Deutsche Wertarbeit mit Moped-Arm

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Es gibt Goldmedaillen, die sind schon vor dem ersten Wurf, Schuss oder Start vergeben.

An die US-Basketballer. Tischtennis-Gold räumten die Chinesen ab. Und im Velodrom gab Großbritannien den Ton an – und das nicht nur wegen seiner lautstarken Fans. Nur in der Leichtathletik stolperte der eine oder andere Favorit.

Jüngstes Beispiel: die russische Stabhochspringerin Yelena Isinbayeva, die sich nach schwacher Performance mit Bronze begnügen musste.

Im Diskus-Finale ist Robert Harting der große Favorit. Robert wer?

Der Deutsche ist der beste Diskuswerfer der Welt. 28 Mal in Folge blieb der Welt- und Europameister unbesiegt. Olympia-Gold fehlt noch in seiner beeindruckend Sammlung, aber dieser Makel soll am Dienstag vor 80.000 Zuschauern getilgt werden.

Eine Pranke mit sieben PS

Es wäre das dritte Edelmetall binnen 365 Tagen. Bei unseren Nachbarn war Harting neben dem Ruder-Achter und den Reitern vor den Spielen die sicherste Gold-Bank, meist wurde er an erster Stelle genannt.

In der Qualifikation machte es der 27-Jährige kurz und schmerzlos. Gleich sein erster Wurf ging auf 66,22 Meter, gefordert waren „nur“ 65 Meter.

Danach packte er seine Sachen und fuhr zurück ins Olympische Dorf. Im Finale wird er die 70-Meter-Marke knacken. Dafür sorgt sein rechter Arm, der, wie Wissenschaftler erforscht haben, sieben PS leistet. Zum Vergleich: ein Moped fährt auf deren fünf ab.

Auf und davon

„Robert wirft einfach ein paar Meter weiter als der Rest“, glaubt Österreichs Diskus-Riese Gerhard Mayer im Gespräch mit LAOLA1 nicht, dass jemand dem Deutschen das Wasser reichen kann.

„Er hat sich in diesem Jahr einen Riesenabstand erarbeitet, ist immer mindestens einen Meter vor der Konkurrenz – aber das fix!“

Baldiges Karriereende?

Der Druck ist riesig auf den breiten Schultern des Mannes, den sie „Shaggy“ rufen. Aber wer Harting kennt, der weiß, dass er genau diesen Druck braucht, um Top-Leistungen abzurufen.

„Das pusht ihn so richtig, er steigert sich voll rein“, plaudert Konkurrent Mayer aus dem Nähkästchen. Ein bisschen ist es aber doch anders, sagt Harting, Olympische Spiele sind eben doch keine Welt- oder Europameisterschaft.

„Der Druck, den ich mir selbst mache, der ist nicht neu, aber der Druck von außen. Ein komisches Gefühl.“ Aber gäbe es diese Herausforderungen nicht, Harting wäre wohl schon längst nicht mehr da. Vielleicht hört er nach dem Olympia-Sieg auch auf. Einfach so.

Von der "Bild" ins Bild gesetzt

Immer ging es nur um eines: besser sein als der Rest. Das wollen am Dienstag auch der Este Gerd Kanter, der Pole Piotr Malachowski und der Litauer Virgilius Alekna. 

Die Herren, allesamt hochdekoriert in ihrem Sport, interessieren Harting nicht. Er spielt eine Rolle, seine Rolle. „In Deutschland ist er ein Superstar, das lebt er und mit diesem Status spielt er sich auch.“

In der „Bild“-Zeitung hat Harting einen Verbündeten gefunden. Da gibt es dann schon einmal das Liebes-Aus exklusiv oder Sex-Angebote von männlichen facebook-Freunden.

All das sind Dinge, die Gerhard Mayer nicht interessieren. Aber sobald Robert Harting in den Ring steigt, schaut der Niederösterreicher ganz genau hin. „Ich kann mir viel von ihm abschauen.“ Am Dienstag wird er, für den schon in der Qualifikation Schluss war, im Stadion sitzen.

Stephan Schwabl

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