Doping-Skandal wirft Fragen auf

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Weißrussische Athletin sorgt für Doping-Skandal

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Nicht einmal zwölf Stunden nach dem Ende haben die Sommerspiele in London doch noch einen Doping-Skandal.

Kugelstoß-Olympiasiegerin Nadzeya Ostapchuk muss ihre Goldmedaille zurückgeben.

Die Weißrussin wurde nach Angaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vom Montag disqualifiziert, die zweitplatzierte Neuseeländerin Valerie Adams zur Gewinnerin erklärt.

Ostapchuk ist die erste Sportlerin der Londoner Spiele, die Edelmetall zurückgeben muss - aus Sicht des deutschen Doping-Experten Werner Franke keine Überraschung. Sie selbst will ihre Medaille sogar behalten.

Anabole Steroide gefunden

Die 31-Jährige hat nach IOC-Angaben am 5. August - einen Tag vor ihrem Wettkampf - und am 6. August kurz nach ihrem Triumph eine Urinprobe abgegeben.

Darin sei das anabole Steroid Methenolon gefunden worden. Das verbotene Mittel war früher vor allem in Bodybuilderkreisen verbreitet und kann bei Frauen Nebenwirkungen wie Akne, Bartwuchs und Stimmvertiefung haben.

Die IOC-Disziplinarkommission entschied, dass Ostapchuk aus den Ergebnislisten gestrichen wird.

Das Nationale Olympische Komitee Weißrusslands wurde aufgefordert, Medaille, Urkunde und Gold-Anstecker der Sportlerin schnellstmöglich an das IOC zurückzugeben.

"Brauche Beruhigungsmittel"

Allerdings will Ostaptschuk ihre Goldmedaille nicht so einfach hergeben. "Natürlich werden wir kämpfen. Die Frage ist nur, wofür und gegen wen", sagte die Athletin dem Sender Radio Free Europe/Radio Liberty.

"Man hat mich vor Fakten gestellt, ohne mir Einzelheiten mitzuteilen. Diese Nachricht hat uns natürlich schockiert, ich benötige derzeit Beruhigungsmittel."

Diktator verlieh Orden

Von offizieller Seite gab es in der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik zunächst keine Reaktion. Das Sportministerium habe noch keine Beweise erhalten, sagte ein Behördensprecher in Minsk der unabhängigen Agentur Belapan zufolge.

Eine für den Nachmittag geplante Pressekonferenz Ostapchuks in Minsk wurde aber ohne Angabe von Gründen kurzfristig abgesagt.

Der als letzter Diktator Europas kritisierte Präsident Alexander Lukashenko hatte Ostapchuk nach ihrem Erfolg für "große Professionalität, herausragende sportliche Leistung und den Sieg" einen Orden verliehen.

"Doofheit" überrascht

Auszeichnungen hat sie sich aus Sicht des Doping-Experten Werner Franke aber eher für Dummheit verdient:

"Die Überraschung ist nur groß, dass jemand so doof sein kann, sich damit noch beim Wettkampf erwischen zu lassen", sagte der Molekularbiologe der dpa.

"Ihre ganze Wettkampfplanung im Jahr diente ja wohl nur dazu, zu vermeiden, dass sie kompetent getestet werden kann. Das hat ihr der Kenner schon seit Jahren an der Nase angesehen."

Abwesenheit macht verdächtig

Die 31-Jährige war in Peking 2008 Olympia-Dritte, 2005 Weltmeisterin in Helsinki, 2011 in Daegu Vize-Weltmeisterin sowie 2010 Europameisterin.

Die weißrussischen Werfer waren auch in Expertenkreisen in die Kritik geraten, weil sie sich häufiger nur zum Saisonhöhepunkt zeigen. So hatte Ostapchuk im Juni bei der EM im Helsinki gefehlt.

Erst kurz vor den Olympischen Spielen hatte Weißrussland Hammerwerfer Ivan Tikhon auf Druck des Internationalen Leichtathletik-Verbandes aus dem Aufgebot gestrichen.

Der 36-Jährige war wegen eines positiven Nachtests der Doping-Proben von den Spielen 2004 in Athen unter Verdacht geraten.

Während sich die dreifache Weltmeisterin Valerie Adams am Tag nach der Schlussfeier doch noch über ihren zweiten Olympiasieg nach 2008 freuen konnte, geht Silber nun an die Russin Jewgenia Kolodko, Bronze an die Chinesin Lijiao Gong.

60 Prozent der Athleten gedopt?

Das IOC führte in London nach eigenen Angaben die Rekordzahl von etwa 5.000 Dopingtests durch - 3.800 Urin- und 1.200 Bluttests.

Ostapchuk ist die neunte Sportlerin, die erwischt wurde. Victor Conte, Gründer des einstigen BALCO-Labors und zentrale Figur des größten Doping-Skandals in den USA, hatte vermutet, dass die Dunkelziffer viel, viel höher ist - 60 Prozent der Athleten könnten gedopt sein.

"Er weiß es vielleicht besser als andere", sagte Richard Pound, ehemaliger Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA. "Ich hoffe, es sind nicht 60 Prozent gewesen, aber es sind sicherlich mehr, als wir fangen."

Rogge: "System funktioniert"

25 Millionen Euro kostete das IOC das Testprogramm und das Analyselabor. Mehr als 117 Athleten waren im halben Jahr vor Olympia positiv getestet und wurden aus dem Verkehr gezogen.

"Das ist ein Zeichen, dass das System funktioniert", meinte IOC-Präsident Jacques Rogge am Sonntag.

Der Südtiroler Geher-Olympiasieger von 2008, Alex Schwazer, war drei Tage vor Beginn der Spiele bei einer Zielkontrolle erwischt worden. "Wir sehen den Erfolg der gezielten Tests", hatte Bach betont. "Sie haben, verbunden mit den acht Jahre eingefrorenen Proben, einen hohen abschreckenden Wert."

Offensichtlich aber nicht für Kugelstoßerin Ostapchuk.

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