Melzer/Peya trauern verpassten Chancen nach

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Aufschlag, Aufschrei, Abschied!

Für Österreichs Tennis-Asse war der Olympia-Ausflug nach Wimbledon keine Reise wert.

In "ihrem Wohnzimmer" setzte es für die Rasen-Spezialisten Tamira Paszek und Jürgen Melzer trotz hoher Erwartungen bittere Erstrunden-Niederlagen.

Im Doppel verabschiedete sich Melzer mit Partner Alexander Peya in der zweiten Runde.

Im Mixed-Bewerb (nur 16 Teams am Start) scheiterte das Duo Melzer/Paszek am Cut und blieb beim Ansuchen um eine Wild Card erfolglos.

Was war Melzers Leistung?

Bei allem Respekt und den Leistungen von Jürgen Melzer, der 31-Jährige muss sich die Frage gefallen lassen, ob er sein Potenzial immer und überall abruft, oder ob er nicht der "geborene Loser" ist?

Österreichs mit Abstand bester Tennisspieler ist seit über zwölf Jahren als Profi auf der ATP-Tour. Auf seinem Preisgeld-Konto liegen über sieben Millionen Dollar.

Er ist damit klar der am besten verdienende Sportler im 70-köpfigen Olympia-Aufgebot. Und trotzdem muss sich Melzer fragen: Was war meine Leistung? Wie verlief meine Entwicklung?

Melzer nach Einzel nicht unzufrieden

Beim ersten Olympia-Auftritt in Athen setzte es ein 0:6, 1:6-Debakel gegen Vince Spadea.

Nach der 6:7, 2:6-Erstrunden-Niederlage gegen einen äußerst durchschnittlichen Marin Cilic beim Olympia-Turnier in Wimbledon, wirkte der Niederösterreicher gefasst und gab in der Mixed-Zone zu Protokoll, dass "er mit seinem Spiel nicht unzufrieden und Cilic ein gefährlicher Gegner war."

Jener Kroate, den er 2009 im Wien-Finale noch mit 6:4 und 6:3 vom Platz schoss, 

Ganz großer Wurf bleibt aus

Österreichs "Sportler des Jahres 2010" (er gewann mit dem Deutschen Petzschner den Doppel-Titel in Wimbledon und stand im Einzel bei den French Open im Halbfinale) ist in seinem Spiel vielseitig und unberechenbar, er verfügt über ein "begnadetes Händchen" und verblüfft immer wieder mit Weltklasse-Schlägen.

Der ganz große Wurf ist dem Junioren-Wimbledon-Sieger von 1999 aber dennoch verwehrt geblieben.

Die vier Turniersiege in Bukarest (2006), Wien (2009, 2010) und Memphis (2012) in Ehren, für einen Mann mit seinen Fähigkeiten liest sich die Erfolgsliste eher mickrig.

 Mentales Problem?

Besitzt Melzer ein mentales Problem? Liegt es an der Zufriedenheit, eine Konstante auf der Tour zu sein? Ist die ehemalige Nummer acht der Welt zu sehr Lebemensch und zu wenig Vollprofi?

Melzer ist einer der raren österreichischen Athleten in einer Weltsportart und kann dennoch seit Jahren die Erwartungen der Öffentlichkeit nur häppchenweise erfüllen.

Zwei-Olympia-Pleiten an einem Tag sind selbst für Melzer schwer zu verdauen. Nach dem Doppel-Aus mit Alex Peya gegen das spanische Duo Ferrer/Lopez wirkte Melzer wesentlich geknickter als noch fünf Stunden zuvor nach seiner Erstrunden-Niederlage gegen Cilic.

"Da hatte ich mir nichts vorzuwerfen. Er ist ausgesprochen unangenehm zu spielen und hat in den entscheidenden Phasen glücklicher agiert!"

Gut, aber glücklos

Im Doppel sah das anders aus. Melzer lieferte an der Seite von Peya eine gute, aber wieder einmal eine glücklose Vorstellung. Die Chancen-Auswertung ließ klar zu wünschen über, die "big points" sicherten sich die Spanier.

Melzer kleinlaut: "Es war so eng, wir waren in den meisten Phasen der Partie das bessere Doppel, aber wir haben unsere Möglichkeiten einfach nicht verwertet."

"Das tut weh! Ich bin angefressen und sauer. Ich muss schauen, dass ich das in den nächsten Tage verdaue. Das wird nicht einfach werden, aber ich werde es probieren. Ich muss das abhaken. Ich habe alles gegeben. Am Ende waren die Gegner um das eine Quäntchen besser."

Totale Leere

Der Wiener Alexander Peya, der beim Auftakt-Erfolg gegen die schottischen Murray-Brüder eine starke Vorstellung zeigte, sprach im Anschluss an die Niederlage gegen Ferrer/Lopez "von einer totalen Leere" und meinte: "Sie haben uns keine Geschenke bereitet und wir haben es nicht geschafft, den einen guten Punkt zu spielen."

Peya wirkte gebrochen und fürchtete eine schlaflose Nacht: "Wenn mir alle Chancen, die wir vergeben haben, durch den Kopf gehen, dann mache ich bis morgen Früh kein Auge zu. Das ist ganz bitter!"

Start der Nordamerika-Tournee

Aus, vorbei! Peya erholt sich in Wien und startet dann die US-Hartplatz-Tour im Doppel an der Seite des Brasilianers Bruno Suarez.

Tamira Paszek fliegt nach Kanada und will bis zum Start der US Open Ende August auf Hartplatz wieder zur Höchstform finden.

Auch Jürgen Melzer macht sich am Donnerstag von Wien aus auf den Weg nach Toronto und steigt damit wieder in die ATP-Tour ein, ehe in New York (ab 27.8.) das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres wartet.

Auf die Frage, ob Wimbledon für den 31-Jährigen der letzte Olympia-Auftritt war, oder ob Rio 2016 noch ein Thema ist, erklärte er gegenüber LAOLA1.at: "Das ist schwierig zu sagen. Ich beschäftige mich noch nicht mit meinem Karriereende. Ob ich noch weitere vier Jahre spiele, das weiß ich derzeit nicht."

Peter Rietzler

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