Beschädigte Kapsel verzögert finalen Stratos-Sprung

Aufmacherbild

Weiter Warten auf den spektakulären Stratosphären-Sprung des Salzburger Extremsportlers Felix Baumgartner: Wie Red Bull am Donnerstag bekanntgab, muss der für August geplante Sprung verschoben werden.

Die Kapsel, mit der der 43-Jährige in eine Höhe von 36 Kilometer gezogen werden sollte, wurde bei der Landung nach dem letzten Testsprung so schwer beschädigt, dass sich der Sprung im August nicht mehr ausgehen wird. Als neuer Termin wurden die ersten Oktoberwochen genannt.

Schaden an der Kapsel

Nachdem das Team nach dem zweiten Testsprung im Juli die Kapsel geborgen hatte, entdeckte es die Schäden. Das Modul driftete nach dem Absprung von Baumgartner ab und landete südwestlich von Roswell auf felsigem Gelände, berichtete Red Bull auf seiner "Stratos"-Homepage.

Dabei wurde die Kapsel auf die Seite geworfen. Es entstanden Schäden an der äußeren Hülle, dem Rahmen und anderen wichtigen Komponenten.

Nach intensiven Tests der kalifornischen Firma Sage Ceshire Aerospace wurde festgestellt, dass die wichtigsten Elemente wie der Druckbereich und das elektronische System keinen Schaden erlitten hatten. Allerdings wird die äußere Hülle ausgetauscht und mit Material aus einer Reservekapsel versehen.

Fünf Jahre Forschungsarbeit

Für den geplanten Sprung aus der Stratosphäre ist das Equipment für Extremsportler Felix Baumgartner lebensnotwendig. Die Kapsel, die beim letzten Testsprung beschädigt wurde, soll den Salzburger in eine Höhe von 36 Kilometer bringen, gezogen von einem 55 Stockwerken hohen Ballon.

Die von Hand gebaute Kapsel dient dem 43-Jährigen während seiner fast dreistündigen Reise an den Rand des Weltraums als einziger Schutz vor den lebenswidrigen Bedingungen. In ihr stecken nicht nur fünf Jahre Forschungsarbeit eines internationalen Expertenteams, sondern auch hochmodernes Equipment aus der Luft- und Raumfahrt.

Die Kapsel wird Baumgartner mit ihren Lebenserhaltungssystemen als Schutz vor den extremen Bedingungen in der Stratosphäre dienen: Temperaturen von bis zu minus 56 Grad Celsius, niedriger Sauerstoffgehalt und geringer Luftdruck.

Unter der Leitung des technischen Projektleiters Art Thompson wurde die hochmoderne Kapsel von der kalifornischen Firma Sage Cheshire Aerospace entworfen und von Hand gebaut. Sie entstand in Zusammenarbeit führender Experten auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt. Mit Hilfe der Kapsel sollen auch wichtige wissenschaftliche Daten für künftige Missionen gesammelt werden.

Raumfahrt-Technologie

Zum Schutz der Kapsel wird diese von einem aus Chrom-Molybdän-Röhren zusammengeschweißten Käfig umschlossen. Das Material wird aufgrund seiner Stärke häufig im Rennsport und in der Raumfahrt eingesetzt. Dieser Schutz muss zudem Belastungen standhalten, die durch das Auslösen des Fallschirmsystems und die anschließende Landung auf der Erde entstehen.

Darüber umschließt eine knapp vier Meter hohe und zweieinhalb Meter breite Außenhülle sowohl den Druckbereich als auch den Käfig. Sie ist eine dünne Membran mit einer Isolierungsschicht aus Schaumstoff und Fiberglas und soll vor den extrem niedrigen Temperaturen schützen.

Vor harten Landungen schützt der zweieinhalb Meter breite Sockel besteht aus einer fünf Zentimeter dicken Aluminiumplatte mit Leichtbauweise. Auf der Unterseite der Kapsel befinden sich die sogenannten Crush-Pads. Diese sollen starken Belastungen standhalten und werden nach jedem Flug ausgetauscht.

Mit dem Ballon in 36.000 Meter Höhe

Ein Heliumballon wird das 1.315 Kilogramm schwere Modul an einem 50 Meter langen Seil auf etwa 36.000 Meter Höhe ziehen. Die Kapsel ermöglicht Baumgartner eine natürliche Atmung. Der Salzburger ist während seiner Reise an einem Sitz festgeschnallt, der genau an die Maße seines Raumanzugs angepasst ist.

Ein Blick in die Kapsel

Mittels 89 Knöpfen und Schaltern kann er bei Bedarf alle Abläufe manuell selbst steuern. In der Zielhöhe angekommen, kann Baumgartner die Kapsel durch eine 1,5 Zentimeter dicke Luke aus durchsichtigem Acryl verlassen und sie beim Absprung als stabile Plattform nutzen.

Nachdem Baumgartner abgesprungen ist, wird die Kapsel per Fernsteuerung vom Heliumballon losgelöst und mittels eines Fallschirm-Systems langsam auf die Erde absinken. Durch das eingebaute GPS-System kann die Kapsel jederzeit bis zur Landung geortet werden. Zurück auf der Erde werden die gesammelten Daten heruntergeladen und ausgewertet.

Sprung führ Anfang Oktober geplant

Nach dem Zusammenbau der Kapsel sollen die Tests am 24. September abgeschlossen werden. Der finale Sprung ist für die ersten zwei Oktoberwochen geplant.

Die Wetterbedingungen für den Herbst dürften perfekt sein, bestätigte auch der Meteorologe des Projekts, Don Day: "Herbstbeginn in New Mexico ist eine der besten Zeiten des Jahres, um einen Stratosphärenballon zu starten."

Nicht der erste Rückschlag für den 43-jährigen Salzburger: Im Oktober 2010 wurde das Projekt "Stratos Red Bull" wegen eines rechtlichen Streits in den USA auf Eis gelegt.

Ein Amerikaner beanspruchte die Rechte und reichte bei einem kalifornischen Gericht eine Multi-Millionen-Dollar-Klage ein, die ein vorläufiges Aussetzen des Projekts zur Folge hatte. Nachdem man sich im Sommer 2011 außergerichtlich geeinigt hat, gingen die Vorbereitungen für "Stratos" weiter.

Vier Rekorde

Seit fünf Jahren bereitet sich Baumgartner auf das Projekt vor. Bereits im März absolvierte er den ersten Testsprung aus rund 21.800 Metern, im Juli erfolgte der zweite Testsprung aus rund 30.000 Metern. Bei der "Mission Red Bull Stratos" sollen vier bestehende Rekorde gebrochen werden: der höchste bemannte Ballonflug (36.576 Meter) sowie der höchste Fallschirmsprung.

Baumgartner soll auch als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrechen. Weiters soll er den längsten freien Fall - ungefähr 5.30 Minuten - absolvieren. Den bisherigen Rekord hält seit 52 Jahren Baumgartners Mentor Joe Kittinger, der aus einer Höhe von 31.332 Metern sprang.

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen