Eine Frage der Prioritäten

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Wenn Raudaschl im Finn sitzt, hat der Job Nachrang

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Auch wenn er nicht so weit von einer Olympia-Qualifikation entfernt gewesen ist, so war der Segelsport im Leben des Florian Raudaschl doch lange Zeit nicht mehr als ein Hobby.

Die Segelmacherei beanspruchte den Athleten des Salzburger Klubs UYC Wolfgangsee, erst die Teilung der Geschäftsführung schaffte Zeit fürs Training im Finn.

"Ich bin heuer sehr viel gesegelt, es ist extrem viel weitergegangen. Nun ist die Ausgangslage eine andere", sagte der 34-Jährige vor seinem Olympia-Debüt am Sonntag vor Weymouth.

Mentales Training nach WM-Enttäuschung

Raudaschl, Sohn von Segel-Legende Hubert Raudaschl, dessen zehn Olympia-Teilnahmen heuer vom kanadischen Springreiter Ian Millar eingestellt werden, trainiert mit dem langjährigen OeSV-Coach Peter Krimbacher und profitierte von dessen Erfahrung.

"Er hat mir viel geholfen, wir haben hart gearbeitet", meinte Raudaschl, der als Teenager als Surfer begonnen hatte, ehe Flaute ihn ins Boot trieb. Eine Hilfe war in den vergangenen Monaten auch der eigene Schwager, der ihn mental betreut und motiviert hat.

Speziell nach der verpatzten WM im Dezember in Fremantle (Australien), als er mit Rang 48 deutlich an einem Quotenplatz für Olympia vorbeigesegelt worden war.

"Ich war so enttäuscht, es hat mich nicht mehr gefreut. Bei mir schleichen sich leicht Zweifel ein, die mentale Stabilität hat gefehlt. Dann sind wir drauf gekommen, was los ist. Das war echt interessant. Ich habe gemerkt, was bei mir zu holen ist."

Weltmeister im Sich-selbst-schlagen

Vor Falmouth kam er im Mai bei der WM auf den 23. Rang, damit eroberte er noch ein Ticket für Olympia.

Der Einzug in das Medal Race der besten zehn ist nicht unmöglich, allerdings wird es ein hartes Stück Arbeit. "Wichtig wird mein Risikomanagement und dass ich keinen Blödsinn mache und mich nicht selbst schlage, denn darin bin ich zeitweise Weltmeister."

Auch wenn er mehr gesegelt ist als vorher, so kommt er doch nicht an die Wasser-Zeiten der Teamkollegen heran. "Ich kenne deren Trainingspläne, ich segle die Hälfte davon und bekomme ein schlechtes Gewissen. Aber damit muss ich leben."

Nur im Finn hat der Job Nachrang

Die Doppelbelastung mit Beruf und Sport ist anstrengend. "Wenn ich heim komme, dann geht es gleich voll weiter. Die anderen spannen aus. Bei mir ist Alarm, ich muss drei Tage Vollgas nur arbeiten, drum sind auch meine Leistungen so schwankend.

Eines allein ist schon anstrengend, beides noch mehr. Andererseits habe ich, wenn ich heimkomme, immer gleich was zu tun und nicht viel Zeit, um über Ergebnisse nachzudenken", erzählte Raudaschl. Nur wenn Raudaschl im Finn sitzt, hat der Job Nachrang.

Dass es sich vor Weymouth and Portland nicht um eine Weltcupregatta, sondern Olympia handelt, versucht Raudaschl auszublenden. "Sicher, es hängen ein paar Fähnchen rum und sind mehr Medien da. Aber der Tagesablauf ist der gleiche.

Und ich segle ohne Druck, ich habe die Qualifikation erst ganz am Schluss geschafft. Die Favoriten hingegen drehen schon langsam durch, ich kann mehr Vergnügen daraus schöpfen." Dass er ein zweites Standbein habe, sei auch nicht ganz unwichtig.

Total verrücktes Leichtgewicht

Mit seinen 98 Kilogramm bei 1,88 m Körpergröße ist Raudaschl ein Leichtgewicht unter den Kraftbröckerln in der Finn-Klasse. "Es sind sehr stämmige, durchtrainierte Typen bei uns im Feld, da sind ziemliche Lackeln dabei."

Garantie für den Erfolg ist das keine, fällt doch Ben Ainslie (1,85 m/92 kg) eher in die Raudaschl-Kategorie. Der Brite hat aber drei Olympia-Goldmedaillen auf dem Konto, zwei davon im Finn, die Erwartungen an ihn im Heimrevier sind riesig.

"Ben hat bei der WM wieder alle demontiert. Er ist total verrückt, aber genial. Es ist eine Ehre und cool, gegen ihn zu fahren. Er ist freundlich zu jedem, aber redet mit keinem", sagte Raudaschl über den Kontrahenten.

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