Ein Ausreißer zur rechten Zeit

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Es ist die Aufgabe der Trainer und der Wunsch aller Athleten: Den Formaufbau so zu timen, dass bei den Olympischen Spielen eine Bestleistung abrufbar ist.

Beate Schrott und ihr Coach Philipp Unfried scheinen dies gut hinzubekommen.

Die 24-Jährige drückte am Dienstag beim Meeting „Spitzenathletik Luzern“ den von ihr gehaltenen ÖLV-Rekord über 100 m Hürden um satte 13 Hundertstel auf 12,82 Sekunden.

Ein Ausreißer zur rechten Zeit

Eine Bestzeit, die sich zuletzt bereits abgezeichnet hat. Bei ihrem vierten Platz bei der Europameisterschaft in Helsinki, als sie um nur eine Hundertstel Bronze verpasste, war sie selbst bei widrigen Wetter-Bedingungen 12,98 gelaufen.

Die konstant guten Leistungen sind die neue Qualität der Athletin der St. Pöltenerin. „Was ich im Vorjahr einmal bei optimalen Bedingungen geschafft habe, kann ich jetzt sogar unter schlechten Bedingungen laufen“, freut sie sich.

Luzern, wo sie 1,4 Meter pro Sekunde Rückenwind hatte, stellt für sie ein Ausreißer nach oben dar. „Konstanz ist wichtig, um für so einen Ausreißer nach oben bereit zu sein. Nun ist es wichtig, mich auf diesem neuen Level versuchen zu stabilisieren.“

Dass ihr dieser ausgerechnet vor den Olympischen Spielen passiert, gibt ihr zusätzliches Selbstvertrauen.

Die Zielsetzung bleibt

Die Spiele werden aber eine ganz andere Hausnummer. Dessen ist sich auch Schrott bewusst. „Das Ziel bleibt nach wie vor das Semifinale“, will sie sich nichts vormachen. „Die Chancen auf das Finale sind realistisch betrachtet gering. Da haben viele eine bessere Zeit stehen als ich“, meint die nunmehr 35. der Jahresweltbestenliste.

Zum Vergleich: Angeführt wird das Ranking von Sally Pearson. Die Australierin gewann das Meeting in Paris in 12,40, was verdeutlicht, wie groß der Abstand zu den Besten ist.

Doch darauf will sich Schrott nicht konzentrieren. Ihr Fokus liegt mehr auf dem, was sie beeinflussen kann.

Zumal Hürden-Rennen immer für Überraschungen gut sind.

Schließlich sind da noch die zehn „Hindernisse“, die es zu überwinden gilt und vor einem Hängenbleiben ist niemand gefeit. Selbst eine Sally Pearson nicht.

Die stete Gefahr

Trotz der Konstanz, die sich Schrott zuletzt erarbeitet hat, will auch sie das Risiko eines „Einfädlers“ nicht kleinreden. „Hin und wieder denkt man schon drüber nach, einfach weil man als Hürdenläufer wissen muss, dass so etwas immer passieren kann.“

Läuft die Angst mit? „Es ist keine Angst, aber ab und zu ruft man sich das wieder in das Bewusstsein. Wenn ich über Ziele nachdenke, erinnere ich mich immer wieder daran: Das sind Hürden, da kannst du auch stürzen.“

Größer wird das Risiko beispielsweise bei starkem Rückenwind, genau wie es am Dienstag in Luzern der Fall war. „Da kann es leicht passieren, dass du zu nah an eine Hürde ranläufst. Das hat weniger mit routinebedingtem Vergessen zu tun.“

Bleibt nur zu hoffen, dass ihr vor allem bei den Olympischen Spielen - ihr Vorlauf findet am 6. August statt - ein derartiges Missgeschick erspart bleibt. Denn dann wäre selbst der gute getimte Formaufbau umsonst.

Reinhold Pühringer

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