Dadic-Coach fordert: "Ivi braucht mehr Unterstützung"

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Am finsteren Horizont der heimischen Leichtathletik leuchtet das eine oder andere Sternchen. Beate Schrott ist im Hürdensprint drauf und dran, in die Weltspitze zu laufen und mit Ivona Dadic scheint erstmals bei Olympia eine Siebenkämpferin (der Bewerb wird seit 1984 ausgetragen) in den Ergebnislisten auf.

Die 18jährige Oberösterreicherin erreichte mit 5.935 Punkten den 25. Rang. Die jüngste Teilnehmerin des Feldes gab dabei ein Versprechen für die Zukunft ab. Trainer Wolfgang Adler schleift den Rohdiamanten seit nunmehr vier Jahren und ist überzeugt, dass "Ivi" eine ganz Große werden kann.

"Sie hat in allen Disziplinen Potenzial und sie wird 2013 die 6.000-Punkte-Marke knacken", ist der Landestrainer überzeugt.

Im LAOLA1-Interview spricht Wolfgang Adler noch einmal über den Olympia-Wettkampf, nennt die nächsten Einsätze von Ivona Dadic und erklärt auch, wo die Infrastruktur-Probleme liegen.

Adler dazu: "Für eine Olympia-Teilnehmerin wie Ivona benötigen wir mehr Trainingszeiten und -möglichkeiten. Die sind derzeit leider nicht vorhanden."

LAOLA1: Zwei Tage lang vor 80.000 Fans so eine Leistung zu bieten, das spricht für Ivona Dadic. Entspricht diese Coolness ihrem Naturell?

Wolfgang Adler: Ich kenne sie lange genug, um zu wissen, dass sie diesen Wettkampf einfach genießen wollte. Sich für diese Spiele zu qualifizieren, das war eine großartige Sache und sie ist mit der Einstellung in den Siebenkampf gegangen, dass sie alles genießen will. Das hat sie bis zum Schluss ausgekostet und dabei noch tolle Leistungen gebracht.

LAOLA1: Sie ist top in den Wettkampf gestartet und hat  mit persönlichen Bestzeiten aufgezeigt.

Adler: Ja, der Hochsprung war gleich ein emotionaler Höhepunkt und dann noch der Rekord im Sperrwurf, aber auch die Leistungen in den übrigen Bewerben waren sehr gut. Da habe ich wenig auszusetzen.

LAOLA1: Haben sie befürchtet, dass die Verletzung, die sie in Barcelona erlitten hat, ihren Wettkampf beeinflussen könnte.

Adler: Nein, wir haben ein sehr gutes medizinisches Team hier in London mit Dr. Alfred Engel und mit Ingrid Müller. Zu Hause ist sie ebenfalls bestens betreut und behandelt worden und sie ist top vorbereitet angereist. Meine einzige Befürchtung war, ob es sich von der Kondition her ausgeht, da wir im Vorfeld das Training sehr reduzieren mussten. Das hat man dann vielleicht auch beim 800-m-Lauf gesehen. Aber egal, ich freue mich über ihre Vorstellung.

LAOLA1: In welcher Disziplin besitzt Ivona noch das größte Potenzial, wo müssen sie den Hebel ansetzen?

Adler: Wir werden 2013 schauen, dass wir den Hürdensprint deutlich verbessern, da liegen wirklich sehr, sehr viele Punkte drinnen. Im Kugelstoßen ist sie auf einem guten Niveau, da geht es darum, dass sie noch nicht ganz stabil ist und den Speer muss sie künftig immer über 40 Meter werfen. Wir arbeiten erst vier Jahre zusammen. Das ist wenig, wenn man sieben Disziplinen gleichzeitig entwickeln muss. Das geht sich nicht aus.

LAOLA1: Sie war die jüngste Teilnehmerin im Siebenkampf. Worauf werden sie in den kommenden Jahren speziell achten müssen? Gibt es ein Patentrezept?

Adler: Nein, das gibt es nicht. Wir haben vor vier Jahren bei der Jugend-WM in Brixen unseren ersten gemeinsamen Wettkampf bestritten. Damals war sie die jüngste Teilnehmerin der gesamten WM und ist Zehnte geworden. Sie hat sich ständig entwickelt und wir müssen diese Schiene weiterfahren. Sie braucht die Unterstützung, die sie beim Heimverein, dem PSV Wels, genießt. Dazu die Unterstützung, die sie von mir als Trainer bekommt und jene, die sie von der Physiotherapie kriegt. Sie muss alles so weitermachen wie bisher, dann denke ich, dass wir eine Athletin mit einer großen Zukunft besitzen.

LAOLA1: Wie schaut der Alltag nach Olympia aus? Welche Wettkämpfe stehen noch auf dem Programm?

Adler: Zunächst wird sie bei den Gugl Games (19./20.8., Anm.) in Linz im Weitsprung-Bewerb starten. Ich hoffe, dass sie bis dahin dann wieder hundertprozentig fit ist. Das Wochenende darauf wird sie dann die österreichischen Mehrkampf-Meisterschaften, die zu Hause auf ihrer Heimanlage beim PSV Wels stattfinden, bestreiten. Die werden wir natürlich auch mitmachen, aber man darf sich jetzt von ihr nicht mehr zu viel erwarten.

LAOLA1: Wie sehen die Rahmenbedingungen im Training aus? Was könnte verbessert werden?

Adler: Wir haben in Linz grundsätzlich sehr, sehr gute Bedingungen, wir müssen nur die Infrastruktur, die da ist, besser nützen können. Es gibt die TipsArena auf der Linzer Gugl, die steht uns in der kommenden Hallensaison aber nicht einmal zwei Monate in Summe zur Verfügung. Das ist für eine Olympia-Teilnehmerin einfach zu wenig. Wir haben in dieser Halle einfach zu wenig Trainingszeiten. Ich habe natürlich Verständnis dafür, dass dort auch andere Events stattfinden müssen, aber die Leichtathletik hat keine Ausweichmöglichkeit und eine Sportlerin wie Ivona, die sich hier in London so toll präsentiert hat, die bräuchte in dieser Hinsicht unbedingt mehr Unterstützung.

LAOLA1: Dadic hat bei der Ehrenrunde die Nähe von Englands Superstar Jessica Ennis gesucht. Ist die Olympiasiegerin ein Vorbild für sie?

Adler: Jessica hat ein großes Charisma. Wir haben sie in Götzis kennengelernt, das ist eine tolle Sache. Wenn man mit der Frau, der 80.000 Fans zujubeln, in einem Wettkampf stehen darf, dann ist das für die "Ivi" eine ganz tolle Geschichte.

 

Das Gespräch führte Peter Rietzler

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