Startvorbereitungen begonnen: Ballon wird ausgerollt

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Das Wetter in Roswell in den USA machte es am Dienstag bis zum Schluss spannend.

Weil es zunächst nicht mitspielte, wurde der Stratosphären-Sprung von Felix Baumgartner um einige Stunden verschoben.

Dienstag früh wurde in New Mexico der Countdown gestoppt, das Zeitfenster für den Launch zunächst auf 16.00, dann auf 17.30 Uhr (MESZ) nach hinten verschoben. Nachdem auch dieser Zeitpunkt zu früh war, wurde der Start erst auf 19.15 MESZ festgelegt und schließlich um weitere 15 bis 30 Minuten verschoben.

Ab 16.50 Uhr wurde der Start vorbereitet, der Ballon aus seiner Box geholt und ausgerollt - die Mission hatte damit begonnen.

Windgeschwindigkeit erst zu hoch

Zunächst war das Problem, dass die Windgeschwindigkeit in der Früh auf 700 bis 800 Fuß Höhe (213 bis 243 Meter) - das wäre an der obersten Spitze des aufgeblasenen Ballons - bei 20 Meilen pro Stunde (rund 32 km/h) lag. Am Boden betrug die Windgeschwindigkeit drei Meilen pro Stunde (rund fünf km/h).

Beim Aufrichten des Ballons wäre daher der Ballon gekippt. „Wir können den Ballon derzeit nicht sicher starten“, sagte Day zu diesem Zeitpunkt (Ortszeit). Zudem hatte es Probleme mit dem GPS-System gegeben, die Day nicht weiter erläuterte.

Das Team hatte den Sonnenaufgang abgewartet, um auf eine Beruhigung der Windsituation durch die Wärme zu hoffen. Sollte der Sprung heute, Dienstag, dennoch noch abgesagt werden - auch beim Aufblasen des Ballons könnte das Unterfangen noch abgebrochen werden -, wäre Donnerstag die nächste Option.

Mahlzeit für Baumgartner

Aufgrund der langen Wartezeit hat sich Felix Baumgartner eine Zwischenmahlzeit gegönnt. Laut Red Bull hat er einen Erdbeer-Eiweißshake getrunken.

Es musste eine leicht verdauliche Kost sein, damit dem 43-jährigen Salzburger das Essen im Magen beim Sprung keine Probleme macht. Kurz nach dem Aufstehen gegen 2.00 Uhr Ortszeit (10.00 Uhr MESZ) hat Baumgartner bereits einen Lachs verspeist.

Mit nach Roswell sind Freunde und die Familie von Felix gekommen. In einem Interview mit Servus TV sagte sein Bruder Gerald, dass er "in keinster Weise besorgt" sei. "Funktionieren tut es (der Sprung, Anm.) auf alle Fälle, wenn das Wetter funktioniert. Er macht es sowieso perfekt - das pfeift!"

Mutter erstmals live dabei

Felix Mutter Eva ist das erste Mal bei einem Projekt ihres Sohnes live dabei: "Sorgen mache ich mir schon, aber ich finde, dass er wirklich gut drauf ist die letzten paar Tage, die ich ihn gesehen habe. So war er noch nie bei einem Projekt." In Zukunft will sie immer live dabei sein.

Freundin Niki erzählte, dass sie den Abenteurer schon mit dem Projekt "Red Bull Stratos", das seit fünf Jahren vorbereitet wurde, kennengelernt hat: "Wenn ich damit nicht klar kommen würde, hätte ich mich nicht auf Felix einlassen können."

Und es wäre auch für diesen gut, wenn der Sprung heute absolviert wird. "Er mag Warten überhaupt nicht, er ist nicht gerade der Geduldigste. Für uns alle wäre es gut, wenn es heute stattfinden würde."

Fünf Jahre Training

Fünf Jahre trainierte der Salzburger für seinen Sprung aus 36 Kilometern Höhe. Im März gelang der erste Testsprung erfolgreich aus rund 21,8 Kilometern, im Juli erfolgte der zweite Sprung aus rund 30 Kilometern. Beim finalen Sprung wird ein über 150.000 Kubikmeter großer Heliumballon Baumgartner in einer Kapsel in die Höhe von 36 Kilometer bringen.

Der Salzburger selbst wird in einem speziellen Druckanzug stecken, der ihn vor den erwarteten Temperaturen von minus 70 Grad schützt und dessen Außenseite aus feuerfestem Material hergestellt ist. Der Anzug verfügt über Sauerstoffvorräte für den Notfall und einen GPS-Sender zur Standortbestimmung auf der Erde.

Gegen 17.30 Uhr MESZ trug Baumgartner schon den Anzug und bekam zur Vorbereitung reinen Sauerstoff, um den Stickstoff aus seiner Blutbahn zu eliminieren, der sich in extremer Höhe gefährlich ausdehnt.

Ohne Druckanzug und Sauerstoff würde aufgrund der geringen Luftdichte in über 19 Kilometern Höhe das Blut im menschlichen Körper zu kochen beginnen.

Etwa drei Stunden Aufstieg

Ungefähr drei Stunden benötigt der Ballon, bis er in die geplante Höhe von mehr als 36 Kilometern aufgestiegen ist. Schließlich wird Baumgartner die Tür der Kapsel öffnen, auf die davorliegende Plattform steigen, sich vom Versorgungssystem der Gondel ausklinken und springen.

Nach ungefähr 30 Sekunden soll der Salzburger Schallgeschwindigkeit erreichen. Etwa fünfeinhalb Minuten soll er dann im freien Fall heruntergleiten und schließlich auf einer Höhe von 1.500 Metern über dem Boden den Fallschirm öffnen. Während des Sprunges ist Baumgartner unter ständiger medizinischer Beobachtung. Sieben Ärzte werden sich um sein Wohl kümmern.

Ein zentrales Ziel der Mission "Red Bull Stratos" ist es, wichtige Daten für die Wissenschaft zu sammeln. Sie sollen in Zukunft die Sicherheit in der Raumfahrt erhöhen. Mit dem Sprung sollen außerdem vier Rekorde gebrochen werden: der höchste bemannte Ballonflug, der höchste Fallschirmsprung, das erstmalige Durchbrechen der Schallmauer durch einen Menschen und der längste freie Fall.

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