Krafttanken für den großen Traum

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Sie hört auf ihren Geist und ihren Körper. Und beides drängt nach Bewegung.

Judokämpferin Sabrina Filzmoser absolvierte in den vergangenen drei Wochen in der Dachsteinregion ein umfangreiches Konditionsprogramm für ihre Kämpfe bei Olympia.

Sie tauschte Judogi und Tatami mit Tourenski, Mountainbike und Kletterausrüstung.

Am Sonntag geht es nach Japan, da wird die 31-Jährige wieder in den Kampfanzug schlüpfen und auf die Matte zurückkehren. Um sich den letzten Schliff für die Sommerspiele zu holen.

Spielplatz aus früheren Tagen

Wenn Filzmoser im Appartementhaus ihrer Tante in Ramsau Quartier aufschlägt und im Gebirge und auf Waldwegen ihre Einheiten abspult, dann fühlt sie sich zu Hause.

"Ich bin hier aufgewachsen, ich war hier schon als Kind mit meinen Eltern zum Bergsteigen und Wandern, war Winter wie Sommer unterwegs. Ich habe nur gute und angenehme Erinnerungen", erzählte Filzmoser und blickte auf das "herrliche Bergpanorama", das ihr Herz aufgehen lässt.

"Es passt alles perfekt, wir hatten ausreichend Zeit, um den konditionellen Aufbau auf London zu machen."

Lange Hebel

Schon von Jugend an hat Filzmoser viel Ausdauer trainiert. Mit 1,73 m ist sie eine der Größten in der Gewichtsklasse bis 57 kg.

"Die Hebelverhältnisse sind lang, ich bin lange nicht so explosiv und bullig wie die anderen. Ich weiß aber, dass ich meine Stärken nicht vernachlässigen darf, denn sonst müsste ich in einer anderen Gewichtsklasse kämpfen. Und das will ich nicht", erklärte die Welserin, die in ihrer bisherigen Karriere als größte Erfolge zwei Europameistertitel und zwei WM-Bronzemedaillen nach Hause gebracht hat.

Einfach abschalten

Filzmoser arbeitet gerne im Freien, es ist ein perfekter Ausgleich zum Hallentraining.

"Das gibt mir irrsinnig viel Lebensgefühl, wenn ich mal niedergeschlagen bin. Oder wie jetzt nach der EM eine Niederlage zu verarbeiten habe. Ab in die Ramsau, auf den Berg rauf, und alles vergessen, was passiert ist. Neue Energie und Motivation für die anstehenden Aufgaben holen. Ich weiß, dass die Olympischen Spiele heuer das Highlight in meiner Karriere sein sollen", meinte sie.

"Ich weiß, dass ich das Grundlagentraining brauche. Es ist so vielseitig, weil man beim Judo den ganzen Körper braucht. Kraft, Kondition, Schnelligkeit, Reaktion, Koordination."

Ein bisschen Judo muss sein

Das gemeinsam mit Nationaltrainer Udo Quellmalz abgespulte tägliche Pensum umfasste zwei Stunden Kraftkammer im Nordischen Zentrum sowie drei Stunden auf dem Rad, den Skiern oder (etwas kürzer) in den Laufschuhen.

Ganz ohne Judo ging es aber auch nicht. Zweimal pro Woche fuhr Filzmoser nach Strasswalchen oder Linz,  zu Trainingswettkämpfen mit niedriger Intensität.

"Das steht auch in Japan auf dem Programm, deswegen durfte ich es nicht ganz weglassen. Du brauchst einen gewissen Ablauf, eine gewisse Fähigkeit zum Reagieren. Das verlierst du sonst, wenn du drei Wochen gar kein Judo machst."

Das Pensum hinaufgeschraubt

Die Japan-Reise führt in die Nähe von Tokio auf die Universitäten von Tsukuba und Teikyo.

"Es wird bestimmt hart. Aber es ist dann Udos Aufgabe, zu sagen, jetzt ein bisserl weniger. Einen Umfang wie in Japan kannst du bei uns nicht trainieren. Da hast du pro Einheit zehn, zwanzig Trainingswettkämpfe, bei uns machst du maximal fünf bis acht, weil du nicht mehr Partner hast."

Am 23./24. Juni steht in Prag ein Europacup auf dem Programm, an dem auch Ludwig Paischer (bis 60 kg) und Hilde Drexler (bis 63 kg), die sich ebenfalls für London qualifiziert haben, teilnehmen werden.

Ein anderer Zugang

Der 30. Juli soll Filzmosers großer Tag in London werden. Davor wird es sie aber wohl noch für das eine oder andere Wochenende in die Ramsau ziehen.

"Die Leute sind total gemütlich und zugänglich. Inzwischen kennen mich viele und wissen, dass ich ihre Heimat, die Berge auch voll mag. Sie wertschätzen, was du sportlich leistest. Sie haben einen anderen Zugang zum Sport als viele in der Stadt", ist Filzmoser aufgefallen.

Deshalb passiert es auch, dass sie beim Einkaufen auf ihre jüngsten Ergebnisse angesprochen wird. Und den heißen Tee auf dem Guttenberghaus hoch über Ramsau, zu dem sie schon viele Male hochgelaufen ist, nimmt sie dankend entgegen.

Manchmal trifft sie dort auch Sporthilfe-Geschäftsführer Anton Schutti, der sich sportlich fit hält.

Was gar nicht geht

Nichtstuntage kennt Filzmoser nicht. Selbst wenn sie krank ist, beginnt es am zweiten Tag schon wieder zu kribbeln.

"Ich muss was tun, sonst werde ich auf andere Weise krank. Da wühlt es im Körper, das wird dann voll schlimm."

Das sei immer schon so gewesen, in ihrem Drang nach Bewegung habe sie sich noch nie bremsen lassen. Auch im Urlaub nicht. Wobei es nicht immer die Berge sein müssen.

"Nach der letzten WM war ich mit Freunden zwei Wochen in Sri Lanka surfen. Das taugt mir auch irrsinnig."

Sich niemanden aufzwingen

Filzmoser fühlt sich der Natur verbunden. Was die Natur ihr gibt, versucht sie in sportliche Leistung umzusetzen.

Wer nicht versteht, weshalb sie Sechsstundentouren mit Steigeisen und Pickel macht, den lässt sie reden.

"Wenn jemand die Natur nicht schätzt, merke ich das gleich und erzähle es dem nicht."

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