Nadia Comaneci wünscht sich die 10,0 zurück

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Nadia Comaneci ist eine der größten ihres Sports. Als Turnerin ist die gebürtige Rumänin zur Legende geworden.

Das turbulente Leben der fünfmaligen Olympiasiegerin, die 1989 bei Nacht und Nebel aus ihrem Heimatland fliehen musste, wurde verfilmt.

Als die heute 50-Jährige zum Gesprächstermin in London erscheint, sieht sie selbst aus wie ein Filmsternchen. Volle Lippen, enge Jeans und Killer-Heels.

Gefragt nach ihren Erinnerungen an die Spiele 1976 in Montreal, braucht die zierliche Comaneci ihre 14-cm-Absätze nicht, um ein kleines Stückchen zu wachsen.

Im Juli vor 36 Jahren

„Der Juli 1976 ist unvergessen, ich denke nach wie vor jeden Tag daran“, hat die Mutter eines sechsjährigen Sohnes – Vater ist der ehemalige Turn-Olympiasieger Bart Conner – auch heute jedes noch so kleine Detail vor Augen.

„Dabei ist das schon wieder 36 Jahre her! Aber die Leute denken immer noch daran, das macht mich sehr stolz.“

Aufgegangen ist der Stern der Nadia Comaneci bereits 1975, als sie bei der Europameisterschaft vier Mal Gold gewann.

Ein Jahr später schrieb sie im Alter von 14 Jahren Turn-Geschichte. Als erste Turnerin schaffte sie das Unmögliche: eine 10,0 am Stufenbarren.

Keine zweistelligen Noten

Auf der Anzeigetafel wurde unter ihrer Startnummer 73 aber nur eine 1,00 angezeigt.

„Longines war auf die 10,0 nicht vorbereitet, konnte zweistellige Noten nicht darstellen“, erinnert sich Comaneci.

Dabei hatte der Hersteller den internationalen Turnverband bereits im Vorfeld der Olympischen Spiele Modelle mit zwei Stellen vor dem Komma angeboten.

Das wurde jedoch abgelehnt mit der Begründung, dass es sowieso keinem Menschen je gelingen würde, eine Zehn zu turnen.

"Wünsche mir die Zehn zurück"

Anfang 2007 wurde die Höchstnote 10 abgeschafft, die Endnote setzt sich nun an allen Geräten außer Sprung aus einer A- und B-Note zusammen.

Sehr zum Ärger von „Miss Perfect 10“ Comaneci: „Für mich gehört die Zehn dazu, ich wünsche sie mir zurück!“ Das neue Wertungssystem sei verwirrend und für den Zuschauer nur schwer nachvollziehbar.

„Wir haben durch die Abschaffung der 10,0 leider viele Fans verloren“, hofft Comaneci auf ein Umdenken.

Fitness-Studio statt Stufenbarren

Dem Turnen ist sie nach wie vor verbunden. Gemeinsam mit ihrem Ehemann leitet sie in ihrer Wahlheimat Oklahoma eine Turn-Akademie.

Neben zahlreichen Charity-Verpflichtungen ist sie nach wie vor bei vielen Wettkämpfen vor Ort. Auch hier in London wird sie ihren Nachfolgerinnen auf die Turnpatschen schauen.

Aktiv geht sie nicht mehr an die Geräte, wie sie LAOLA1 verrät: „Dieses Kapitel ist abgeschlossen. Ich trainiere im Studio und mache Ausdauertraining.“

Die üblichen Verdächtigen

Wer bei den Turn-Entscheidungen den längsten Atem hat, darauf möchte sich Comaneci nicht festlegen.

„Team USA habe ich bei den Nationals gesehen, die sind sehr gut drauf. Aber man muss auch Russland und Rumänien auf der Rechnung haben – und natürlich China, aber von den Chinesinnen habe ich nicht viel gehört.“

Neben dem Turnen stehen noch Schwimmen und Leichtathletik im ganz persönlichen Olympia-Programm.

„Vor allem bin ich aber hier, um die Leute hinter den Olympischen Spielen zu unterstützen, die Volunteers. Denn sie sind es, die diesen zwei Wochen ein Gesicht geben.“

 

Stephan Schwabl

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