Als "Rassistin" beschimpft

Aufmacherbild
 

Csar: "Habe mich regelkonform verhalten"

Aufmacherbild
 

Die österreichische Fecht-Kampfrichterin Barbara Csar hat am Dienstag bekräftigt, dass sie sich im umstrittenen Olympia-Degenhalbfinale regelkonform verhalten hat.
 
Dies hätten ihr auch die Kommission und das Technische Direktorium bestätigt, teilte Csar der APA schriftlich mit.
 
"Ich habe mich regelkonform verhalten. Dies wurde auch in Folge von der mir übergeordneten Kommission und dem Technischen Direktorium so bestätigt", erklärte die Salzburgerin und verwies auf die Zeitnehmung als Auslöser der Diskussionen.
 
Siegtreffer im vierten Versuch
 
In der letzten Sekunde der einminütigen Verlängerung des Halbfinal-Gefechtes zwischen der Deutschen Britta Heidemann und Südkoreas Shin A-Lam war beim Stand von 5:5 dreimal angefochten worden, ohne dass das akustische Signal für das Ende des Kampfes ertönte oder ein Treffer gelandet wurde.
 
Erst im vierten Versuch gelang Heidemann der Siegtreffer. Der Ausgang wurde von der südkoreanischen Delegation erfolglos beeinsprucht.
 
"Meine Konzentration gilt dem Gefecht"
 
Csar betonte, dass der Kampfrichter keinen Einfluss auf die Zeitnehmung habe. Ihr Augenmerk gelte ausschließlich dem Geschehen auf der Planche.
 
"Auf die Zeitnehmung und die in diesem Fall damit verbundene Problematik hatte und habe ich keinen Einfluss. Meine Konzentration gilt dem Gefecht und den damit verbundenen Vorgängen, die ich zu leiten habe, nicht dem ablaufenden Sekundenzeiger", führte Csar dazu aus.
 
Kampfrichterkollege gibt Csar recht
 
Sie verweis weiters darauf, dass im Fechten die kleinste gemessene Einheit eben eine Sekunde sei.
 
Eine auf Zehntel oder Hundertstel genaue Zeitnehmung, die in solchen Fällen wohl nützlich wäre, ist nicht vorgesehen. Laut ihrem deutschen Kampfrichterkollegen Bodo Vogel treffe Csar "null Schuld".
 
Der Internationale Fecht-Verband (FIE) kündigte für Dienstag eine Stellungnahme zu der Causa an.
 
Erstes Edelmetall für Deutschland
 
Shin blieb nach Kampfende eine halbe Stunde auf der Planche sitzen, ehe das Wettkampfgericht den Einspruch ablehnte. Heidemann wurde somit als Siegerin bestätigt und stieg ins Finale auf, das sie später verlor.
 
Ihre Silbermedaille war das allererste Edelmetall für Deutschland in London. Shin A-Lam ging dann auch noch im Bronze-Gefecht leer aus.
 
 Der Frust der Südkoreaner über die Entscheidung war groß. "Ich habe alles getan, was ich konnte. Sie haben gesagt, euer Fechter hat den Kampf fortzusetzen, deshalb musste ich die Entscheidung akzeptieren", sagte Shin A-Lams Trainer Shim Jaesung.
 
Im deutschen Lager war man natürlich um Beruhigung bemüht. "Ich stimme mit der Entscheidung meines koreanischen Kollegen, eine Schiedsrichterentscheidung anzufechten, komplett überein. Wir sind deshalb nicht böse", sagte der deutsche Cheftrainer Manfred Kaspar, der die Situation als "knifflig" bezeichnete.
 
Sehr wohl böse waren einige Südkoreaner und artikulierten ihren Unmut im Internet. "Du bist eine Rassistin", schimpfte ein Fan aus Südkorea via Twitter. Andere User veröffentlichten im Netz die E-Mail-Adresse und die Handynummer von Csar.
 
Tatsachenentscheidung kann nicht verändert werden
 
Barbara Csars Tatsachenentscheidung könne weder von der Technischen Direktion noch von den beteiligten Delegationen verändert werden, hieß es am Dienstag in einer Erklärung. Südkorea hatte bei seinem Protest geltend gemacht, dass die Zeit in der einminütigen Verlängerung abgelaufen gewesen sei.
 
Es stand 5:5 mit sogenannter Priorität für Shin. Hätte die spätere Silbermedaillengewinnerin Heidemann den Treffer nicht mehr erzielt, wäre Shin in das Finale gegen die neue ukrainische Olympiasiegerin Jana Schemjakina eingezogen.
 
Südkoreas Delegation erklärte, es sei unmöglich, dass es innerhalb einer Sekunde vier Aktionen geben könne. "Wer kann das glauben? Südkoreas Team kann diese Entscheidung nicht akzeptieren", lautete es wörtlich beim Einspruch der Asiaten.
 
Proteste und Tränen
 
Shin hatte sich in einen "Sitzstreik" begeben und wollte partout nicht von der Planche. Logisch. Denn hätte sie es getan, wäre das laut Fecht-Regularien das Einverständnis der Südkoreanerin für ihre Niederlage gewesen.
 
So aber liefen zunächst Proteste und Tränen - und Shin entschuldigte sich später beim Publikum: "Es tut mir leid. Sie haben viel bezahlt und mussten mehr als eine Stunde warten."
 
Die Halbfinalsiegerin Britta Heidemann sprach von einem "absoluten Drama" und zeigte Verständnis für den Einspruch der Asiaten. "Die Koreaner haben verständlicherweise Protest eingelegt. Das hätten wir auch gemacht, wenn ich den Treffer nicht bekommen hätte", realisierte die Deutsche die Dramatik der Situation.
 
Und: "Ich hab' die Offiziellen und Trainer machen lassen. Einfluss auf die Entscheidung hatte ich ohnehin nicht."
 
Heidemann fordert schellere Entscheidungen
 
   Dafür war sie hinterher erbost: "Es ist unschön für alle, wenn solche Diskussionen in einem solchen Moment auftauchen. Da muss man auf jeden Fall schnellere Entscheidungen treffen."
 
Zwischen Deutschen und Südkoreanern endete alles friedlich: Shins Trainer ging auf Heidemann und ihren Mentor Manfred Kaspar zu, es gab Umarmungen, Shakehands.
 
Heidemann: "Da ist absolutes Verständnis, dass wir die Schuld nicht beim Anderen suchen. Das Ganze ist ein Fehler des technischen Equipments."
 
Europa-Fechtpräsident Frantisek Janda war sichtlich erschüttert: "So etwas habe ich noch nie erlebt. Und so etwas ist nicht gut für unseren Sport."

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen