich diesen tollen Luxus. Aber ja, es stimmt, heute gibt es nur mehr ganz wenige Länder, die einen eigenen Seelsorger bei den Spielen dabei haben.

LAOLA1: Wie würden Sie die Beziehung zu den Athletinnen und Athleten beschreiben?

Maier: Das sind unter Anführungszeichen meine Schäfchen. Sie haben sich an mich gewöhnt, mit manchen ist der Kontakt nach den Spielen auch nicht abgerissen. Für ÖSV-Sportdirektor Hans Pum ist es zum Beispiel selbstverständlich, dass seine Athletinnen und Athleten zu mir kommen, wenn der Schuh drückt.

LAOLA1: Wie läuft diese Kontaktaufnahme ab? Kommen die Sportler zu Ihnen, gehen Sie auf die Sportler zu?

Maier: Nachdem ich so eng mit ihnen zusammenlebe, ergibt sich eins ums andere. Das ist jetzt nicht so, dass man sich wie beim Psychologen anstellen und anmelden muss. Wir kommen über den informellen Kontakt dorthin, wo der Schuh drückt. Wenn ich jemand besser kenne und es läuft etwas schief, dann gehe ich schon auch einmal hin und sage: Kopf hoch, das Leben geht weiter.

LAOLA1: Manchmal reicht ein „Das Leben geht weiter“ aber wahrscheinlich nicht, oder?

Maier: Ein extremer Fall war sicher der Tod des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili bei den Olympischen Spielen in Vancouver. Da hat mich die Teamführung unserer Rodler geholt und gesagt: Bitte komm‘ und tu was! Dann haben wir uns zurückgezogen, ich habe ein paar tröstende Worte gesprochen und dann haben wir ein Vater Unser gebetet.

LAOLA1: Und das hilft?

Maier: Unglücke passieren. Sicher ging danach die Angst um, wer der nächste ist. Die Bahn war extrem gefährlich, eine Kurve haben die Rodler die 50er-Kurve genannt. Weil nur 50 Prozent durchgekommen sind. Da habe ich zum ersten Mal selbst erlebt, dass Rodler und Bobfahrer richtig Angst hatten. Das Beten hat geholfen, den Schock zu verarbeiten.

LAOLA1: Kaum ein Sportler kommt heute noch ohne Psychologe oder Mentalbetreuer aus, die via facebook oder skype jederzeit erreichbar sind. Wie groß ist da die Konkurrenz zur Seelsorge?

Maier: Wir kommen uns nicht ins Gehege. Und ich sehe das auch ganz locker und ohne Ehrgeiz. Weil ich bin weder durch einen Psychologen noch durch facebook zu ersetzen. Ich bin eine Person, brauche keine technischen oder elektronischen Mittel. Wer meine Funktion in Anspruch nehmen will, findet in mir einen offenen, treuen, zugänglichen und nicht aufdringlichen Helfer. Ich habe auch mit den anderen, die das nicht wollen einen guten Kontakt, einfach weil mich der Sport interessiert.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Schwabl

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