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"Viele coole Sachen passieren jetzt"

350.000 Pfund (407.000,41 Euro) - das war im Jahr 2011 der Preis für eines der typisch englischen Reihenhäuschen im Londoner Stadtteil Homerton, zwei S-Bahn-Stationen vom Olympia-Park entfernt.

Damals war es noch ein Jahr hin bis zum Beginn der Olympischen Spiele am 27. Juli vergangenen Jahres. Heute ist das Großereignis ein Jahr vorbei. Ein solches Einfamilienhaus aus viktorianischer Zeit in Homerton kostet inzwischen 650.000 Pfund (755.857,90 Euro).

Vermächtnis der Spiele lebt

Wie viel diese Entwicklung mit Olympia zu tun hat und vor allem, ob sie positiv oder negativ ist - das hängt vor allem vom Blickwinkel des Betrachters ab.

Die Macher von London 2012 um Organisationschef Sebastian Coe jedenfalls sind stolz: Das Vermächtnis der Spiele lebt, die "Legacy" (Hinterlassenschaft) für die Gastgeberstadt ist eine positive.

Fast zehn Milliarden Pfund (11,63 Mrd. Euro), rechnete die Regierung kürzlich vor, sollen die Spiele zusätzlich in nur einem Jahr in die britische Wirtschaft gespült haben - eine Zahl, die viele Wirtschaftsexperten auf der Insel nicht für seriös halten.

Olympia-Park neu eröffnet

Stratford 2013 - ein herausgeputzter Stadtteil mit einem riesigen Einkaufszentrum, modernen Wohnanlagen und Hotels.

Der "Queen Elizabeth Olympic Park" wie das Gelände nun heißt, mit der markanten Wassersportarena und dem riesigen Stadion mittendrin. Nach dem Ende der Spiele wurde der Park für die Öffentlichkeit gesperrt und umgebaut.

Ab kommendem Samstag (27. Juli), am Jahrestag der Eröffnungsfeier von London 2012, wird er wieder schrittweise geöffnet.

"Viele coole Sachen passieren"

"Viele coole Sachen passieren jetzt hier - nicht mehr im Hyde Park oder sonst wo in London", erzählt der Student James, der auf einer Stiege vor dem Bahnhof Stratford sitzt.

Ende Juni zum Beispiel haben erste Konzerte im Park stattgefunden, Bruce Springsteen trat vor Zehntausenden auf.

Die Spiele hätten London Wettkampfstätten gebracht, die es nie zuvor hatte, erklärt Coe, inzwischen Präsident des britischen Olympischen Komitees.

Queen Elizabeth Olympic Park im Umbau

Im ehemaligen Olympia-Stadion findet Ende Juli das Leichtathletik-Event London Sainsbury's Anniversary Games statt, mit britischen Sportlern, die Olympia zu nationalen Sportlegenden machte - Langstreckler Mo Farah etwa oder Siebenkämpferin Jessica Ennis.

Die Schwimmhalle in Wellenoptik von Star-Architektin Zaha Hadid wird im kommenden Jahr als öffentliches Schwimmbad genutzt werden können. Die nachhaltige Weiternutzung der Sportstätten war eines der großen Ziele der Olympia-Macher.

"Wir sind auf Kurs mit bereits zugesagten Events und Konzerten sowie gesicherten Betreibern und Mietern für die Wettkampfstätten", sagt Dennis Hone, Chef der London Legacy Development Corporation (LLDC).

"Vorher war hier eine Müllhalde"

"Bevor alles anfing mit den Spielen", erinnert sich der Student James und zeigt auf den Park und Stratford, "war hier eine Müllhalde. Es war trist, alt. Dank der Spiele ist die Gegend komplett erneuert worden."

"Die Olympischen Spiele waren auch ein wirtschaftlicher Glücksfall", zog Coe Bilanz.

"In einer Zeit, in der viele Leute arbeitslos waren, haben wir mit den Spielen eine Bau-Nachfrage von sieben Milliarden Pfund geschaffen."

Zudem hätten die Spiele mehr Briten dazu animiert, sportlich aktiv zu werden. Seit 2005, als London den Zuschlag erhielt für die Spiele, würden 1,5 Millionen mehr Menschen Sport treiben, sagt Coe. Aber, seit Ende der Spiele ging die Zahl schon wieder um 200 000 zurück.

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