Guschlbauer: "Beweisen, dass nicht alles Glück war!"

Aufmacherbild
 

Am Sonntag fällt um 11:30 Uhr am Salzburger Mozartplatz der Startschuss für Red Bull X-Alps.

Beim härtesten Adventure-Race der Welt müssen die 31 Athleten die mehr als 1.000 Kilometer lange Strecke von Salzburg nach Monaco bewältigen.

Und das ausschließlich laufend oder fliegend. Österreich schickt drei ausdauernde Paragleiter ins Rennen.

Die besten Chancen hat Paul Guschlbauer, der bei seiner Premiere vor zwei Jahren Dritter wurde.

Bei seinem zweiten Start möchte der Steirer die Ziel-Plattform in Monaco erreichen. Gerne auch als Erster.

 

LAOLA1: Paul, wie ist deine Vorbereitung auf das Red Bull X-Alps verlaufen?

Paul Guschlbauer: Eigentlich ganz gut. In den letzten Wochen konnte ich mein Programm super durchziehen. Davor hat mir das Wetter ein bisschen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Durch den vielen Regen bin ich nicht ganz so viel zum Fliegen gekommen, wie ich es gerne gehabt hätte. Aber dafür war mehr Zeit zum Laufen (lacht).

LAOLA1: Du hast extra für den Wettkampf einen neuen Schirm entwickelt. Wie sieht es da aus?

Guschlbauer: Das war zuletzt sicher das große Thema. Die gute Nachricht: Es ist sich alles ausgegangen! Gleich der erste Testflug am Schöckel war sehr gut, das hat zum Glück auf Anhieb gepasst. Die verschiedenen Tests sind dann super verlaufen. Dadurch waren die endgültige Abnahme und das Gütesiegel kein Problem mehr.

LAOLA1: Worauf liegt der Fokus bei der Entwicklung eines solchen Schirms?

Guschlbauer: Es ist eigentlich ganz einfach: Möglichst leicht muss er sein! Das Gewicht ist bei der Entwicklung das große Thema. Weil alles, was ich in meinen Rucksack stecke, muss ich zwei Wochen mit mir herumtragen. Normalerweise wiegt ein Schirm in dieser Größe 6 Kilo, meiner hat jetzt 3,6 Kilo. Da kommt noch das Gurtzeug dazu, eine Spezialanfertigung mit nicht einmal einem Kilo. Und der Rettungsschirm.

LAOLA1: Apropos Zahlen. Wie sieht es mit deinen körperlichen Werten aus?

Guschlbauer: Ich habe in regelmäßigen Abständen Leistungstests gemacht. Da hat es immer geheißen: Für das, was ich vorhabe und was meine Anforderungen sind, nämlich zwei Wochen lang konstant auf einem guten Level unterwegs zu sein, passt es. Aber das hat es vor zwei Jahren auch schon. Ich habe viel trainiert und bin wieder ein bisserl besser geworden.

LAOLA1: Du warst im Winter auch mit Endurance-Superstar Kilian Jornet im Hochgebirge unterwegs. Wie war das?

Guschlbauer: Eine super Erfahrung. Kilian ist bei uns nicht so bekannt, aber in Frankreich ist er ein Superstar. Als ich erzählt habe, dass ich mit ihm einen Wettkampf bestritten habe und wir gemeinsam unterwegs waren, haben sich die Leute um mich geschart. Für mich war die Zeit mit ihm eine super Motivation für mein Rennen.

LAOLA1: Was konntest du dir von ihm abschauen?

Guschlbauer: Wie er lebt. Wie er gewisse Dinge angeht. Ich konnte mir einige Tipps holen, aber eher indirekt. Weil er ist natürlich mit einem ganz anderen Speed unterwegs. Ich schaffe mit Rucksack 40 Kilometer und 5.000 Höhenmeter, er läuft in der Zeit 80 km und 18.000 Höhenmeter. Dafür kann ich runter fliegen!

LAOLA1: Die Strecke wurde in diesem Jahr leicht verändert. Wie intensiv hast du gewisse Passagen besichtigt?

Guschlbauer: Ich war insgesamt mehr als drei Wochen auf der Strecke unterwegs und habe mir eigentlich alle Gebiete angeschaut. Ich kann also sagen, dass ich die ganze Strecke kenne, einiges davon wirklich im Detail. Es gab Passagen, da hatte ich eine gewisse Vorstellung, was ich da machen werde – und da war mir wichtig zu sehen, ob das auch wirklich passt.

LAOLA1: Im Internet sind Bilder aufgetaucht, die dich im Dickicht mit Chrigel Maurer, dem Titelverteidiger und Top-Favoriten zeigen.

Guschlbauer: Das war beim Borderline, einer Art Mini-X-Alps. Wir sind gemeinsam auf den Berg gegangen, haben die gleiche Route genommen. Er ist dann Tandem geflogen, aber selbst dann fliegt er sehr gut. Aber auch der Chrigel ist im Wind stecken geblieben und konnte nicht starten. Es war gut zu sehen, dass er auch nur ein Mensch ist.

LAOLA1: Wie würdest du euer Verhältnis beschreiben?

Guschlbauer: Es ist nicht so, dass wir uns aus dem Weg gehen. Wir reden viel miteinander, aber es gibt natürlich immer diese gewisse Distanz zwischen zwei Konkurrenten. Die merkt man einfach. Aber wir tauschen uns dennoch über Strecken, Material und solche Dinge aus, nur erzählt man eben nicht alles, was man sich denkt.

LAOLA1: Alles spricht vom X-Alps-Duell zwischen Titelverteidiger Maurer und dir. Wie gehst du mit der Rolle des ersten Herausforderers um?

Guschlbauer: Zunächst einmal ist es wichtig, dass man bis zum Schluss im Rennen bleibt. Das ist die Grundvoraussetzung. Und es ist schon schwierig, überhaupt nach Monaco zu kommen. Weil es braucht nur eine Kleinigkeit sein und man ist draußen. Wenn ich auf der anderen Seite keine Fehler mache, kann ich sicher vorne dabei sein.

LAOLA1: Keine Fehler wird angesichts der Tatsache, dass ihr euch zehn, elf, zwölf Tage am Limit bewegt, sehr schwierig werden, oder?

Guschlbauer (schmunzelt): Wenn einem das gelingt, gewinnt man wahrscheinlich. Mit ein, zwei kleinen Fehlern ist man ganz gut dabei. Für die Top-Ten kann man sich vielleicht einen großen Fehler leisten. Denn die Dichte ist in diesem Jahr extrem hoch.

LAOLA1: Auf der offiziellen Homepage verrätst du in deinem Steckbrief, dass es deine größte Angst ist, nicht mehr zum X-Alps eingeladen zu werden.

Guschlbauer: Vor zwei Jahren habe ich als Rookie alle überrascht. Jetzt wird es noch einmal spannend. Ich habe die Möglichkeit zu zeigen, dass das alles nicht nur Glück war. Es ist cool, wieder dabei zu sein. Jetzt möchte ich mit einem guten Rennen meinen Platz in diesem elitären Teilnehmerfeld festigen.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

 

 

Das Interview führte Stephan Schwabl

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen