Planer entspannter als 2008 um zweite Medaille

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Er weiß, wie es sich anfühlt, eine Olympia-Medaille um den Hals baumeln zu haben. 2004 in Athen gewann Christian Planer Bronze.
 
Der Schütze weiß aber auch, wie es sich anfühlt, an der hohen Erwartungshaltung zu zerbrechen - passiert vier Jahre später in Peking.
 
Vor seinen dritten Olympischen Spielen ist der 37-jährige Tiroler vor allem reich an Erfahrung. Und er ist in Form.
 
Konzentration auf Kleinkaliber
 
Planer hat sich zuletzt ausschließlich auf seine Paradedisziplin Kleinkaliber liegend konzentriert. Sein einziger Antritt in London steht am Freitag (10.00 Uhr MESZ) auf dem Programm.
 
Ziel ist zumindest das Finale. Planer rechnet sich im Gegensatz zu seinem Landsmann Thomas Farnik, dessen Stärke mit dem KK-Dreistellungsmatch erst am Montag folgt, aber auch Medaillenchancen aus.
 
"Liegend gibt es viele Schützen, die eine Medaille holen können", meinte Planer. 20 bis 25 fallen ihm ein, er zählt sich natürlich dazu. Weil er das im Luftgewehr und im Dreistellungsmatch nicht tut, hat er seine Olympia-Starts dort kurzfristig gestrichen.
 
"Ich wollte meine stärkste Disziplin in der Vorbereitung nicht vernachlässigen", betonte Planer. "Liegend ist das Körpergefühl einfach am besten." Dabei hatte der Tiroler diesen Anschlag früher gehasst.
 
Schlüsselmoment vor Athen
 
Kurz vor den Spielen in Athen gab es aber einen Schlüsselmoment, als ihm ein Schweizer Kollege in fünf Minuten zeigte, worauf es ankommt. Plötzlich funktionierte das System, Planer holte Bronze im Dreistellungsmatch - die bisher letzte Olympia-Medaille für Österreichs Schützen.
 
Diese Leistung vermochte er 2008 nicht zu bestätigen. "Peking war eine Katastrophe", erinnerte der zweifache Familienvater. "Ich habe mir selbst Druck gemacht und habe die Spiele nicht genießen können."
 
Vier Jahre später schlendert er gelassen über die Anlage der Royal Artillery Barracks. "Ich habe viel dazugelernt. In Peking habe ich Angst gehabt, jetzt freue ich mich auf den Wettkampf", erklärte Planer.
 
60 Schuss entscheiden über den Finaleinzug, dort weitere zehn über die Medaillen. Der Wind dürfte eine Rolle spielen. "Das ist auch eine Erfahrungssache", meinte Planer. Davon sollte er mittlerweile genug haben.
 
Training in Meran
 
   Mit dem Stand kommt der Medaillenkandidat gut zurecht, zuletzt hat er wochenweise in Meran noch einmal an der Technik gefeilt.
 
"Er weiß selbst am besten, was für ihn gut ist", versicherte sein Trainer Hubert Bichler. Die Form stimmt. "Er ist sehr gut drauf - körperlich und mental", erklärte Österreichs Sportkoordinatorin Margit Melmer.
 
"So gut habe ich ihn in den letzten vier Jahren überhaupt nie gesehen." Dabei holte Planer 2009 EM-Gold.
 
Als Topfavorit gilt der Weißrusse Sergej Martinow, Farnik dagegen als krasser Außenseiter. Zum Auftakt mit dem Luftgewehr hatte der 45-Jährige Rang 28 belegt.
 
"Liegend rechne ich mir noch weniger aus", sagte der Wiener, der seine sechsten Spiele bestreitet. Auch im Training konzentriert er sich auf das Dreistellungsmatch, das für Planers Stiefschwester Stephanie Obermoser bereits am Samstag (10.00 Uhr MESZ) auf dem Programm steht.
 
Obermosers erste Spiele
 
Obermoser ist mit Platz 19 im Luftgewehr in ihre ersten Spiele gestartet. "Es war wichtig, zu sehen, dass ich mithalten kann", betonte die 23-Jährige.
 
In der "Königsdisziplin", in der liegend, stehend und kniend geschossen wird, ist der Tirolerin noch ein wenig mehr zuzutrauen. "Sie mag den Stand", erinnerte Melmer.
 
Beim Testwettkampf im April holte Obermoser mit Platz zwei im Dreistellungsmatch ihre bisher beste Weltcup-Platzierung.
 
"Das Finale wäre schon ein Ziel"
 
"Das Finale wäre schon ein Ziel", meinte Obermoser. Bei den 3 x 20 Schuss muss aber alles passen. Tipps von ihrem Stiefbruder, über den sie einst zum Schießen gekommen ist, gibt es immer wieder.
 
"Leider können wir nicht mehr so oft miteinander trainieren, weil ich kein Profi mehr bin", erklärte Planer. Der gelernte Büchsenmacher arbeitet als Teilzeitangestellter bei einem Sportwaffen-Hersteller.

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