Sam Pilgrim: "Unser Sport ist sehr sicher"

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Sam Pilgrim ist der Star der Freeride-Mountainbike-Szene.

Sein Name ist Programm: Seit Jahren tourt der Brite mit der FMB-World-Tour um die Welt, zeigt seine atemberaubenden Tricks und beeindruckt Zuschauer und Jugdes.

Im Vorjahr sicherte sich der Swatch Proteam-Athlet mit dem fehlenden Schneidezahn nicht nur den Gesamtsieg der wichtigsten Mountainbike-Freeride-Serie der Welt, sondern war auch der erste Europäer, der die FMB World Tour für sich entscheiden konnte.

Vor zehn Tagen belegte er etwa beim Swatch Prime Line in München hinter Überraschungssieger Louis Reboul den zweiten Platz (LAOLA1 war im Olympiapark dabei).

Dem 24-Jährigen, der immer ein Grinsen im Gesicht zu haben scheint, ist es am wichtigsten, "einfach Spaß zu haben". Neben dem Biken dreht er - wie viele Extremsportler - beeindruckende Filme, zudem hat er einen eigenen Youtube-Kanal, auf dem er seine Tricks zeigt und beschreibt.

Im Interview verrät Pilgrim, wie man auf die Idee kommt, eine derart  verrückte Sportart zu betreiben, und warum es angeblich ganz ungefährlich ist, mit dem Rad wie wild durch die Luft zu wirbeln.

LAOLA1: Was bedeutet Freeride-Mountainbiking für dich?

Sam Pilgrim: Es geht darum, Spaß auf seinem Bike zu haben. Nur das zählt. Ganz egal, ob man im Wald oder auf dem Feld herumfährt oder welche Sprünge man nimmt - es dreht sich alles darum, Spaß zu haben.

LAOLA1: Wann hast du damit begonnen?

Pilgrim: Ich habe mit dem Biken begonnen, als ich mit der Schule anfing, so mit fünf Jahren. Mit zehn oder elf Jahren habe ich dann begonnen, Tricks zu fahren. Schon mit elf Jahren hatte ich ein ganz ähnliches Bike wie heute.

LAOLA1: Wie bist du auf die Idee gekommen, diesen doch eher ungewöhnlichen Sport auszuüben?

Pilgrim: Es begann, wie bei allen anderen auch, indem mir meine Eltern als Kind ein Fahrrad zum ganz normalen Fahrradfahren schenkten. Dann habe ich mir ein britisches Mountainbike-Magazin gekauft und gesehen, welche Sprünge man mit einem Bike machen kann. Das hat mein Interesse geweckt und ich wusste, dass ich das auch machen will.

LAOLA1: Seit wann betreibst du das FMB professionell und kannst davon leben?

Pilgrim: Ich habe mir nie wirklich vorgenommen, das Mountainbiken professionell zu betreiben. Ich bin einfach mit meinem Bike gefahren und habe versucht, coole Tricks zu machen. Dabei hatte ich das Glück, dass sie cool genug waren, um zu gewinnen. Ich musste noch nie etwas anderes arbeiten, seitdem ich die Schule verlassen habe. Auch die anderen Fahrer können davon leben, es geht auch gar nicht anders, da man praktisch jede Woche irgendwo auf der Welt einen Event hat.

LAOLA1: Wie oft und wo trainierst du?

Pilgrim: Jeden Tag, wenn das Wetter passt, weil es einfach Spaß macht. Ich habe meinen eigenen Trainingsplatz auf einem Feld. Oft reise ich auch mit den anderen Jungs herum und wir trainieren zusammen.

LAOLA1: Trainierst du auch abseits des Bikes? Im Fitnessstudio etwa?

Pilgrim: Nein. Niemals. (lacht)

LAOLA1: Wie bereitest du dich auf einen Wettkampf vor? Nutzt du Mentaltraining?

Pilgrim: Nein. Ich weiß einfach, dass ich es kann und dann fahre ich einfach los.

LAOLA1: Hast du manchmal Angst?

Pilgrim: Ja. Bei manchen Contests sind die Jumps unglaublich groß, das ist schon furchteinflößend. Da muss man durch, die Angst überwinden und ab geht’s.

LAOLA1: Deine Zahnlücke ist zu einer Art Markenzeichen für dich geworden. Wie hast du den Zahn verloren?

Pilgrim: Bei einem Sturz vor drei oder vier Jahren ist der Zahn gebrochen und musste raus. Ich habe einfach gesagt, dass ich die Lücke behalte und es stellte sich heraus, dass es irgendwie cool ist. So bin ich nun auch in einer Gruppe gleich zu finden. (lacht)

LAOLA1: Welche anderen Verletzungen hast du dir bislang zugezogen?

Pilgrim: Gar nicht so viele. Einmal habe ich mir die Schulter ausgekugelt, aber das war’s auch schon. Unser Sport ist sehr sicher – sicherer, als einfach über die Straße zu gehen. (lacht)

LAOLA1: Was ist dein Lieblingstrick?

Pilgrim: Der 360 Tailwhip, du drehst dich und dann gibst du dem Bike einen Kick, damit es sich zur selben Zeit ebenfalls dreht. Man muss es sehen, um es zu verstehen. Es sieht total komisch aus und man denkt: Oooooh, doch dann landet man und alles ist gut. Es ist mein Lieblingstrick, da es für jemanden, der sich nicht auskennt, aussieht, als ob man crasht und dann landet man perfekt. Das ist cool.

LAOLA1: Gibt es einen Ort auf der Welt, den du noch unbedingt sehen oder befahren willst?

Pilgrim: Nein. Ich war schon überall. (lacht) Da fällt mir im Moment echt nichts ein. Zuletzt war ich auf Hawaii, das war unglaublich. Da will ich wieder hin. Das war allerdings eher Urlaub, ich hatte mein Bike gar nicht mit. Es war ein Athletentreffen, wir waren surfen und hatten Spaß.

LAOLA1: Im letzten Jahr hast du den Weltcup gewonnen. Fühlst du mehr Druck als Titelverteidiger?

Pilgrim: Ja, das ist echt scheiße. Jeder erwartet, dass man siegt. Aber man gewöhnt sich daran.

LAOLA1: Was ist das für ein Gefühl, wenn die Leute einen bejubeln?

Pilgrim: Ich weiß nicht genau, man fühlt sich einfach wie ein richtig cooler Typ. (lacht)

LAOLA1: Vielen Dank für das Interview.

 

Das Gespräch führte Henriette Werner

LAOLA1: Wie lernst du einen Trick?

Pilgrim: Manchmal sehe ich einen Trick und denke, oh, das sieht cool aus, das will ich auch lernen. Der erste Schritt führt dann immer zuerst zu einem "Foam-Pit" (eine Art Schwimmbecken mit Schaumstoff darin, Anmerk.), in denen auch Turner trainieren. Dort übt man einen Sprung zuerst, um weich zu landen, falls es nicht funktioniert. Nach einer Weile, vielleicht nach zwei Wochen, probiert man dann einen richtigen Jump ohne Abpolsterung.

LAOLA1: Du hast bereits den Vienna Air King, den 26Trix in Leogang sowie das Adidas Year in Linz gewonnen. Dir scheint Österreich zu liegen, oder?

Pilgrim: Ich mag das Land wirklich sehr. Österreicher sind cool und nett, irgendwie erinnern sie mich an uns Engländer. Warum, weiß ich auch nicht so recht. Die Berge sind wunderschön und ich bin immer wieder beeindruckt, wie sauber alles ist. In Österreich habe ich immer eine schöne Zeit.

LAOLA1: Wie beurteilst du die Entwicklung, die das Freeride-Mountainbiking in den letzten Jahren genommen hat?

Pilgrim: Die Tricks sind definitiv um einiges verrückter geworden. Als ich anfing, Contests zu fahren, so mit 16 Jahren, musste man nicht einmal wirklich Tricks fahren, um das Ding zu gewinnen. Das war noch sehr einfach. Heutzutage musst du die ganze Zeit die härtesten zeigen, da das Trick-Level sich extrem gesteigert hat. Die Sponsoren sind bereit, immer mehr zu zahlen und die Preisgelder werden ebenfalls höher. Auch der Bekanntheitsgrad unserer Sportart wächst.

LAOLA1: Wenn man sich bei euch im Fahrerlager aufhält, gewinnt man den Eindruck, dass ihr alle Freunde und keine Gegner seid.

Pilgrim: Das ist auch so. Ich denke, dass ist in vielen Freestyle-Sportarten so. Es gibt hier niemanden, von dem ich mir denke, dass ich ihn hasse und ihn deshalb schlagen will. Beim Wettkampf selbst schaue ich dann aber schon nur auf mich.

LAOLA1: Glaubst du, dass sich das ändert, wenn der Sport noch populärer wird?

Pilgrim: Es gibt schon heute ein paar wenige Typen, die so sind. Mit denen hänge ich einfach nicht ab.

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