Ein Neustart auf der Donauinsel

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Wildwasser: Verderben zu viele Köche den Brei?

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Den ersten Medaillen-Matchball haben Österreichs Kanutinnen vergeben, den zweiten sollten sie verwerten! Da die zweimalige Weltmeisterin Corinna Kuhnle im Wildwasser patzte, gilt nun das Flachwasser-Duo Viktoria Schwarz und Yvonne Schuring als heißestes Eisen im Kampf der Österreicher um die erste Medaille bei den Spielen in London.

Kuhnle fuhr im Olympia-Finale des Wildwasser-Slaloms an einem Tor vorbei, musste zurück paddeln und wurde schließlich Achte.

Auf ein Neues in Rio 2016

"Das ist, wie wenn man beim Skirennen im Slalom zurück steigen muss, um dann doch noch das Tor zu passieren." Die Niederösterreicherin trug ihr Missgeschick mit Fassung, war natürlich enttäuscht und hofft nach ihrem Olympia-Debüt nun 2016 in Rio die von ihr erwartete Medaille zu holen.

Auch anhand des Auftritts von Corinna Kuhnle („Das war nicht der schlechteste Tag in meinem Leben“) lassen sich einige Fehler im System des heimischen Sports festmachen. Diese Misstände und Fehler im System zu suchen ist seit Tagen zur neuen olympischen Lieblings-Disziplin der heimischen Hobby-Funktionäre geworden.

LAOLA1 begibt sich auf die Suche nach Schwierigkeiten, die den Athleten im Kanusport das Leben erschweren.

Tradition im Wildwasser

Der Kanu-Slalom besitzt hierzulande Tradition.

1972 gewann der Kärntner Norbert Sattler bei den Spielen in München Silber, in Peking 2008 holte Violetta Oblinger-Peters die Bronzemedaille. Ihr Ehemann Helmut Oblinger bestritt in London seine bereits fünften Olympischen Spiele, belegte nach dem 28. Rang (Atlanta), dem vierten Platz in Sydney, dem Semifinal-Aus in Athen und dem siebten Platz in Peking, nun in London den achten Endrang.

Probleme mit der Infrastruktur

So weit so gut. Blickt man auf die heimische Infrastruktur, beginnt es zu kranken.

Österreich ist die einzige Nation in der Weltspitze, die über keinen künstlichen Wildwasserkanal verfügt. "Die Deutschen haben zwei Strecken, die Franzosen beinahe alle 20 Kilometer die Möglichkeit in einem künstlichen Kanal zu trainieren", erklärt der fürs Wildwasser zuständige Koordinator Helmut Schröter.

Der erfahrene Betreuer aus Ostdeutschland, der in seiner langen Trainertätigkeit bereits seine Landsleuten und das Kanu-Team der Schweizer trainiert hat, setzt seine Hoffnungen auf ein Bauprojekt auf der Wiener Donauinsel.

Baubeginn für Kanal auf der Donauinsel

Wenn es wahr ist, soll bereits diese Woche beim Ruderzentrum auf der Neuen Donau der Grundstein für den ersten Wildwasserkanal in Österreich gelegt werden.

"Ein Meilenstein für unseren Sport", freut sich Schröter. "Bisher trainierten wir in Klagenfurt, wo Sportdirektor Prof. Steindl eine wunderbare Strecke auf dem Fluss gebaut hat, aber das ist halt am Fluss. Wenn es kalt ist, kann man nicht viel machen. Wenn es vom Kraftwerk kein Wasser gibt, dann ist kein Wasser da", beschreibt der Deutsche die unbefriedigende Situation.

Ehe er weitere Schwachstellen im heimischen System anspricht, bittet er LAOLA1 das Aufnahmegerät auszuschalten. Kein gutes Zeichen für eine funktionierende Arbeit im Verband. "Ich will ja nicht schimpfen, aber..."

Mehrere Trainingsgruppe

Im Laufe des Gesprächs zeigen sich schnell mögliche Ursachen, die einer gezielten Förderung der Talente im Weg stehen. Die Bündelung der Spitzenkräfte ist ein Wunschdenken. Österreich leistet sich den Luxus mehrerer "Nationalteams".

Auf der einen Seite die Oblingers, auf der anderen Seite eine Gruppe rund um Corinna Kuhnle, sowie noch die eine oder andere Trainingsgruppe, die ihren eigenen Weg gehen will. Schröter muss damit leben, da "die Oblingers durch mich durchschauen und jeglichen Kontakt mit mir meiden".

Bundestrainer kennt Budget nicht

Wie viel Geld aus dem Kanu-Budget an die Oblingers geht, oder wer zu diversen Weltcup-Veranstaltungen geschickt wird, liegt nur zum Teil in der Hand des Bundestrainers.

"Weil es so teuer war, waren wir zuletzt nur mit drei Booten in den USA: Die Ausbeute war beachtlich. Wir hatten eine 17-Jährige am Start, die ist Sechste geworden, dann hatten wir eine 18-Jährige dabei, die ist hinter der aktuellen Olympia-Silbermedaillengewinnerin Fox aus Australien Dritte geworden", sagt Schröter. Wobei die Tullnerin Viktoria Wohlffahrt, die auch bereits bei den Jugendspielen in Singapur Bronze holte, von ihrem Vater trainiert wird.

Schröter: "Aus meiner Erfahrung ist das nicht die günstigste Konstellation, aber sie möchte das so haben und das ist okay."

Bei den Herren klafft eine Lücke

Während bei den Damen der Nachwuchs gedeiht und sich "Zugpferd" Corinna Kuhnle über Trainingspartnerinnen freut, klafft bei den Herren hinter dem 39-jährigen Oblinger eine Lücke.

Schröter dazu: "Es gibt einen 19-Jähriger, bei dem es bisher aber so gut wie keine Chance gab, ihn einzusetzen, da er immer geblockt wurde. Es wurde ja immer darauf geschaut, dass Pfründe gesichert werden. Ich habe diesbezüglich ja einiges gehört, was möglich ist. Man muss in Österreich scheinbar darauf achten, dass niemand zu nahe an die Oblinger herankommt."

Na bumm, das sitzt, und klingt gleichzeitig wie ein Hilfeschrei, um auch im Herren-Team einen Generationswechsel einzuleiten.

Wäre es nach Schröter gegangen, hätte der 19-Jährige daher bereits bei Olympia in Lee Valley seine ersten Spiele absolviert und Erfahrung für Rio 2016 gesammelt. Das allerdings ließ das "System" nicht zu...

 

Peter Rietzler

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