Bolt: "Wenn ich in Form bin, besiegt mich keiner!"

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Der Duft von Zuckerwatte und der Gestank von ranzigem Langos-Fett liegen in der Luft.

Kinder lachen, spielen, tanzen auf der Tartanbahn des Sport-Stadions von Ostrava.

Liefe nicht die Reggae-Rille auf Heavy-Rotation, man würde nicht erahnen, dass hier gleich der schnellste Mann der Welt dem tschechischen Nachwuchs auf die kurzen Beine schaut.

Nur das erhöhte Fotografen- und Kameramann-Aufkommen macht klar, dass es sich hier nicht um das Maikäferfest des lokalen Kindergartens handelt.

Schmächtige Bodyguards

Usain Bolt erscheint mit Verspätung und eben so, wie sich das für einen Superstar gehört.

Die beiden Bodyguards an seiner Seite sehen aus, als hätten sie eine große Portion rohes Fleisch zum Frühstück gehabt.

Fleisch, das sie mit bloßen Händen erlegt haben. Und dennoch wirken sie neben dem jamaikanischen Muskelpaket klein und schmächtig.

Wie ein Gangsta-Rapper

Obwohl Bolt Schwarz trägt, das ja bekanntlich schlank macht. Nur die dicke Uhr am Handgelenk glänzt golden in der Nachmittagssonne.

Die Schweizer Uhrenmanufaktur Hublot hat dem Superstar ein eigenes Modell gewidmet, das auf 250 Exemplare limitiert und 18.500 Euro teuer ist.

Das Armband ist aus demselben Stoff gefertigt, wie seine Schuhe bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking.

Mit der Yankees-Kappe und den dicken Kopfhörern könnte man ihn auch für einen Gangsta-Rapper halten.

Zum sechsten Mal in Ostrava

In der 300.000-Einwohner-Stadt an der tschechisch-polnischen Grenze hat man es nicht so mit Rappern - aber dafür umso mehr mit Usain Bolt.

2004, damals noch als Junior und eigentlich No-Name, war er das erste Mal in Ostrava am Start.

Am Freitag läuft der 25-Jährige zum bereits sechsten Mal beim Traditions-Meeting, das im Vorjahr 50-jähriges Jubiläum gefeiert hat.

Der schnellste Spaßmacher der Welt

22.000 Fans werden Superstar Bolt und zahlreichen anderen Lichtgestalten der Leichtathletik zujubeln.

„Es ist noch früh in der Saison, aber ich bin fokussiert und hoffe, dass das Wetter so gut bleibt“, lacht der Jamaikaner, der Ostrava vor allem verregnet und unterkühlt kennt.

In Erinnerung geblieben sind ihm neben den Wetterkapriolen vor allem „die tollen Fans“ und die lustigen Fotografen.

Bei der Pressekonferenz im Athleten-Hotel ist er dann nicht nur der schnellste Mensch auf diesem Planeten, sondern auch der schnellste Spaßmacher.

Diese Rolle beherrscht der Showman fast so gut wie seinen eigentlichen Job. Grimassen, Späße oder eine Darth-Vader-Imitation, Bolt ist auch im Olympia-Jahr ganz der alte Sprint-Komödiant.

WM-Fehlstart ist vergessen

Nur wenn es um die Spiele in London geht, dann wird Usain Bolt zumindest vorübergehend ernst.

„Ich habe mich weiterentwickelt und bin sehr zuversichtlich, dass ich meine drei Titel von Peking verteidige.“

Die Coaches, allen voran Glen Miller, sind zufrieden mit dem Fortschritt im Kraft- und Fitnessbereich. Vor allem aber beim Start.

Nach der Disqualifikation bei der Leichtathletik-WM in Daegu hat Bolt, so glaubt er, die richtigen Schlüsse gezogen.

„Es war mein Fehler! Ich habe mich in der Vergangenheit nicht wohlgefühlt beim Start und an diesem Tag ist alles zusammengekommen. Aber ich bin darüber hinweg, in London wird es keine Probleme geben.“

"Mich schlägt niemand"

Und er geht auch davon aus, dass ihm seine Konkurrenten keine Probleme bereiten werden.

„Das Niveau ist sehr hoch, das ist gut für den Sport. Aber wenn ich in Form bin, wird mich niemand schlagen“, sind Namen Schall und Rauch.

Bei seinem ersten Start in diesem Jahr, bei einem Meeting in Kingston, hat er mit 9,82 Sekunden gleich Jahresweltbestzeit aufgestellt – und seinen Landsleuten Yohan Blake und Asafa Powell und dem US-Amerikaner Justin Gatlin wieder einmal vorgelegt.

In Ostrava soll es bei entsprechenden Bedingungen schon eine Zeit von 9,70 Sekunden sein.

Sind 9,40 Sekunden möglich?

Vor kurzem ließ Bolt wissen, dass er sich eine Zeit von 9,40 Sekunden zutraue.

Biomechaniker haben einmal ausgerechnet, dass der menschliche Körper nicht dafür gemacht ist, die 100 m in einer Zeit unter 9,60 Sekunden zu laufen.

Muskeln würden reißen und Knochen brechen, hatten die Wissenschaftler gemutmaßt. Und dann kam Bolt und lief bei der WM 2009 in Berlin die 100 m in 9,58 Sekunden.

Es war einer dieser „Magic Moments“, die sich die Fans vom Messias der Leichtathletik seither bei jedem Rennen erwarten.

"Hauptsache als Erster im Ziel"

Also auch und vor allem bei den Olympischen Spielen in London.

Für Bolt kein Problem: „Ich selbst habe diesen Standard gesetzt und mit meinen Leistungen dafür gesorgt, dass die Menschen großartige Dinge von mir erwarten.“

Am meisten erwartet er aber von sich selbst. „Aber ich brauche diesen Druck auch, um Großartiges zu leisten.“

Zumindest bei Olympia geht das auch ohne Weltrekord. „Über die Zeit mache ich mir keine Gedanken. Hauptsache ich bin als Erster im Ziel.“

Aus Ostrava berichtet Stephan Schwabl

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